Magazin "Sport in Hessen"

Sport in Hessen 2016

Hessische Sportler im Porträt: Helmut Keller

Der Hesse aus Bad Tölz

Helmut Keller (Mitte) im Trikot von Eintracht Frankfurt. Foto: PRV

Aus Bayern stammt er, in Hessen bestritt die feste Verteidiger-Größe Helmut Keller die meisten Eishockey-Spiele. Mit dem VfL Bad Nauheim belegte der Nationalspieler 1975 Platz drei, knapp hinter dem Meister. Mit Eintracht Frankfurt gelang ihm 1985/86 der Aufstieg in die erste Bundesliga. Danach wirkte Keller noch vier Jahre als Spielertrainer bei Diez-Limburg.
Im November 1952 in Bad Tölz geboren und dort aufgewachsen, kam Helmut Keller früh mit dem in Oberbayern gängigen Eis in Berührung. Sein Vater war „Eismeister“ beim EC Bad Tölz, der Sohn betrieb Eishockey und Eisschnelllauf, dies allerdings im 100 km entfernten Inzell. Ab 12 rannte Helmut nur noch dem Puck hinterher, stets als Verteidiger, mit seinem besten Freund Willi Feierabend – beide gingen mit 16 in die Elektriker-Lehre. Der junge Keller durchlief erfolgreich alle Tölzer Teams, fand sich per Ausnahmegenehmigung schon mit 16 in der ersten Mannschaft, parallel zum Jugendteam sowie Nationalmannschaft der Junioren.

In Bad Nauheim gut aufgenommen

Der Tölzer fiel mit Ausdauer und Kampfstärke bundesweit auf – mit 18 gelangte er – zum VfL Bad Nauheim, wo er vier Jahre eine Stütze des Vereins war, oft zusammen mit dem Allgäuer Manfred Müller (DM 1973 in Berlin) – „Sport in Hessen“ 4/15. „Ich habe mich in Hessen gleich wohlgefühlt“, sagt der sympathische zugereiste Bayer, „wurde beim VfL sehr gut aufgenommen.“ Nach dem Bad Nauheimer Höhepunkt 1975 machte Keller dann einen Abstecher zum EV Rosenheim, wieder für vier Jahre, um ab 1979 erneut für den VfL Bad Nauheim zu verteidigen – bis der Verein 1982 Konkurs anmelden musste. „Da ging fast die halbe Mannschaft zur Eintracht Frankfurt“, das Verteidigerduo Keller/Müller inklusive. Beide spielten je zwei Jahre in der Wetterau und in Frankfurt zusammen. Jetzt haben die Senioren beim EC eine Dauerkarte.
Es sollten in Frankfurt wieder vier aufregende Jahre für Keller („eine schöne Zeit“) werden, gekrönt mit dem umjubelten Aufstieg der Eintracht, spätere Löwen, in die erste Bundesliga. Da half auch Keller noch mit, obwohl er im Dezember 1985 einen Kreuzbandriss erlitten hatte, seine „einzige große Verletzung“. Leider verpasste er Olympia 1976 in Innsbruck: „da war ich auf Abruf.“ Nach Frankfurt folgte eine alternative Eishockeyzeit bis 1989 an der Lahn, mit dem Aufstieg Diez-Limburg in die Oberliga (3.). „Eine schöne Zeit, die man nicht vergisst“, sagt Helmut Keller über seine Karriere, die ihn geprägt habe. Mit über 50 Länderspielen, die meisten im A-Team, unter anderem bei der WM in Moskau, war sie auch mit vielen attraktiven Reisen verbunden, sogar nach Asien und vier Spiele auf Hawaii (für Selbstzahler).

In Weilmünster heimisch geworden

Helmut Keller wohnt seit 1979 im mittelhessischen Weilmünster. Aus erster Ehe mit seiner früh verstorbenen Frau Uschi hat er zwei Töchter und fünf Enkelkinder, in zweiter Ehe seit 1994 mit der Erzieherin Katja („mit Leib und Seele“) einen Sohn Janis (18). Beruflich war und ist Keller vielseitig tätig gewesen, zunächst als gerade in Hessen viel gefragter Krankenpfleger. Sein Wunsch, Masseur zu werden, erfüllte sich nicht. Unterdessen ist er in Weilmünster, wo er auch eine Kneipe unterhält, bei der Gemeinde angestellt, für Bürgerhäuser als Hausmeister zuständig. Bald zehn Jahre schon ist Keller wie einst der Vater „Eismeister“; im heimischen Weilmünster gibt es auf dem Marktplatz gut sechs Wochen eine Kunsteisbahn mit Zelt. Dann betreibt er noch Jugendarbeit beim SG Weiltal, dem Fußballverein seines Sohnes.
Bei 1,72 m Größe hat Helmut Keller seit der „Eiszeit“ gut zehn Kilo auf runde 90 zugenommen. Der „Skorpion“ sieht sich als „ausgeglichenen, guten, ruhigen Menschen“. Er habe leider nur einen „Sprachfehler“: „Ich kann nicht nein sagen!“ Weder auf bayerisch noch auf hessisch.?    

Michael Burau