

Erfolgreiche hessische Sportlerinnen und Sportler früherer Tage im Porträt – Annerose Fauerbach
In jungen Jahren zählten sie zu den erfolgreichen Sportlerinnen und Sportlern Hessens. Sie waren bekannt und in aller Munde. Nach der sportlichen Karriere jedoch ist es meist ruhig um sie geworden. Wir stellen die Stars von gestern in Sport in Hessen vor. Autor der Serie ist der Journalist Michael Burau. Heute: die Eisstockschützin Annerose Fauerbach.
Alles gewonnen hat die Bad Nauheimer Eisstockschützin Annerose Fauerbach, von der Hessenmeisterschaft über DM und EM bis zum Weltmeistertitel. Dabei mussten ihre Eltern, selbst erfolgreich mit den Eisstöcken, die frühere Hobby-Keglerin erst (mit 25 Jahren) zu dieser Sportart überreden, die in Bayern, anders als in Hessen, geradezu Volkssportcharakter hat.
Am 03.08. im Olympiajahr 1952 in Bad Nauheim geboren, in Rosbach aufgewachsen, heiratete die sportliche Annerose den langjährigen Eishockey-Abwehrspieler Thomas Fauerbach vom EC/VfL Bad Nauheim. Ende 1977 begann sie beim VfL mit dem Eisstockschießen, „ins kalte Wasser gesprungen“, wie sie sagt, respektive gefrorenes.
Die 1,80 m große, stattliche Frau war talentiert genug, schon 1981 deutsche Einzel-Vizemeisterin zu werden, gegen mächtige Konkurrenz vor allem aus Bayern. Der erste große internationale Erfolg folgte acht Jahre später in Finnland mit dem EM-Mannschaftstitel, Ende 1990 dann der Gewinn der Team-Weltmeisterschaft in Wien, vor Gastgeber Österreich.
Einen besonderen Stellenwert hatte für die Hessin zuvor der Einzeltitel bei den deutschen Meisterschaften in Waldkraiburg, im Feld von 50 spielstarken Mitbewerberinnen. Mit dem LSC Bad Nauheim trug die Fauerbach 1996 in Dortmund noch wesentlich zum DM-Gewinn der Mannschaft bei. Die Hessinnen traten 1993 in Wiesbaden in der Frank-Elstner-Fernsehshow „Aber Hallo“ auf, Annerose Fauerbach erhielt 1995 in Bonn das Silberne Lorbeerblatt von Bundespräsident Roman Herzog, 1996 die Sportplakette des Landes Hessen (in chronologischer Reihenfolge).
Hoher Spaßfaktor
Die vielen sportlichen Erfolge haben zum hohen Spaßfaktor – neben erfreulichen Begegnungen und schönen Reisen – erheblich beigetragen, gibt sie zu: „sonst hätte ich das nicht so lange durchgezogen.“ Das Eisstockschießen auf gehobenem Niveau habe, bei allem Vergnügen, viel Zeit gekostet, „die meisten Wochen-enden“. Auch (Reise-)Geld, für lupenreine Amateure: „Was mein Mann mit dem Eishockey verdiente, habe ich wieder ausgegeben“, meint sie scherzhaft; so viel war es jeweils nun auch wieder nicht...
Das rund vier Kilo schwere Gerät war auf die Dauer für vorbelastete Gelenke und Knochen jedenfalls nicht gerade hilfreich: es gab Bandscheiben- und Hüftprobleme, zumal durch kalte Witterung. Insoweit war es ganz gut, dass das Eisstock-As das noch viel schwerere Curling-Gerät (zudem besonders teuer) außen vor (damals nächster Ort Mannheim, jetzt Frankfurt) lassen musste, bei allem Interesse.
Eisstockschießen hätte aus deutscher Sicht eher die Berechtigung gehabt, olympische Sportart zu sein als Curling; allein in Deutschland gibt es viel mehr Aktive und Vereine für die konservative Art der Zielannäherung. Bogenschießen wäre im übrigen für Annerose Fauerbach eine Alternative zum Eissport gewesen, auch bestimmt rückenfreundlicher.
Beruflich ist Frau Fauerbach seit nunmehr vier Jahrzehnten als Kindererzieherin tätig. „Nach wie vor eine schöne Aufgabe, auch wenn die Kinder nicht einfacher geworden sind“, sagt sie. Sie selbst hat zwei: Kathrin (37), verheiratet, zwei Kinder, Sohn Florian (23), der dem allzu früh verstorbenen Vater (mit 45) im zweiten EC-Team nacheifert, dazu Nachwuchs trainiert.
Auf Eishockey bei Olympia hat sich die beharrliche, optimistische, planvolle „Löwin“ Annerose Fauerbach besonders gefreut. Auch im olympischen Geiste ihres Mannes.