Landessportbund

Zurkhaneh-Europameisterschaft in der lsb h-Sportschule

Trommeln, Keulen und starke Männer

Starke Männer drehen sich in atemberaubendem Tempo um die eigene Achse, jonglieren mit überdimensionalen Keulen, schwingen in einer vorgegebenen Choreografie schwere Eisenketten oder stemmen wuchtige Metall-Schilde. Angefeuert vom dumpfen, rhythmischen Dröhnen einer Trommel, zu der ein Musiker eine für westeuropäische Ohren fremd anmutende Melodie singt, steigern die Athleten ihre sprichwörtlichen Kraftakte von Minute zu Minute.
Schauplatz dieser ungewöhnlichen, sportlichen Aktivitäten war jetzt die Sportschule des Landessportbundes Hessen in Frankfurt. Zwei Tage lang fanden hier die 2. Europameisterschaften im Zurkhaneh, der traditionellen iranischen Kraftsportart, statt. 140 Sportler und Funktionäre weilten zu diesem Zweck insgesamt vier Tage in der Sportschule, trugen damit einen Teil ihrer (Sport-)Kultur in den Westen.
Lange Tradition
Zurkhaneh, das ist traditioneller iranischer Kraftsport mit ersten Wurzeln im 7. Jahrhundert nach Christus. Das Wort Zurkhaneh selbst steht für einen Raum, in dessen Mitte eine einen Meter tiefe, achteckige Grube eingelassen ist.
Die sportlichen Übungen finden in dieser Grube statt. Seitlich schräg oberhalb der Grube sitzt der Morsched, ein Sänger, Trommler und Glockenspieler, und begleitet das sportliche Geschehen musikalisch anfeuernd.
Als Höhepunkt und Abschluss des Kräftemessens wird das Pahlavani-Ringen veranstaltet; ein Ringkampf, der in seinen Grundstrukturen mit dem in westlichen Gefilden bekannten Ringen übereinstimmt.
Sport für jedes Alter
Zurkhaneh als Sport wird in der „iranischen Hemisphäre“ von Menschen im Alter zwischen acht und 80 betrieben. Der Sport versteht sich als klassenloses Ereignis, ist zum überwiegenden Teil freilich Männersache.
Gleichwohl der Iran zahlenmäßig die meisten Zurkhaneh-Sportler beheimatet, gilt das kleine Nachbarland Aserbaidschan als Heimat der „Champions“. Nur, dass im Zurkhaneh die absoluten Meister nicht als Weltmeister, sondern als „Weltheld“ bezeichnet werden. Und dass es entschieden einfacher ist Weltmeister als Weltheld zu werden. Denn in der gesamten Geschichte des Zurkhaneh ist dieser Titel erst zweimal verliehen worden.

Text/Fotos: Ralf Wächter
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