


TV 1890 Breckenheim und Grundschule Breckenheim gewinnen Deutschen Schulsportpreis 2009/2010
Es war ein bewegender Moment, als die Entscheidung im Bärensaal des Alten Rathauses in Berlin verkündet wurde und die drei ausgezeichneten Schulen und Vereine, die sich gegenüber 160 Mitbewerbern bis zur Finalrunde durchgesetzt hatten, auf die endgültige Platzierung warteten. Und nachdem die Plätze drei und zwei vergeben waren, stand die Entscheidung fest: der mit insgesamt 10.000 Euro dotierte Schulsportpreis 2009/2010 geht nach Hessen. Gewonnen haben ihn die Grundschule Breckenheim und der TV Breckenheim.
Bereits zum sechsten Mal haben der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Deutsche Sportjugend (DSJ) den Deutschen Schulsportpreis verliehen. Aus 160 Bewerbungen wurden die drei Sieger für ihre hervorragende Arbeit unter dem Motto „Sportverein und Schule – gemeinsam für eine bewegte Zukunft“ ausgezeichnet.
Die große Anzahl der Bewerbungen aus nahezu allen Bundesländern verdeutlicht das große Interesse und die Notwendigkeit dieser Kooperationen und Netzwerkarbeit über die Länderhoheit hinaus, um Kindern ein ganzheitliches bewegungsaktives Umfeld zu gestalten und somit implizit Lebensfreude und Gesundheit zu entwickeln.
Für den Schulsportpreis 2009/2010 konnten als Paten die ehemalige Profi-Triathletin Nina Eggert und der bei den Frankfurt Skyliners unter Vertrag stehende deutsche Basketball-Nationalspieler Pascal Roller gewonnen werden. Deren sportliche Basiskompetenzen wurden ebenfalls bereits im Kindes- und Jugendalter in Form einer breiten motorischen „Ausbildung“ gelegt. Sie schilderten eindrucksvoll, wie sie darauf aufbauend internationales Leistungsniveau erreichen konnten. Und der ein oder andere Preisträger war überrascht, dass ein Basketball-Nationalspieler in seiner Jugendzeit ein sehr erfolgreicher Ballett-Tänzer war.
Beitragsfrei im Verein
Die Kooperation der Preisträger aus Breckenheim besteht bereits seit 1973. Zu dieser Zeit führte der Vorsitzende des TV Breckenheim, Prof. Hans-Jürgen Portmann, eine sogenannte Schwimmbadfahrt ein, welche die Kinder und Jugendlichen im Turnverein einmal pro Woche ins Wiesbadener Hallenbad bringen sollte.
Zur ersten Fahrt standen ca. 100 Kinder vor dem Bus. Höchstens 50 von ihnen waren Mitglied im Verein. Wie sollte dieses Problem gelöst werden? Portmann schlug daraufhin vor, alle Kinder der Grundschule beitragsfrei in den Verein aufzunehmen und somit allen jungen Menschen vor Ort die Möglichkeit zu geben, sich im Verein zu beteiligen.
Nach Gesprächen mit der Schulleitung und dem Elternbeirat war das Projekt geboren. Im ersten Halbjahr, durch den Vorsitzenden selbst finanziert, waren nun alle Schulkinder beitragsfrei im Verein aufgenommen, abgesichert über den Landessportbund Hessen (lsb h). Mittlerweile trägt es der Verein aus seinen Mitgliedsbeiträgen, Zuschüssen des lsb h und vieler kleiner Projekte und Auszeichnungen.
So gewann der Verein beispielsweise Zivildienstleistende, die dort als Übungsleiter tätig waren. Es gelang sogar, im Rahmen einer ABM-Stelle einen Sportlehrer in Schule und Verein einzustellen. Damals unterstützte das Hessische Kultusministerium die Kooperation personell durch die Vergabe eines Lehrauftrages. Heute sind zwei FSJler im Verein tätig, die der Schule als Assistenten für den Sportunterricht zur Verfügung stehen. Nach wie vor ist die Mitgliedschaft für alle Schulkinder beitragsfrei.
