Rückblick Athen 2004

Ein Rückblick aus hessischer Sicht


Athen 2004: Hessenteam mit 33 Aktiven am Start

Hessenteam 2004 – Erfolgreich abgeschnitten

Die sportliche Bilanz der deutschen Mannschaft bei den Olympischen Sommerspielen in Athen fällt, je nach Sportart, erfreulich bis ernüchternd aus. Mit 14 Goldmedaillen, 16 silbernen und 18 bronzenen lag das Team im Medaillenspiegel am Ende auf dem sechsten Platz, hinter den USA, China, Russland, Australien und Japan (37 Medaillen). Bei den Spielen 2000 in Sydney gab es acht Medaillen mehr für die Deutschen sowie den fünften Rang. Insgesamt schaffte die 450 Athleten starke Mannschaft 147 Platzierungen unter den ersten acht, also einen „Endkampfplatz“, das Kriterium des Nationalen Olympischen Komitees für die Olympiateilnahme. Das Abschneiden des 33 Aktiven zählenden Hessenteams in Athen und Umgebung kann als außerordentlich positiv bewertet werden. Zehn Frauen und drei Männer kehrten mit Medaillen bei Spielsportarten/Schwimmen aus Griechenland zurück, es gab zudem zwei spektakuläre vierte Ränge, einen sechsten, fünf siebte Plätze sowie einen achten. Von den zahlreichen Ausfällen in der deutschen Mannschaft in Qualifikationen und Vorkämpfen waren die Hessen praktisch kaum betroffen - sicher auch ein Verdienst der optimalen Vorbereitung gerade durch den besonders anerkannten Olympiastützpunkt Hessen.

Gold für Hockeydamen

Eine sensationelle Goldmedaille erkämpften sich die Hockey-Damen, unter ihnen drei besonders engagierte Spielerinnen vom RK Rüsselsheim: die erfahrene Abwehrgröße Denise Klecker (32), der kleine Wirbelwind im Mittelfeld, die Frankfurterin Silke Müller (25) und die gebürtige Leipzigerin Mandy Haase (22), Sportstudentin in Frankfurt, auch eine Verteidigerin. Nach dem Finale vor zwölf Jahren schrieben die Damen mit dem ersten Hockey-Gold bei Olympia völlig unerwartet Sport-Geschichte. Dabei drohte die Vorrunde nach dem Sieg über Australien (2:1), den Titelverteidiger, und zwei klaren Niederlagen gegen die Niederlande (1:4) und Südafrika (0:3) ein weiteres trauriges Kapitel in einer schwachen ersten Olympiawoche zu werden. Mit einem 3:2 über Südkorea und gütiger Mithilfe der Holländerinnen gelangten die Deutschen doch noch ins Halbfinale – „eine Wundertüte“, wie Britta Becker, die schon 1992 Silber gewonnen hatte und fast noch auf den Olympiazug aufgesprungen wäre, bemerkte. Am Einzug ins Finale war dann Denise Klecker wesentlich beteiligt, versenkte sie doch den entscheidenden Siebenmeter im chinesischen Tor. Beim Endspiel am 26. August gegen den fünfmaligen Welt- und Europameister Niederlande waren die deutschen Hockeydamen krasse Außenseiterinnen. Doch führten sie nach 20 Min überraschend mit 2:0, kassierten bald nach der Pause das 1:2, hielten aber den Vorsprung mit größtem Einsatz und spielerisch bestem Hockey seit Jahren. Ich fand es ja schon irre, überhaupt an Olympischen Spielen teilnehmen zu dürfen“, sagte Silke Müller, die am meisten von allen rannte, der F.A.Z., „aber Gold, das ist nicht zu glauben!“

