Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Sportfreundinnen, liebe Sportfreunde,
seit mehreren Jahren sprechen wir darüber, dass sich die Gesellschaft in einem Prozess des raschen Wandels befindet und die Veränderungsgeschwindigkeit zunimmt. Der Sport in Hessen ist mittendrin. Der demografische Wandel hält an, allerdings hat die hessische Bevölkerung, wie prognostiziert, im Ballungsraum zugenommen.
Die Mitgliederzahlen der Sportorganisation sind bislang konstant; dies ist sicher auch eine große Leistung der Sportvereine. Innerhalb dieser Zahlen wird aber deutlich, dass der demografische Wandel den Landessportbund voll erreicht hat.
Erneut verzeichnen wir ein kleines Plus bei den Vereinen. Im Bereich der Kinder und Jugendlichen haben wir im vergangenen Jahr aber wiederum Mitglieder (- 4.377) verloren. Dennoch sind mehr als zwei Drittel dieser Altersgruppe in den Sportvereinen organisiert. Hessenweit sank die Zahl im Vergleich um 11.000.
Im Kontrast dazu steht, dass die Entwicklung der Zahl der Älteren (ab 41 Jahren ein Plus von 9.600) steigt, auch der Anteil der Frauen erhöhte sich auf 41 Prozent. Der Landessportbund ist also bezogen auf die Arbeit seiner Vereine, sein breit gefächertes Angebotes und seine Innovationskraft insgesamt nach wie vor in einer sehr guten Verfassung.
Die Zukunftsfähigkeit als ständiger Prozess
Mit dem zehnjährigen Bestehen von „Sport und Gesundheit“ haben wir vor Kurzem in einer öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung einen Eckpfeiler des modernen Sports in Hessen angemessen würdigen können.
Im Bereich der Integrationsarbeit sind wir insgesamt auf sehr gutem Weg. Heute liegt erstmals eine Übersicht der Maßnahmen in 2012 aller Geschäftsbereiche des Landessportbundes vor.
Die ständige Beschäftigung mit der Zukunftsfähigkeit der Sportorganisation haben wir auf allen Ebenen mittlerweile als laufenden Prozess anzusehen. Denn es gibt viel zu tun, um nur den Mitgliederbestand zu halten, da parallel auch die Mitgliedschaften beispielsweise in den Fitness-Studios rasant zunehmen.
Dies gilt es sorgfältig zu beobachten und mit geeigneten Maßnahmen – z. B. mit dem Fitness-Studio im Verein – entgegen zu steuern.
Finanzsystem sichern
Bei allen guten Konzepten und Modellen wissen wir, dass der Sport dort, wo es um die Frage der Grundfinanzierung geht, ohne Reserven arbeitet. Wichtigster Teil dabei ist für das Präsidium des Landessportbundes derzeit die Sicherung des Finanzsystems. Bis Ende 2012 gilt hierfür im Wesentlichen der Staatsvertrag zur Regelung von Glücksspiel und Sportwetten. Derzeit haben Politik, Sportorganisationen und der Deutsche Lottoblock eine gemeinsame Position gefunden – bis auf das Land Schleswig-Holstein.
Wir hoffen, dass es noch bis März 2012 zu einer einheitlichen Lösung kommt, damit der neue Staatsvertrag einheitlich und erfolgreich umgesetzt werden kann. Noch ist freilich ungewiss, ob dann höhere Einnahmen für den Sport in Hessen zu erzielen sein werden.
Der Landessportbund war gut beraten, für das Jahr 2011 einen „Sparhaushalt“ zu verabschieden. Obwohl zum Jahresende etwas mehr als der Planansatz erzielt wurde, ist die Finanzsituation für alle am Haushalt Beteiligten sehr angespannt.
Manche Zukunftsaufgabe wie Integration oder die Kooperation von Schulen und Vereinen wäre mit einem höheren Mitteleinsatz natürlich leichter zu bewältigen. Die fehlenden Übungsleiter in diesen Bereichen sind nach wie vor ein Problem – auch für die Weiterentwicklung des Seniorensports.
