In jungen Jahren zählten sie zu den erfolgreichen Sportlerinnen und Sportlern Hessens. Sie waren bekannt und in aller Munde. Nach der sportlichen Karriere jedoch ist es meist ruhig um sie geworden. Wir stellen die Stars von gestern in Sport in Hessen vor. Autor der Serie ist der Journalist Michael Burau. Heute: der Eishockey-Nationalspieler Ralph Pöpel.
Der ehemalige Bad Nauheimer Eishockey-Nationalspieler Ralph Pöpel fand erst auf Initiative seines jüngeren Bruders zur für beide richtigen Sportart. Am 31.10.1954 in Friedberg geboren, in Bad Nauheim aufgewachsen (mit drei ein Jahr in Australien, wohin die Eltern auswandern wollten), interessierte sich sportlich „für alles“, spielte mit Bruder Jürgen beim VfL gut Fußball (Einladung zur B-Jugend-Hessenauswahl).
Mit 13 begann Ralph durch Jürgens Idee („ich wäre gar nicht drauf‘ gekommen“), Eishockey zu spielen. „Jedes Kind“, so Pöpel, „konnte in Bad Nauheim Schlittschuh laufen.“ Es brauchte seine Zeit, zumal in voller Montur.
Der „sehr ehrgeizige“ Ralph Pöpel trug bald wesentlich zu Erfolgen des VfL Bad Nauheim bei, der stark auf seinen Nachwuchs baute, v.a. Trainer Ladislav Olejnik (Brünn). Er bestritt bis 1982 gut 300 Bundesligaspiele für den VfL, davon sieben Jahre mit dem dreifachen Olympiateilnehmer (Bronze 76) Rainer Philipp (SiH 22/07), seinem großen Vorbild, sowie mit Bruder Jürgen. Ralph Pöpel machte als Kapitän 30 Spiele für die Olympia-Auswahl (U 23), u.a. 1978 in Australien, China, Bangkok, Singapur. Es folgte ein Kreuzbandriss, nicht erkannt, mit Bandagen behandelt – Olympia 1980 fiel somit aus.
Der mannschaftsdienliche Stürmer wechselte 1982, nach Finanzproblemen beim VfL, dito Berliner SC, als „Vollprofi“ zum ERC Mannheim, wo wieder sein Förderer Olejnik trainierte.
Das führte Ralph Pöpel – bis 1986 dort dreimal deutscher Vizemeister – 1983 zu zehn Länderspielen, u.a. beim Iswestija-Cup in Moskau (4:7 gegen UdSSR), ehe er, mit 29, Bundestrainer Xaver Unsinn („Eishockei“) bewog, doch künftig lieber auf junge Leute zu setzen – übrigens ein Jahr vor Olympia. Das wäre heute einen Fair-Play-Preis wert…
Nach einer Saison (86/87) in Bad Nauheim (2. Liga) machte ihm Eintracht Frankfurt ein „umwerfendes finanzielles Angebot“.
Da spielte der erfahrene Angreifer zwischen seinem 33sten und 37sten Lebensjahr noch vier Jahre Bundesliga, mit Größen wie Egen und Lala. Wieder hatte er Olejnik zum Trainer. In Bad Nauheim ließ Pöpel seine lange Eishockey-Karriere in der 2. Liga ausklingen. Per saldo habe er in rund 600 Bundesligaspielen ca. 500 Tore erzielt.
Aufrechter Charakter, Disziplin, Ehrgeiz sind für den untadeligen Sportsmann wichtige Wesenszüge in einer fordernden („Geben und Nehmen“) Mannschaftssportart auf hohem Niveau. Solches Teamwork im Sport rät Pöpel Managern und Politikern, bevor sie ihren Beruf ausüben.
Den Vorteil hatte er: den Kraftfahrzeug-Mechanikermeister „baute“ Pöpel während seiner Eishockeyzeit. Die Brüder stiegen in die Autohaus-Firma des Vaters in Friedberg ein, etliche Jahre als Geschäftsführer. Bruder Jürgen ereilte mit 50 Jahren ein Schlaganfall, er ist seitdem auf den Rollstuhl angewiesen.
2010 verkaufte Ralph Pöpel das Autohaus, ist seit einem Jahr dort Angestellter. Daheim in Friedberg pflegt er ein erbauliches Familienleben, mit Frau Samirah (44), iranischer Abstammung, den Kindern Anton (12) und Shalid (14) – sie spielt Tennis, er begeistert Golf – (Vater: „gut so, kein Eishockey“). Der Sohn des Bruders, Marius (21), jagt den Puck beim EC Bad Nauheim in dritter Liga.
Ralph Pöpel selbst werkelt am einstelligen Golf-Handicap, betreibt Fitnesstraining, das sich sichtbar auszahlt. Zwölf Stunden Sport pro Woche kämen schon zusammen.
Der aktive, energische, eloquente, zuverlässige Skorpion hat viel erlebt, auch Formel 1. Nur Olympia fehlt.
Michael Burau