Silber für Handballer

Eher glaubhaft war da selbstverständlich die Silbermedaille der Handball-Männer, an der der Wiesbadener Hüne Jan-Olaf Immel (28, gut zwei Meter sowie Zentner) beteiligt war. Immerhin gehörten die Deutschen als amtierender Europameister und Vize-Weltmeister zu den Favoriten. Eine Medaille stand beim aufregenden Viertelfinalspiel gegen Spanien auf der Kippe; erst nach zwei Verlängerungen und Siebenmeterwürfen war das Halbfinale glücklich erreicht.Dort besiegte man Russland nach sperriger erster Hälfte klar mit 21:15, wobei Immel den Schlusspunkt setzte, aus der halblinken Position, die er auch bei der SG Wallau/Massenheim einnimmt. Ansonsten leistete der Hesse nach Wunsch von Bundestrainer Heiner Brand im Turnier hervorragende Abwehrarbeit, im Wechsel mit einer anderen festen DHB-Größe, Volker Zerbe. An der Defensive lag es jedenfalls nicht, dass auch das olympische Finale wie schon das WM-Endspiel wiederum gegen Kroatien verloren ging, und zwar mit 24:26.

Der Korbacher Rainer Schüttler (28) und sein Partner Nicolas Kiefer (27) hatten im Tennis-Doppelfinale nach über drei Stunden weit nach Mitternacht vier Matchbälle, um je eine Goldmedaille zu gewinnen. Die hielten schließlich ihre chilenischen Gegner in den Händen. Den beiden Deutschen, die so kurz vor dem gleichen Erfolg standen wie anno 1992 in Barcelona Boris Becker und Michael Stich, blieb letztlich „lediglich“ Silber. Im Einzel unterlag der an Nummer sieben gesetzte Hesse Schüttler, der unterdessen in der Schweiz wohnt, in der ersten Runde dem Russen Andrejew, mit vom Winde verwehten Bällen...

Happyend

Ein Happyend erlebten die deutschen Fußball-Frauen, immerhin die amtierenden Weltmeisterinnen (2003 in den USA), mit dem verdienten Gewinn der Bronzemedaille gegen den balltechnisch versierten Vize-Weltmeister Schweden. Die vielseitige Frankfurter Spielmacherin Renate Lingor (28) vom 1. FFC erzielte schon früh den entscheidenden Treffer. Mit einigen Paraden rettete Torfrau Silke Rottenberg in ihrem 100. Länderspiel den Sieg. Nach dem 8:0 in der Vorrunde gegen China – mit vier Toren der Frankfurter Welt-Fußballerin 2003, Birgit Prinz - lagen die Deutschen im Viertelfinale lange gegen Nigeria zurück, ehe Libero Steffi Jones der Ausgleich gelang und der Siegtreffer folgte. Anders als bei der WM erwiesen sich die Amerikanerinnen im Halbfinale bei großer Hitze als lauf- und spielstärker als die vom Nigeria-Spiel müden Deutschen. Gegen Schweden überzeugten außer Rottenberg vor allem die Frankfurter Routiniers Jones, Lingor, Minnert, Prinz sowie der Neuzugang aus Rheine, die schnelle und trickreiche Kerstin Garefrekes, an der sie am Main noch viel Freude haben dürften. Am Ende kam auch noch Sonja Fuss vom FSV Frankfurt zum Einsatz, ehe sich alle Spielerinnen über erneute Bronze nach Sydney 2000 wie über einen Olympiasieg freuten.

Der hoch talentierte Wiesbadener Helge Meeuw - seine Eltern Jutta und Folkert waren schon sehr erfolgreiche Schwimmer – trug mit starkem Vorlauf zum Gewinn der Silbermedaille für die deutsche 4x100-Meter-Lagen-Staffel bei (Delphin), die hinter den USA und vor Japan neuen Europarekord schwamm. Meeuw, der am Schlusstag der Sommerspiele seinen 20. Geburtstag feierte, belegte über 100 Delphin im Halbfinale Rang 13, ebenso die Frankfurterin Vipa Bernhardt über 100 Meter Brust.