Zudem befindet sich der Landessportbund Hessen derzeit inmitten des bisher wichtigsten Reformprozesses in seiner Geschichte, der hauptsächlich die Sportkreise betrifft. Seit über 20 Jahren diskutieren die Gremien des Landessportbundes Notwendigkeit und Wirkungen dieser Veränderung.
Der Sportbundtag hat im Jahr 2009 das Präsidium beauftragt, alle Anstrengungen zu unternehmen, um die Fusionsbereitschaft der Sportkreise, die nicht deckungsgleich mit der politischen Gebietskörperschaft sind, zu fördern. Zwischenzeitlich haben die Sportkreise in ihrer Gesamtheit diese Themenstellung ebenfalls zu ihrer eigenen Aufgabe gemacht, so dass alle relevanten Gremien jetzt mit großer Mehrheit und Klarheit Beschlüsse gefasst haben, die eine Änderung der Organisationsstruktur unausweichlich machen.
Reform der Sportkreise als wichtige Zukunftsmaßnahme
Wir wollen darüber hinaus, dass die Sportkreise eingetragene Vereine werden, weil nicht mehr alle Handlungen der Sportkreisvorstände in der „Zentrale in Frankfurt“ verantwortet werden können. Auch soll ein Arbeitsprogramm eine gewisse gemeinsame, in allen Sportkreisen gleiche, Aufgabenwahrnehmung ermöglichen. Sie können sich sicher vorstellen, dass dieser Prozess ein schwieriges Unterfangen darstellt, das zudem von „Verteilungskämpfen“ begleitet wird. Das Präsidium ist sehr zuversichtlich, dass bis zum Sportbundtag im kommenden Jahr hierzu noch einige wichtige Entscheidungen getroffen werden.
Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass diese Reform kein Selbstzweck ist, sondern eine wichtige Zukunftsmaßnahme darstellt, die als wesentliches Ziel hat: die Zukunftsfähigkeit der Sportvereine durch die effektive und nachhaltige Beratung vor Ort zu unterstützen.
Insgesamt liegt also ein spannendes und ereignisreiches Jahr vor uns. Wir sollten trotz des Sportbundtags aber die sportlichen Ereignisse nicht vergessen. Wir sind nach wie vor sehr stolz auf die Erfolge unserer Sportlerinnen und Sportler in diesem Jahr, die sich auch immer wieder sympathisch und engagiert in den Dienst des Sports in Hessen und seiner sozialen Belange – z. B. gegen Rechtsextremismus – stellen. Wir begleiten sie bei ihrer Vorbereitung vor allem im Hinblick auf die Olympischen Sommerspiele und die Paralympics in London.
Deshalb stelle ich abschließend fest, dass der Landessportbund Hessen mit seinen Verbänden, Sportkreisen und vor allem mit seinen Vereinen weiterhin „Sportanbieter Nr. 1“ bleibt.
Mit der Politik im Dialog
Das Präsidium wird die aktuellen Themen mit den „Freunden des Sports“ im Hessischen Landtag, dem Sportminister Boris Rhein und mit Ministerpräsident Volker Bouffier alle aktuellen Themen erörtern – wie die finanzielle Sicherung von der Landesebene bis zur kommunalen Sportförderung.
Wir vertrauen dabei darauf, dass alle Gesprächspartner bei den zu erwartenden Diskussionen das Wohl der Sportorganisation fest im Blick haben, und danken allen Verantwortlichen in der Hessischen Landesregierung, den Abgeordneten des Hessischen Landtages – stellvertretend dem Minister des Innern und für Sport sowie dem Ministerpräsidenten – für die großartige Unterstützung auch im Jahr 2011.
Mein Dank gilt aber vor allem Ihnen persönlich für Ihr großartiges Engagement, Ihren Freunden und Familien.
Ich wünsche ein erfolgreiches und gesundes Jahr 2012.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Rolf Müller
Präsident des
Landessportbundes Hessen e.V.