Sport in Hessen - die Zeitschrift des Landessportbundes Hessen
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· Ausgabe 02/2010 · 

Vom Spezialspringen wechselte Dirk Kramer zu den Nordischen Kombinierern und war auch mit der Langlaufstaffel des SC Willingen erfolgreich. Fotos: HNA-Archiv
Ist bis heute dem Skisport und dem SC Willingen treu geblieben - Dirk Kramer.

Erfolgreiche hessische Sportlerinnen und Sportler früherer Tage im Porträt ­– Dirk Kramer

„Der Sport hat mir immer viel gegeben, das wirkt bis heute nach“

In jungen Jahren zählten sie zu den erfolgreichen Sportlerinnen und Sportlern Hessens. Sie waren bekannt und in aller Munde. Nach der sportlichen Karriere jedoch ist es meist ruhig um sie geworden. Wir stellen die Stars von gestern in Sport in Hessen vor. Autor der Serie ist der Journalist Michael Burau. Heute: der ehemalige Nordische Kombinierer Dirk Kramer.
Am 11.April im Olympiajahr 1960 wurde der spätere erfolgreiche nordische Skisportler Dirk Kramer in Korbach geboren, sonst hat er stets in Willingen/Nordhes-sen gewohnt. Frühzeitig schloss sich der Junge dem dortigen SC W an, betrieb anfangs Langlauf, bald darauf Skispringen sowie beides kombiniert. Mit zwölf fand sich Dirk in der Jugend-Nationalmannschaft, mit 16 Jahren als Spezialspringer bei der Vierschanzentournee, auch noch als Junior (79/80).
Nachdem Kramer wieder mit der Nordischen Kombination begonnen hatte, avancierte er „eher unerwartet“ 1983 zum deutschen Meister, belegte international vordere Plätze im Weltpokal in Reit im Winkl und am berühmten Holmenkollen bei Oslo – „die dortigen Starts waren für mich immer etwas Besonderes“, sagt der Nordhesse rückblickend. Der Höhepunkt seiner sportlichen Laufbahn jedoch war die Olympiateilnahme 1984 in Sarajevo: „Ein großartiges Erlebnis“, so Kramer, der 18.Platz war dabei sekundär, zufriedenstellend.
Ein schöner Erfolg war für ihn gerade der Gewinn der deutschen Meisterschaft 1986 mit der Langlaufstaffel des SC Willingen, natürlich inklusive Jochen Behle, dem vielfachen deutschen Meister, Olympioniken und heutigen Bundestrainer.
Als DM-Zweiter in der Nordischen Kombination reiste Dirk Kramer zu den - auch für uns Medienmenschen - stimmungsvollen Nordischen Skiweltmeisterschaften 1987 in Oberstdorf, damals ein wahres Wintermärchen. Die deutschen Kombinierer gewannen die einzige Medaille, gleich in Gold - ohne den leicht erkälteten Hessen, der sich einzeln wacker schlug. Eine zweite Olympiateilnahme 1988 in Calgary blieb Kramer verletzungsbedingt verwehrt – verewigt im NOK-Teambuch (Stand 1 .2.1988). Auch aus beruflichen Gründen – Kramer war Oberfeldwebel bei der Bundeswehr, der er bis 1992 angehörte – beendete der Skisportler 1988 seine aktive Laufbahn. „Der Sport hat mir immer viel gegeben, das wirkt bis heute nach“, sagt Dirk Kramer rückblickend. Er nennt – auch internationale – Bekanntschaften, Freundschaften. „Ich bin mit dem Sport selbständig geworden“, fügt er hinzu. Der heute noch sportliche Hesse erwarb an der Kölner Akademie sein Trainerdiplom. Im Landkreis Willingen wurde er zum Verwaltungsfachwirt ausgebildet, war zwei Jahre im Sportamt tätig. Seit 2004 ist er öffentlich-rechtlicher Vollziehungsbeamter.
„Aktiv dem Sport verbunden“ blieb der deutsche Meister auf Skiern auch nach seiner Karriere: beim Biathlon als Servicemann für Ski, von 1988 bis 92, auch bei Olympia in Albertville, speziell für seine Vereinskameradin Petra Behle, die Biathlon-Ikone. Als Material-Tester u.a. ist Dirk Kramer immer noch für den Hessischen Ski-Verband im Service-Bereich tätig, vor allem mit der Jugend unterwegs.
Mit seiner Lebensgefährtin, die es mehr alpin mag, geht es eher auf hügeliges Gelände, das Willingen ja auch besitzt.
Der ehemalige Leistungssportler, der einst auch Drachenfliegen und Surfen als Hobbys hatte, ist gern mit dem Mountainbike auf der Höhe der abwechslungsreichen heimatlichen Landschaft. „Einen Ausgleich muss man haben“, sagt Dirk Kramer, der dazu auch noch Wildwasserfahren zählt.
„Als lebenslustig“ schätzt sich der Widder selbst ein. Die gängigen Attribute wie „enorm belastbar, wenig stressanfällig, optimistisch“ mag man, wie Dirk Kramer, den aktuellen Olympiateilnehmern an den Winterspielen in Vancouver wünschen.

Michael Burau