Magazin "Sport in Hessen"

Sport in Hessen 2017

Titelthema Sport und Gesundheit

Fit und gesund

Wer sich bereits mit dem Thema Gesundheitssport in Hessen auseinandergesetzt hat, wird dieses Foto kennen: Es ist auf vielen lsb h-Publikationen zu sehen und dient der Wiedererkennung. Foto: Fotolia

Bewegung hält fit und gesund. Wer drei- bis viermal pro Woche mindestens 30 Minuten Sport treibt, stärkt das Herz-Kreislauf-System, senkt den Cholesterinspiegel  und das Diabetesrisiko, beugt dem Verlust von Knochensubstanz vor und – auch das zeigen zahlreiche Studien – tut seiner Seele etwas Gutes. Denn Sport hilft beim Stressabbau und erhöht neben der körperlichen auch die geistige Fitness.

Gründe, um Sport zu treiben, gibt es also viele. Sporadische Aktivitätsschübe nützen jedoch wenig: Wer von den positiven Auswirkungen profitieren möchte, sollte  kontinuierlich Sport betreiben – angepasst an das jeweilige Alter und Fitnesslevel sowie den Gesundheitszustand. Eine Botschaft, die auch die hessischen Sportvereine verbreiten sollten – verbunden mit dem Hinweis auf die eigenen Kompetenzen in diesem Bereich. Denn die ist vorhanden! Ein Blick in den Sportentwicklungsbericht zeigt: 28 Prozent der hessischen Vereine bieten Programme mit den Zielsetzungen Gesundheitsförderung, Prävention oder Rehabilitation an.

Motiv „Gesundheitsförderung“ wird wichtiger

Im Mittel weist heute mehr als jedes zehnte Sportangebot einen Gesundheitsbezug auf. „Und das ist auch gut so“, sagt  Gundi Friedrich, Referentin „Sport und Gesundheit“ beim Landessportbund Hessen e.V. (lsb h). „Denn durch den demografischen Wandel wächst die Zielgruppe derer, die Sport treiben, um gesund zu bleiben“, erklärt sie. Dabei spricht sie nicht nur von Senioren: Fast im gesamten Erwachsenenbereich gilt die Gesundheitsförderung heute als wichtigstes Motiv.  Darauf sollten nach Ansicht des Landessportbundes auch die Vereine reagieren – mit zeitgemäßen und qualitativ hochwertigen Gesundheitsangeboten.
Doch was versteht man überhaupt unter Gesundheitssport? Was hat es mit dem Siegel „SPORT PRO GESUNDHEIT“ (SPG) auf sich? Und wie unterstützt der Landessportbund die Vereine auf diesem Themengebiet? Wir haben die wichtigsten Informationen für Sie zusammengestellt.

Drei Säulen des Gesundheitssports

„Gesundheitssport verfolgt das Ziel, durch regelmäßige, systematische sportliche Aktivität die körperliche Funktions- und Leistungsfähigkeit zu erhalten und zu verbessern sowie das Wohlbefinden zu steigern“, definiert Gundi Friedrich. Dabei unterscheidet man in drei Säulen:

1. Allgemein gesundheitsfördernder Sport: Ziel solcher sportartenübergreifender Angebote ist es, die Fitness gesundheitsbewusster und sportinteressierte Menschen zu erhalten und sie für lebenslanges Sporttreiben zu begeistern. Die Übungs- oder Kursstunden können von Übungsleitern C Breitensport geleitet werden – eine spezifischere Lizenz (siehe dazu Seite 18) ist nicht zwingend erforderlich. „Vereine, die gesundheitsfördernden Sport ins Programm nehmen, steigern dadurch die Attraktivität ihrer Angebotspalette und können so auch neue Mitglieder gewinnen“, sagt Friedrich.

2. Präventionssport: Diese Angebote wenden sich gezielt an Menschen mit Bewegungsmangel – häufig also Neu- oder Wiedereinsteiger. Unter Anleitung qualifizierter Übungsleiter (mindestens B-Lizenz Prävention) sollen der Bewegungsmangel reduziert und somit verhaltensbedingte Risikofaktoren abgebaut werden. Präventionssportangebote können mit dem Siegel SPORT PRO GESUNDHEIT ausgezeichnet werden. Tragen sie zudem den Deutschen Standard Prävention, können sie von den Krankenkassen bezuschusst werden.

3. Rehabilitationssport: Chronisch Kranken oder Menschen mit drohender Behinderung kann die Teilnahme an einem solchen Angebot durch den Arzt verordnet werden. Die anfallenden Gebühren trägt die Kranken- oder Rentenkasse. Schließlich sollen die körperlichen Fähigkeiten der Teilnehmer dadurch verbessert und stabilisiert werden. Eine dauerhafte Eingliederung in die Gesellschaft und das Arbeitsleben wird angestrebt. Der zuständige Übungsleiter muss im Besitz einer B-Lizenz Rehabilitationssport sein. Rehabilitationssport wird von anerkannten und zertifizierten Gruppen angeboten, die in den Vereinen des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) organisiert sind.