Eine besondere Freude bereitete sich und uns die 20 Jahre junge Hammerwerferin Betty Heidler von der LG Eintracht Frankfurt. Die extrovertierte Frohnatur verbesserte sich im dritten Versuch von Platz neun auf Rang drei: 72,73 Meter, deutscher Rekord! Noch einmal blieb sie mit 72,47 m über dem alten Rekord ihrer Vereinskameradin Susanne Keil, der WM-Fünften 2003, die nach Armproblemen im Winter in der Qualifikation ausschied. Erst im fünften Versuch schnappte die zweifache kubanische Weltmeisterin Yipsi Moreno (73,36 Meter) Betty Heidler Bronze weg.Ihr Vereinskamerad Kamghe Gaba, auch 20 Lenze (in Friedberg geboren), bewirkte mit einem Klasselauf, dass wenigstens die 4x400-Meter-Staffel den Endlauf erreichte - dort Rang sieben. Ebenfalls Siebte wurde Irina Mikitenko (Eintracht Frankfurt) über 5000 m. Der junge Friedberger Till Helmke lief die 200 m (ZL) in guten 20,76.

Der Achter, WM-Zweiter 03, ruderte vier Sekunden hinter den Australiern auf Platz vier, mit Sebastian Schulte von der RG Wiesbaden-Biebrich. Im Einer verpasste der Weltmeister von 2002, Marcel Hacker, überraschend das Finale. Der Olympiadritte von Sydney gewann dann das B-Finale und wurde Siebter. Der Wiesbadener Waldemar Schanz, Europameister 1998, belegte im Doppeltrap-Schießen Platz sechs, einen besser als 2000. Marco Spangenberg (SG Dietzenbach) wurde mit der Schnellfeuerpistole Zehnter - vor zwei Jahren war er Weltmeister.Der deutsche Hoffnungs- und Sympathieträger im Tischtennis, Timo Boll (23) vom TTV Gönnern, besiegte spektakulär (4:3) Weltmeister Werner Schlager (Österreich), so dass gegen die TT-Legende Jan Ove Waldner aus Schweden im Viertelfinale ein paar „Körner“ fehlten (7.) - ein spielerischer Höhepunkt bei Olympia! Sein Klubkamerad Jörg Roßkopf erreichte bei seinen fünften Olympischen Spielen die dritte Runde.

Ein Vertreter der nächsten Generation, Fabian Hambüchen (16) aus Wetzlar, wurde Achter mit dem DTB-Team und Siebter am Reck, nach fast fehlerfreier Übung. Bis Athen 2004 ist viel Zeit!

Die hessischen Athleten erreichten im Einzelnen bei den Olympischen Spielen in Athen die folgenden Plazierungen:

