Presse

Aktuelle Pressemitteilungen

16.05.2013 -

Engagement für Frauen im Sport ausgezeichnet

Lu-Röder-Preis 2012 für Hülya Özger

Die Preisträgerin des Lu Röder-Preises, Hülya Özger (2.v.r). Rechts Staatssekretär Werner Koch, links Landessportbund-Präsident Dr. Rolf Müller, daneben die Vorsitzende des Landesausschusses Frauen im Sport, Beate Schmidt. Foto: Ralf Wächter

Hülya Özger ist die neue Lu-Röder-Preisträgerin des Landessportbundes Hessen (lsb h). Die mit 1.500 Euro dotierte Auszeichnung überreichten im Beisein von Innen-staatssekretär Werner Koch die Vorsitzende des Landesausschusses Frauen im Sport (LA-FiS), Beate Schmidt und lsb h-Präsident Dr. Rolf Müller heute in Frankfurt.
Der Lu-Röder-Preis wurde dabei bereits zum 25. Mal vergeben. Er zählt bundesweit zu den wenigen Auszeichnungen, mit der Frauen gewürdigt werden, die sich in engagierter Art und Weise für die Belange von Frauen im Sport einsetzen und die das Verständnis für die besondere Situation der Frau im Sport und die Notwendigkeit einer partnerschaftlichen Entwicklung in der Sportorganisation durch ihren besonderen Einsatz in der Verbands- oder Vereinsführung fördern. Dass Hülya Özger, 2. Vorsitzende des Türkischen Sportvereins Fulda 1981, als neue Preisträgerin diese Vorgaben in beispielhafter Art und Weise in ihrer Arbeit vor Ort umsetzt, wurde bei der Ehrung mehr als deutlich.
„Hülya Özger setzt sich seit Jahren für die Belange von Frauen und Mädchen im Sport ein. Als alleinerziehende Mutter mit türkischem Migrationshintergrund ist es ihr gelungen, in einem von Männern dominierten Sportverein nicht nur die erste Mädchenfußballmannschaft in der Vereinsgeschichte fest zu etablieren, sondern auch einen Tanzkurs, ein Theaterprojekt sowie einen Schwimmkurs für Frauen und Mädchen aller Nationen zu initiieren“, so Beate Schmidt in ihrer Laudatio.
„Als Frau mit türkischen Wurzeln, alleinerziehend mit drei Kindern, weiß ich genau, wie schwer es sein kann, sich in vermeintlichen Männerdomänen zu behaupten“, macht auch Hülya Özger bei der Preisverleihung deutlich.
1965 im türkischen Kuyucak in der Nähe von Aydin geboren, kam sie 1975 zum ersten Mal nach Deutschland, kehrte aber nach wenigen Monaten zurück. Im Jahr darauf folgte sie ihren Eltern dann endgültig in die neue Heimat nach Fulda. Die Erfahrungen, die Hülya Özger im Zusammenhang mit dem eigenen, nicht immer einfachen Integrationsprozess machte, haben sie darin bestärkt, diese durch ihr eigenes ehrenamtliches Engagement an Mädchen und Frauen weiterzugeben.
„Gerade dadurch, dass in den Augen vieler türkischen Männer noch heute die Frauen ihren Platz in der Küche haben und sie allein die Verantwortung für die Kindererziehung tragen, sind es die Mädchen und Frauen, die meine Hilfe am meisten brauchen“, unterstreicht die neue Lu-Röder-Preisträgerin ihr Engagement. „Ich versuche ihnen Vorbild zu sein und ermuntere sie, sich zu beteiligen, sich Gehör zu verschaffen und auch bei Widerständen an sich zu glauben. Gerade im Sport ist dies sehr gut möglich.“
So animierte die Freude der eigenen Söhne, die beim Türkischen Sportverein Fußball spielten, Özger 2008 dazu, nach den Sommerferien eine eigene Mädchenmannschaft zu gründen. Dafür musste sie „Überzeugungsarbeit“ im Vereinsvorstand leisten. Und die hat sich gelohnt.
Nicht nur sie war überrascht, wie viele Mädchen beim ersten Termin auf dem Fußballplatz erschienen. Auch die männlichen Vorstandskollegen waren sprachlos – 38 Mädchen waren gekommen. Obwohl sie bis zu diesem Zeitpunkt noch nie selbst Fußball gespielt hatte, übernahm Hülya Özger am Anfang selbst das Training, unterstützt von Trainer Bülent Aydin, der als Trainer zuvor schon in Diensten des SV stand. Seit Kurzem trainiert nun Özgers Nichte Yadel Özger die Mädchenmannschaft.
Aber dass das Sportangebot des SV bisher ausschließlich auf Fußball beschränkt ist, möchte Hülya Özger gerne ändern. So ist ein Tanzkurs in Planung, ebenso ein Schwimmkurs für Mädchen und Frauen.
Bereits seit 2009 ist der Türkische Sportverein Fulda 1981 Stützpunktverein des Projektes „Integration durch Sport“ (IdS), getragen von der Sportjugend Hessen. Vom damaligen Vereinsvorsitzenden Bayram Usta initiiert, hat Hülya Özger zwischenzeitlich auch dafür die Verantwortung übernommen. „Zusammen mit Regionalkoordinator Peter Schreiber von der Sportjugend und den anderen Stützpunktvereinen aus Fulda nehmen wir die Verantwortung sehr ernst“, so Özger. Zumal die Anerkennung als Stützpunktverein erst durch den Aufbau der Mädchenmannschaft möglich wurde.
Dass sich die Lu-Röder-Preisträgerin darüber hinaus in Sachen „Integration“ nicht nur auf dem sportlichen Sektor engagiert, versteht sich nahezu von selbst. Sie gehört als 2. Vorsitzende dem Ausländerbeirat der Stadt Fulda an, gibt an der Adolf-von-Dalberg-Schule zusammen mit dem pensionierten Lehrer Klaus Goldeck einmal wöchentlich nachmittags türkisch-deutschen Unterricht, engagierte sich lange Zeit an der Domschule in der Intensivklasse „deutsch lesen“ und ist aktiv beim sogenannten Frauentisch. Sie begleitet Familien bei Behördengängen oder fungiert für sie als Dolmetscherin bei Ärzten.
Kein Wunder, dass bei so viel ehrenamtlichem Engagement auch die Würdigungen nicht ausbleiben. Hülya Özger wurde Ehrenamtssiegerin des Kreises Fulda (2010), wurde für ihr Fußballprojekt vom Hessischen Fußball-Verband ausgezeichnet (2011) und Mitglied im „Club der 100“ beim Deutschen Fußball-Bund.
„Doch Dank und Anerkennung reichen manchmal nicht aus, um die Kosten zu decken. Vor allem für die Mädchenmannschaft, aber auch für die neugegründete Tanzgruppe und den Schwimmkurs benötigen wir dringend finanzielle Hilfe. Unser Stadtteil hat einen hohen Migrantenanteil. Die Menschen zählen oft zu den Geringverdienern. Ohne finanzielle Unterstützung, Beratung und Organisation haben es dabei Mädchen und Frauen besonders schwer, an der Gesellschaft teilzuhaben“, so die frischgekürte Lu-Röder-Preisträgerin. Da kommen die mit der Preisverleihung verbundenen 1.500 Euro sicherlich gerade recht.