Das Siegel SPORT PRO GESUNDHEIT

Das vom DOSB und der Bundesärztekammer entwickelte Qualitätssiegel SPORT PRO GESUNDHEIT zeichnet präventive Sport- und Bewegungsangebote in Vereinen aus. Es wird jeweils für drei Jahre verliehen. „Vereinsmitglieder oder potenzielle Interessenten erkennen durch das Siegel, dass es sich um ein qualitativ hochwertiges Angebot handelt, bei dem bestimmte bundesweite Standards – etwa eine auf 15 Personen begrenzte Teilnehmerzahl oder ein Übungsleiter mit B-Lizenz Prävention – eingehalten werden“, erklärt Friedrichs Kollegin Anna Koch. Dadurch eigne sich das Siegel auch gut als Marketinginstrument: „Wir empfehlen den Vereinen, mit dem Siegel zu werben und so ihr gesundheitsorientiertes Profil zu stärken“, sagt Koch.

Von den 1.500 hessischen Vereinen, die das Siegel derzeit tragen, tun das die meisten. „Und wir würden uns freuen, wenn die Zahl der zertifizierten Vereine weiter wächst“, sagt Koch. Beantragt werden kann das Siegel über die Service-Plattform www.service-sportprogesundheit.de. Nach der Registrierung des Vereins können sofort alle SPORT PRO GESUNDHEIT-Angebote bequem online beantragt und die Daten verwaltet werden. Nähre Informationen erhalten Sie beim lsb h oder auf den regionalen Infoveranstaltungen.
In den vergangenen Monaten waren sie und ihre Kolleginnen zudem in diversen Sportkreisen zu Gast, um vor Ort darüber zu informieren, welche Vorteile die Plattform bietet und wie sie genutzt werden kann. „Wir laden interessierte Vereine ausdrücklich zu einer Teilnahme ein, etwa am 9. September in Frankfurt“, sagt Friedrich.

Bezuschussung durch Krankenkassen

Viele Neueinsteiger werden dadurch angelockt, dass die Krankenkassen Präventionssportangebote bezuschussen. Dies gilt jedoch nicht automatisch für alle SPORT PRO GESUNDHEIT-Angebote: Eine zusätzliche Auszeichnung mit dem Prüfsiegel „Deutscher Standard Prävention“, den die Zentrale Prüfstelle Prävention (ZPP) erteilt, ist erforderlich. Praktisch dabei: Die Beantragung erfolgt ebenfalls über die Service-Plattform – und zwar im gleichen Antrag wie für das SPG-Siegel.
Für die Krankenkassen macht diese Bezuschussung  auch wirtschaftlich Sinn: Wenn sie ihre Versicherten heute von einem gesunden Lebensstil überzeugen, bleiben ihnen morgen die Kosten für teure Behandlungen erspart.

Kurse helfen beim Einstieg

Mit der Argumentation, dass Sporttreiben im Heute  sich positiv auf den Gesundheitszustand im Morgen auswirkt, lassen sich auch Neu- und Wiedereinsteiger überzeugen. Viele schrecken jedoch davor zurück, sich dauerhaft an einen Verein zu binden. Das Konzept des SPORT PRO GESUNDHEIT-Siegels kommt dieser Tendenz entgegen. Schließlich werden Kursangebote mit acht bis zwölf Einheiten zertifiziert. Pro Woche muss mindestens eine Unterrichtsstunde mit maximal 15 Teilnehmern angeboten werden.
Sogenannte Masterprogramme mit vorgefertigten Stundenbildern – auch sie sind über die Serviceplattform abrufbar – erleichtern den Übungsleitern die Vorbereitung. „Außerdem sind diese Programme so gestaltet, dass Einsteiger nicht überfordert werden. Die Teilnehmer werden Schritt für Schritt in ihrer Gesundheitskompetenz gestärkt und so für eine langfristige gesundheitssportliche Aktivität begeistert“, sagt Anna Koch.
„Kurse“, ergänzt Gundi Friedrich, „öffnen das Vereins-angebot für Interessierte und sind als Zusatzangebot für bestehende Mitglieder interessant, weil sie häufig neue Themen und Trends aufgreifen.“ Sind die nötigen Ressourcen (Übungsleiter, Halle, Geräte) vorhanden, rät sie deshalb, Kurse anzubieten. „Sie sollten aber mehr Mittel zum Zweck sein. Denn das Hauptinteresse eines Vereins besteht noch immer darin, Mitglieder zu gewinnen und zu halten.“ Wie gut das über Einsteigerkurse funktioniert, zeigt sich beispielsweise bei der TGS Walldorf.
Für die Errechnung der Kursgebühren rät Friedrich, alle Ausgaben, also auch Nebenkosten, zu berücksichtigen: „Qualität hat ihren Preis“, sagt sie und verweist zudem auf anfallende Mehrkosten: Kurse für Nicht-Mitglieder sind nicht über die Vereinbarung abgedeckt, die der lsb h mit der GEMA geschlossen hat. Außerdem ist eine Nicht-Mitglieder-Versicherung in so einem Fall unabdingbar. Bei der Festlegung der Gebühren lohne zudem ein Vergleich mit anderen Anbietern vor Ort.     

Isabell Boger