Verband/
Sportart
Nachname Vorname Verein Plazierung Kader
Paralympics
 
Basketball Christink Lars RSV Lahn Dill 5. Platz PK
Basketball Wolk Sebastian Frankfurt 5. Platz PK
Basketball Schratz Nora RSV Lahn Dill 4. Platz PK
Gewichtheben (-90 kg) Vogel Bernd RSC Bad Wildungen 5. Platz PK
Gewichtheben Homrich Klaus ACE Gießen   PK
Goalball Möller Christine SSG Blista Marburg 6. Platz PK
Judo (-100 kg) Dahmen Thomas Blau-Gelb Marburg 5. Platz PK
Judo (+100 kg) Osewald Martin Judo Club Frankfurt 7. Platz PK
Leichtathletik Kretz Salome TV 1843 Dillenburg 9. Weitsprung F42 PK
Leichtathletik Boßmeyer Maren SSG Marburg 5. Platz 100 m,
7. Platz 200 m
PK
Radsport Lungershausen Klaus RSC Marsrotweiss 1902 Frankfurt 4. (Zeitfahren/ Straßenrennen),
5. Bahnverfolgung,
16. Bahnzeitfahren
PK
Rugby Picht Oliver RSC Bad Wildungen 7. Platz PK
Rugby Werner Christoph RSC Bad Wildungen 7. Platz PK
Schwimmen Dörries Robert FV-Wehrda 1919 4. 400m Freistil,
6. 100m Rücken
PK
Sportschießen Liebehenz Kai-Uwe BSG Kassel 4. Mixed
14. Pistole
PK
Sportschießen Schmermund Manuela Sgi Mengshausen Gold Luftgewehr,
Bronze Kleinkaliber
PK
Tischtennis Meyer Dieter VSG Friedberg Bad Nauheim Gold Mannschaft,
VF Einzel
PK
Frauenfußball Jones Steffi 1. FFC Frankfurt Bronze A
Frauenfußball Garefrenks Kerstin 1. FFC Frankfurt Bronze OK
Frauenfußball Lingor Renate 1. FFC Frankfurt Bronze A
Frauenfußball Minnert Sandra 1. FFC Frankfurt Bronze A
Frauenfußball Prinz Birgit 1. FFC Frankfurt Bronze A
Frauenfußball Fuss Sonja FSV Frankfurt Bronze A
Frauenfußball Wunderlich Pia 1. FFC Frankfurt Bronze A
Handball Immel Jan-Olaf SG Wallau Massenheim Silber A
Hockey Haase Mandy RK Rüsselsheim Gold  
Hockey Klecker Denise RK Rüsselsheim Gold A
Hockey Müller Silke RK Rüsselsheim Gold B
Leichtathletik
400 m
Gaba Kamghe LG Eintracht Frankfurt 7. Platz 4x400m Staffel B
400 m  Gatzka Sebastian LG Eintracht Frankfurt nicht eingesetzt B
Hammerwurf Heidler Betty LG Eintracht Frankfurt 4. Platz (DR 72,73 m) OK
100 u. 200 m Helmke Till TSV Friedberg Fauerbach Zwischenlauf  200 m
Vorlauf 4x100m
C
Hammerwurf Keil Susanne LG Eintracht Frankfurt Qualifikation OK
5000 u. 10000 m Mikitenko Irina LG Eintracht Frankfurt 7. Platz 5000 m OK
Moderner Fünfkampf Gebhardt Steffen SSG Bensheim 17. Platz B
Ringen Zamanduridis Jannis AC Goldbach 9. Platz  
Rudern
Vierer
Dienstbach Paul Giessener RG wegen Erkrankung nicht eingesetzt A
Rudern/Einer Hacker Marcel Casseler Frauen Ruderverein 7. Platz B
Rudern/Achter Schulte Sebastian RG Wiesbaden Biebrich 4. Platz A
Schützen
Wurfscheibe Doppeltrapp
Schanz Waldemar   6. Platz OK
Schützen
Schnellfeuerpistole
Spangenberg Marco SG Dietzenbach 10. Platz OK
Schwimmen Bernhard Vipa SG Frankfurt Halbfinale 100 m Brust OK
Schwimmen Meeuw Helge SC Wiesbaden Silber 4x100m Lagen (im Vorlauf eingesetzt)
Halbfinale 100 m Schmetterling
Vorlauf 200 m Schmetterling
B
Schwimmen Mehlhorn Annika SG ACT Baunatal Halbfinale 200 m Schmetterling OK
Schwimmen Oesterling Johannes TSV Stadtallendorf Vorlauf 4x200m Freistil OK
Tennis Schüttler Rainer   Silber (Doppel)  
Tischtennis Boll Timo TTV RE-BAU Gönnern Viertelfinale (Einzel)
Achtelfinale (Doppel)
OK
Tischtennis Roßkopf Jörg TTV RE-BAU Gönnern 3. Runde (Einzel)
2. Runde (Doppel)
OK
Triathlon Dehmer Sebastian TuS Griesheim 26. Platz  
Turnen
KuTu männl.
Hambüchen Fabian TSG Niedergirmes 7. Platz Reck
8. Platz Mannschaft
OK