Magazin "Sport in Hessen"

2012

sportinfa 12. + 13.11.2014

Erfolgreiche hessische Sportlerinnen und Sportler im Porträt – Iris Niemeier

„Leistungssport hat mir viel gegeben“

Skilanglauf zählt, nahezu selbstverständlich, auch heute noch zu den liebsten sportlichen Betätigungen von Iris Niemeier. Foto: privat

In jungen Jahren zählten sie zu den erfolgreichen Sportlerinnen und Sportlern Hessens. Sie waren bekannt und in aller Munde. Nach der sportlichen Karriere jedoch ist es meist ruhig um sie geworden. Wir stellen die Stars von gestern in Sport in Hessen vor. Autor der Serie ist der Journalist Michael Burau. Heute: die Ski-Langläuferin Iris Niemeier, geb. Schulze.

Es war einmal ein nordhessisches Mädchen aus Willingen-Usseln, das sich seinen Traum von Olympischen Spielen früh erfüllte. Mit der Eiskunstläuferin Dagmar Lurz (16) war Iris Schulze (17) die jüngste deutsche Teilnehmerin an den Winterspielen 1976 in Innsbruck. Im April 1958 in Korbach geboren, in Usseln aufgewachsen, kam die kleine Iris wie ihr älterer Bruder früh zum Langlauf, zwangsläufig. Der Vater war Skispringer, aktiv im SC Usseln, dazu Loipenwart.
Die Tochter war bald schneller als die Jungs, ab 12 trainierte sie „richtig“, denn: „Erfolg macht süchtig!“ Der bekannte Trainer Oswald Schinze leistete innovative Aufbauarbeit, die zu vielen Jugendtiteln, auch der Willinger Nachbarn Jochen Behle und Karin Jäger, führte. Talent und gutes Training brachten Iris Schulze vier deutsche Jugendmeister- (erster mit 14) sowie drei Juniorentitel. Bei der WM kam sie auf Plätze zwischen zehn und 15, in Oslo war sie mal Zweite.
Zwei zweite Ränge bei den DM 1976 über fünf und 10 km hinter Michaela Endler qualifizierten die junge Hessin für Olympia. „Leider keine Staffel“, wie sie heute noch bedauert; da hätte der DSV leicht Platz 7 vor Kanada erlaufen können.
Das Damenteam (15) in Innsbruck war überschaubar, die „Gold-Rosi“ überstrahlte damals alle. Weit draußen, in Seefeld, war Skilanglauf angesagt – „da gab‘ s nicht so das Feeling für Olympia“. Iris, „unsere Kleine“, wie sie beim DSV durchging, „war sehr aufgeregt am Start“ über 5 und 10 km, rannte jeweils zu schnell an, hielt sich wacker. Danach war sie zweimal im Olympischen Dorf in Innsbruck, auch bei der stets freundlichen Rosi: „Ihr Bett war nicht zu sehen, voller Telegramme.“
Ein großartiges Erlebnis waren die Spiele allemal, zumal für eine Jugendliche. Auch Ansporn und (Über-)Motivation: danach trainierte Iris Schulze falsch, v. a. zu viel. Ein Jochen Behle, langjähriger Bundestrainer, rühmt heute noch ihr großes Talent, aus dem man (er) weit mehr hätte machen können respektive müssen. Diverse vordere DM-Plätze (3.-5.) gab‘ s noch, viele Reisen in Europa, auch in die USA, bleiben ihr in bester Erinnerung.
„Der Leistungssport hat mir viel für das weitere Leben gegeben“, sagt sie. Man sei sehr diszipliniert: „Ein Kind wächst gerade im Sport an seinen Aufgaben, lernt Hindernisse zu überwinden - das ist gut für die Entwicklung der Persönlichkeit.“
Derlei Vorteile sah sie bei ihren eigenen Kindern. Der Ehe (seit 1986) mit dem Sportjournalisten Manfred Niemeier (Waldeckische Landeszeitung) entstammt Tochter Annika, die 2004 Fußball-Junioren-Weltmeisterin wurde, auch in den USA neben ihrem Maschinenbaustudium erstklassig spielte. Svenja (23) betrieb viel Biathlon, Felix (18) spielt auch Fußball, wie der Vater.
Beruflich hat Iris Niemeier mit kleinen Kindern (6-11 Jahre) zu tun. Nach Studium in Gießen auf Gymnasiallehramt für Biologie und Sport-Examensarbeit über zu frühe Spezialisierung im Sport – ist sie doch seit 16 Jahren glücklich in einer Grundschule am Ort, mit 80 Kindern. Da war sie drei Jahre Schulleiterin, derzeit wieder. Aber lieber als ins Büro geht sie in die Klasse, lehrt „alles, außer Musik und Reli.“ Die „Dorfschule“ sei noch heile Welt, wie schön.
Zuhause, mit ihrer eigenen Familie ist eh „alles wunderbar“ – „es ist immer was los!“ Wenn nicht, liest oder strickt sie. Viermal die Woche treibt Iris Niemeier selbst Sport: Skilanglauf, Mountainbike in Gruppe, auch Laufen. Ein echter Widder, ist sie belastbar, optimistisch, eigenwillig, mutig. Übte sich früh: märchenhaft.
Michael Burau