Landessportbund
Heiko Reinemer heute. Seinem Heimatort treu verbunden, zieht es ihn trotzdem bei zahlreichen Reisen, zusammen mit seiner Frau, immer wieder in die weite Welt. Foto: Margrit Reinemer

Erfolgreiche hessische Sportlerinnen und Sportler im Porträt – Heiko Reinemer

„Olympia war das Größte“

In jungen Jahren zählten sie zu den erfolgreichen Sportlerinnen und Sportlern Hessens. Sie waren bekannt und in aller Munde. Nach der sportlichen Karriere jedoch ist es meist ruhig um sie geworden. Wir stellen die Stars von gestern in Sport in Hessen vor. Autor der Serie ist der Journalist Michael Burau. Heute: der ehemalige Kunstturner Heiko Reinemer.
Café am Hauptbahnhof Wiesbaden. Der eine kam mit der S-Bahn (pünktlich), der andere mit dem Rad (schon da). Der ewige Bierstädter Heiko Reinemer, Olympiateilnehmer 1968 und fünffacher deutscher Meister im Kunstturnen, hat es vom Ortsteil der Landeshauptstadt gerade fünf Kilometer weit.
Mitte Juni 1945 ebenda geboren, trat der junge Heiko mit sechs dem TV Bierstadt bei („von 25 Jungs in der Klasse waren 22 im TV“). Sein Vater, 1,85 m groß, war ein guter Handballer, der Sohn turnte einfach: „Turnen ist die Grundlage für alle Sportarten.“ Das Talent, 1,70 m hoch, war mit 18 deutscher Jugend-Bester, natürlich Hessenmeister. „Ich ging nicht in die Diskothek, sondern in die Turnhalle“, sagt er. Mit 20 Jahren war Willi Jaschek sein großes Vorbild – „ihn habe ich nie gepackt...“
Aber mit ihm im Team startete Reinemer 1968 in Mexiko bei den Olympischen Spielen – gemeinsam belegten sie Rang acht, obwohl sich der Heusenstammer Jaschek früh verletzte. „Olympia war das Größte“, schwärmt der Wiesbadener noch heute. Ein Erlebnis in mannigfacher Weise, gerade für die Turner aus kleinen Vereinen. „Ich war in jeder freien Minute im Stadion, auch beim 8,90m-Sprung von Bob Beamon dabei!“ Er schloss damals eine Rundreise an, mit Abstecher nach Amerika zur Schwester.
Deutscher Meister 1970 im Zwölfkampf, gewann Heiko Reinemer noch drei Einzeltitel am Boden (68-70) sowie einen am Reck (69), das bald von Eberhard Gienger beherrscht wurde. Der Wiesbadener brachte es bis 1971 auf 15 Länderkämpfe, mit viel Fleiß, täglich fünf Stunden Training. Er sah sich als „Arbeiter“, mit viel Kraft, relativ schwer (70 kg). „Ich habe viel vom Leistungssport profitiert“, sagt Reinemer rückblickend.
Er bereiste alle Kontinente mit dem Sport, „in Europa alles außer Finnland.“
Nach dem Sportstudium war Heiko Reinemer an der Frankfurter Freiherr-vom-Stein-Schule tätig (1970-2006), hatte u. a. Michael Groß als Schüler (bekam eine „3“ von dem „harten Hund“).
Außerdem betrieb er von 1971 bis 1995 Aufbauarbeit für das Kunstturnen im Frankfurter Leistungszentrum, als Bundeshonorartrainer, 1976 Olympiatrainer. Die Asse Uwe Hornung und Daniel Winkler gehörten zu seinen erfolgreichen Schülern.
Fünf große Reisen nach Übersee machte er mit Turnern. Die Hochzeitsreise 1970 der Reinemers ging nach Kanada. Frau Margrit, gute Sportlerin vom TB Wiesbaden, ist dort Geschäftsführerin und im Vorstand, überhaupt „eine sehr patente Frau!“ Bodenständig einerseits, mit eigenem Haus und externem Garten (1001 qm), der beackert sein will, sind beide gern auf Reisen. Allein Namibia wurde schon etwa 15mal besucht. Die Eheleute haben zwei Adoptivsöhne, ohne sportliche Ambitionen,
Rentner Heiko Reinemer, extrovertierter Zwilling („ich gehe auf Leute zu“), sieht am Fernseher gern Fußball, kritisiert jedoch die allzu hohe Bezahlung der Kicker, Handball, Leichtathletik. Turnen gibt’s ja selten zu sehen.
Früher meist verletzungsfrei, riss 1975 beim Fußball ein Kreuzband. Seit einem Jahr hat der Bierstädter ein künstliches Kniegelenk. Damit fährt er gut und viel Rad, nicht nur durch Wiesbaden.

Michael Burau
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