Hessens Spitzensport in Gefahr:
Landessportbund fordert Sonderprogramm
Der Landessportbund Hessen (lsb h) schlägt Alarm: Ohne ein sofortiges Sonderprogramm wird der hessische Spitzensport schon bald im nationalen Vergleich keine Rolle mehr spielen. Der Dachverband des organisierten Sportes hat deshalb die Landesregierung aufgefordert, kurzfristig ein solches Sonderprogramm aufzulegen. Zudem müssen nach Auffassung des lsb h die Mittel des Aktionsprogramm zur Förderung talentierter Sportlerinnen und Sportler (D-Kader) der hessischen Fachverbände aufgestockt werden. Ohne diese Maßnahmen, so betonten lsb h-Präsident Dr. Rolf Müller und Wolfgang Faß, Präsident des Hessischen Handball-Verbandes in Frankfurt, ist eine sinnvolle Fortführung der Förderung talentierter Nachwuchssportler/-innen nicht möglich.
Müller und Faß belegten die hessische Situation mit alarmierenden Zahlen. So sind die Erfolge des hessischen Nachwuchses in den letzten beiden Jahren auf Bundesebene um nahezu 20 Prozent zurückgegangen. Das ergab eine Auswertung der Plazierung auf den Rängen eins bis acht der hessischen Teilnehmer bei den Deutschen Schülermeisterschaften, den Jugendmeisterschaften und den Juniorenmeisterschaften.
Der Grund liegt auf der Hand. Im Zeitraum von 1994 bis 1998 sind die Landesmittel zur Förderung des Nachwuchssportes um nahezu eine Million Mark zurückgegangen. Von den ehedem 2,5 Millionen Mark stehen jetzt nur noch gut 1,5 Millionen Mark zur Verfügung. Mittel, die beispielsweise zur Ausrichtung von Kadermaßnahmen und zur Beschäftigung hauptamtlicher Trainer dringend gebraucht werden.
Beispiel Trainer: Gab es 1994 in Hessen noch 16 hauptamtliche Landestrainer, werden es 1999 nur noch 9,5 sein. Eine Situation, die nicht verwundert - schließlich müssen die hessischen Sportfachver-bände die Trainer seit 1997 aus der eigenen Tasche zahlen.
Der Vergleich mit Baden-Württemberg macht die mißliche Situation Hessens dabei einmal mehr deutlich. Dort werden 83 hauptamtliche Trainer aus Landesmitteln finanziert, weitere 35 aus Verbandseigenmitteln. Die Konsequenz im Umkehrschluß: ohne zusätzliche Fördermittel sind keine Trainerpositionen finanzierbar, ohne hauptamtliche Trainerstruktur ist Hessen national nicht konkurrenzfähig.
Wir müssen die Landesmittel im Bereich der Nachwuchsförderung zumindest wieder auf den Stand von 1994 bringen, lautet daher die Forderung des organisierten Sportes an die Adresse der Landesregierung. Unabhängig davon müssen - nach Auffassung des lsb h - mit einem Sofortprogramm die größten Löcher gestopft werden. Dazu gehören die Wiedereinführung von Kaderlehrgängen, die viele Verbände in diesem Jahr mit Blick auf fehlende Mittel absagen mußten und auch die Beschäftigungszusagen für hautamtliche Trainer. Zudem gelte es, die erfolgreiche Arbeit des Olympiastützpunktes Frankfurt-Rhein-Main, des Sportmedizinischen Institu-tes Frankfurt, der Landessportschule sowie der neuen Eliteschule des Leistungssportes, der Carl-von-Weinberg-Schule in Frankfurt, zu unterstützen.
Ohne diese Maßnahmen wird Hessen sportlich bald bedeutungslos sein. Der Slogan Hessen vorn, der im Bereich des Sports jetzt schon keine Gültigkeit mehr hat, wird dann erst recht nicht mehr gelten, sind sich Dr. Rolf Müller und Wolfgang Faß einig.