Magazin "Sport in Hessen"

Sport in Hessen 2016

Datenbank für Integrations- und Flüchtlingsprojekte im Sport

Integration auf einen Klick

Lsb h-Vize Ralf-Rainer Klatt, Sportminister Peter Beuth und Sportjugend-Vorstandsmitglied Max Kunzmann schalten die Integrations-Datenbank frei. Drei Vereinsvertreter (hintere Reihe) hatten ihre Projekte vorher kurz vorgestellt. Foto: Isabell Boger

Seit Jahren erfolgreiche Integrationsprojekte und neueste Initiativen zum Thema „Sport und Flüchtlinge“ in Hessen: Das alles auf einen Blick – bzw. Klick – gibt es seit Anfang Dezember unter www.sport-integriert-hessen.de. Vorgestellt wurde die gemeinsame Online-Plattform des Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport, des Landessportbundes Hessen (lsb h) und der Sportjugend Hessen von Sportminister Peter Beuth und Ralf-Rainer Klatt, lsb h-Vizepräsident für den Bereich Sportentwicklung.
„In kaum einem Lebensbereich werden Grenzen mit solcher Leichtigkeit überwunden wie im Sport. Deshalb freut es mich sehr, dass den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern in den Vereinen jetzt eine Plattform zur Verfügung steht, um ihre guten Ideen zu präsentieren“, betonte Beuth im Rahmen einer Pressekonferenz. Außerdem ermögliche die Webseite interessierten Personen und Vereinen, sich die Integrationsprojekte nach verschiedenen Kriterien übersichtlich sortieren zu lassen.
Das ist hilfreich, denn: „Dem Landessportbund Hessen sind rund 7.800 Sportvereine angeschlossen. In vielen davon wird bereits seit Jahren vorzügliche Arbeit geleistet, um Menschen mit ausländischen Wurzeln in den Verein und damit auch in die Gesellschaft zu integrieren. Außerdem sind die Sportvereine eine Plattform, in der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte Sport aus ihren Herkunftsländern anbieten oder als Übungsleitungen, Schiedsrichter und in Vorständen mit Verantwortung übernehmen“, sagte Ralf-Rainer Klatt. Auch in der derzeitigen Flüchtlingssituation bewiesen die Vereine, wie schnell und unbürokratisch Integrationsarbeit funktionieren kann.
Beispielhaft ist hier etwa der Club Kenko Karate Dojo Limes-hain. Der Verein besteht zwar erst seit eineinhalb Jahren, ist aber längst Stützpunktverein des DOSB-Programms „Integration durch Sport“ (IdS). Und vor allem: Seit einigen Monaten teilt der Verein seine Unterkunft mit 18 Flüchtlingen. „Klar waren am Anfang Berührungsängste da“, erzählt Vorsitzende Silke Nowakowsky. Doch diese wären schnell abgebaut worden – vor allem durch gemeinsame Sportangebote. Besonders das allgemeine Fitness-Training, das der Verein einmal pro Woche anbietet, findet bei den aus Syrien, Eritrea und Äthiopien geflohenen Menschen Anklang.

Sportangebote und Deutschkurse

Die Unterbringung im Vereinsgebäude ist dabei kein blöder Zufall – sondern Absicht. Gemeinde wie Verein hielten es für eine gute Idee, Flüchtlinge in das ehemalige Hotel einziehen zu lassen, in dem die Karatekämpfer sich Räume hergerichtet haben. „Wir sind ein sehr sozialer Verein, bieten zum Beispiel Gewaltschutztraining für benachteiligte Kinder an“, erzählt Nowakowsky. Auch hätten zahlreiche Mitglieder einen Migrationshintergrund. Das zahlt sich nun aus. Denn neben dem Sportangebot organisiert der Karateverein auch Deutschkurse. Die Mitglieder, die selbst arabisch sprechen, sind da Gold wert.
Was Nowakowsky bei der Pressekonferenz erzählt, können alle Interessierten auch auf der neuen Webseite nachlesen. Denn schon beim Start führte sie rund  70 integrative Sportprojekte samt Beschreibung auf. Alle Vereine, die Integrationsarbeit leisten, aber noch nicht erfasst sind, wurden  aufgerufen, sich einzutragen. „Mittlerweile sind rund 20 weitere Projekte hinzugekommen“, erzählt Sarah Hense, die die Datenbank vonseiten des Landessportbundes betreut. Für die ersten zehn Vereine gab es sogar attraktive Preise im Wert von bis zu 500 Euro. Die Gewinner, erzählt Hense, werden demnächst bekanntgegeben.
Doch auch ohne diesen Anreiz hofft sie, dass noch viele weitere Vereine ihre Angebote einstellen. Denn: „Ziel ist es, möglichst alle hessischen Integrations- und Flüchtlingsprojekte in der Datenbank abzubilden“, sagt lsb-h Vize Klatt. Zudem arbeite man daran, sich mit anderen gesellschaftlichen Akteuren, für die die Integration wichtig ist, noch besser zu verlinken. Langfristig schwebt ihm sogar eine „digitale Sportlandkarte“ vor, auf der erkennbar wird, wo und wie vernetzt der Sport mit seinen Vereinen ist – auch auf anderen Feldern, etwa im Bereich von Sport und Gesundheit oder in der Kooperation mit Schulen.

Austausch und neue Impulse

Schon jetzt, sagt Klatt, biete die Plattform aber die Möglichkeit, sich über Ideen, Konzepte und Erfahrungen auszutauschen und so Impulse für weitere integrative Sportangebote zu geben. Oder um es mit den Worten von Staatsminister Peter Beuth zu sagen: „Die Datenbank liefert wertvolle Anregungen und ist damit ein toller Service für die Sportvereine in Hessen.“
Bei der Pressekonferenz dankte der Sportminister dem Landessportbund für sein großes Engagement bei der Umsetzung des Projekts. Zudem überreichte er für die gesamte Integrationsarbeit des Verbandes einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 120.000 Euro. „Mit diesem Geld fördert die Hessische Landesregierung gezielt Integrationsprojekte für Menschen mit Migrationshintergrund. Dazu gehören zum Beispiel Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen sowie Programme zur Mitgliedergewinnung“, so der Sportminister abschließend.
Isabell Boger