95% der Schulkinder betätigen sich aktiv im TV Breckenheim. Dies führt dazu, dass es an der Grundschule Breckenheim nahezu keine übergewichtigen Kinder gibt und nicht zuletzt auch dazu, dass die Schule seit 22 Jahren ununterbrochen für Teilnahme und Leistungen bei den Wiesbadener Grundschulwettbewerben den 1. Platz belegt, da die Schülerinnen und Schüler eine breite sportmotorische Förderung genießen.
Kinder-Akademie
Neben den bewegungsorientierten Angeboten tätigt der Verein mit seinen Kindern zahlreiche Unternehmungen, die auch mal nichts mit Sport und Bewegung zu tun haben müssen. Seit 2004 gibt es eine eigene Kinder-Akademie im Turnverein Breckenheim, die die Veranstaltungen und Unternehmungen plant sowie seit 2006 ein vereinseigenes Kinderbildungszentrum (KiBiZ) mit einer Kinderbibliothek und PC-Plätzen zur freien Nutzung für alle Vereinskinder.
Fragt man Prof. Portmann nach den Bedingungen für das Gelingen einer solchen Kooperation, stellt er die schwellenlose Öffnung des Vereins in den Vordergrund. Alle Kinder sollen bedingungslos in den Verein kommen können.
Dem folgt die allgemeine motorische Förderung als Prinzip der Arbeit vor Ort. Alle Kinder und Jugendliche müssen überall mitmachen können. Der Leistungsanspruch steht bei den jungen Menschen nicht im Vordergrund.
Wichtig ist Portmann auch die ganzheitliche Betreuung der jungen Menschen. Dies bedeutet, neben den sport- und bewegungsbezogenen Bildungsangeboten auch solche Angebote zu machen, die über den Sport hinaus gehen.
Und zu guter Letzt lautet sein Credo: „Macht was!“ Dieses Credo spiegelt eine weitere und vermutlich die wichtigste Bedingung für das Gelingen, nämlich das ehrenamtliche Engagement Einzelner, die eine solche Kooperation auf die Beine stellen.
In einem Boot
Den zweiten Preis erhielt in Berlin die Antoniusschule Essen und der Steeler Kanu Club 1923 e.V., ebenfalls aus Essen. Die Kooperationen der Zweitplatzierten zeichnen sich durch eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern der Kinder und Jugendlichen aus. Sowohl spezifische Kanu-Angebote als auch allgemeine Elemente der sportlichen und bewegungsorientierten Förderung im Schulalltag werden umgesetzt, womit die pädagogische Zusammenarbeit gesundheitsfördernde Ziele als auch einen verantwortungsbewussten und fairen Umgang unter den jungen Menschen verfolgt und lebt.
Den dritten Platz im Schulsportwettbewerb 2009/2010 erreichte die Grundschule am Kollwitzplatz und das Alba Berlin Basketballteam e.V. Die Berliner Kooperation zeichnete sich durch ein sportartübergreifendes Angebot für Berliner Grundschulen aus. Seit dem Schuljahr 2008/2009 wurde in Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung die Idee der „Grundschule mit Sportprofil“ ins Leben gerufen. Dabei leiten Alba-Jugendtrainer gemeinsam mit Sportlehrern der gegenwärtig acht Schulen bis zu drei zusätzliche Stunden Sportunterricht pro Woche.
Insbesondere vor dem Hintergrund der Veränderungen im Schulwesen (Ganztag, G8) kommt solchen positiven Kooperationen eine immer größere Bedeutung zu. Es sind best practice-Beispiele, bei denen sowohl der organisierte Sport (Vereine und Fachverbände) als auch die Schulen gegenseitig profitieren.