Schadet neues Wettgesetz dem Sport?
Landessportbund Hessen um Zukunft des organisierten Sports besorgt
Wenn die Veränderungen der Sportwetten-Landschaft die Einnahmen des Sports dramatisch verringert, muß über die Aufhebung der Deckelung und die Beteiligung des organisierten Sportes an den Umsätzen der geplanten Oddset-Wetten inten-siv nachgedacht werden..
Mit diesen zwei Kernaussagen hat der Präsident des Landessportbundes Hessen, Dr. Rolf Müller, in Frankfurt die Position des organisierten Sportes zum geplanten Gesetz über staatliche Sportwetten, Zahlenlotterien und Zusatzlotterien in Hessen deutlich gemacht. Nur so könne die effiziente Arbeit der Dachorganisation des Sports in Hessen auch künftig solide finanziert und damit gewährleistet werden.
Zum Hintergrund: Der Landessportbund Hessen erhält 3,75 Prozent der wöchentlichen Wetteinnahmen in Hessen. Dieser Betrag wurde freilich 1996 auf die Maximalsumme von 36,3 Millionen Mark beschränkt, also gedeckelt. Nun werden in Hessen die gesetzlichen Voraus-setzungen zur Einführung sogenannter Oddset-Wetten geschaffen. Diese Quotenwetten nach skandinavischem Vorbild eröffnen den Teilnehmern wesentlich attraktivere Gewinnmöglichkeiten, als sie bislang beispielsweise bei Elfer- oder Auswahl-wetten im Totobereich möglich waren. Diese neuen, attraktiven Wetten, so fürchtet der lsb h, könnten den Umsatz der bisherigen Wetteinnahmen redu-zieren. Die Folge: der organisierte Sport erhielte weniger Mittel. Und das vor dem Hintergrund stetig wachsender Aufgaben und ständig steigender Mitgliederzahlen.
Das Land Hessen will mit der Einführung der Oddset-Wetten ins Ausland abgewandertes Wett-kapital zurückholen. Das ist zu begrüßen. Nur darf diese Intention nicht zur Folge haben, daß die Arbeit des organisierten
Sportes in Gefahr gerät, so lsb h-Präsident Dr. Rolf Müller. Wenn das Land von der Einführung dieser Wetten jährliche Mehreinnahmen in zweistelliger Millionenhöhe erwarte, dann müßte das auch Auswirkungen auf die Beteiligung des Sportes haben, vertrat Dr. Müller die Position des organisierten Sportes. Der Präsident: Wir haben die Landtagsabgeordneten gebeten, sich bei den Beratungen zum neuen Lottogesetz für die Beibehaltung des 3,75prozentigen Anteils des organisierten Sportes einzusetzen und die Deckelung der Erträge für den Sport aufzuheben. Weiterhin könnte die Beteiligung des Sportes an den künftigen Oddset-Wetteinnahmen mögliche Umsatz-rückgänge kompensieren und die Arbeit des Landessportbundes für die Zukunft sichern.
Mit Sorge, so wurde in Frankfurt deutlich, betrachtet der organisierte Sport aber auch die mögliche Beteiligung weiterer Destinatäre an den Wett-einnahmen. So wird in Bayern ab 1.1. 1999 der Umweltschutz an den Erträgen der Glücksspirale beteiligt. Sollte dieses Beispiel bundesweit Schule machen, fehlten dem Deutschen Sportbund bald 9,5 Millionen Mark im Jahr. Hessens Sportvereine würden dadurch mit knapp einer Million Mark im Jahr belastet. Und das ist unseren Vereinen vor dem Hintergrund der ohnedies knapper werdenden Finanzen nicht zuzumuten, so der lsb h-Präsident abschließend.