Kirche und Sport für den arbeitsfreien Sonntag als Kulturgut
Landeskontaktausschuß verabschiedet gemeinsame Resolution
Auf seiner Herbsttagung in Frankfurt befaßte sich der Landeskontaktausschuß, das Spitzengremium der Kirchen und des Sports in Hessen, mit dem arbeitsfreien Sonntag als Kulturgut sowie mit dem Thema „Das soziale Profil des Sports - welches Leitbild führt uns ins neue Jahrtausend. Referenten waren die Frankfurter Stadträtin Silvia Schenk und Dr. Gerhard Troisien.
In beiden Referaten wurde unter anderem die Wichtigkeit des arbeitsfreien Sonntags – besonders vor dem Hintergrund der Diskussion um den verkaufsoffenen Sonntag – herausgestellt.
„Der gemeinsame, immer wiederkehrende Rhythmus von Arbeit und Ruhe ist ein wesentlicher Bestandteil unserer abendländischen Kultur. Wenn die Mutter ihren freien Arbeitstag am Dienstag, der Vater seinen am Donnerstag und die Kinder ihren am Sonntag haben, kann sich ein Gemeinschaftsleben kaum entwickeln, Konflikte sind vorprogrammiert, so ein Diskussionsbeitrag.
Nach Ansicht der Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer ist der Sonntag für die Menschen weit mehr, als ein Tag, an dem man einen Gottesdienst besuchen kann oder einer Sportveranstaltung beiwohnt. Der Landeskontaktausschuß der Kirchen und des Sports in Hessen verabschiedete deshalb dazu folgende Erklärung:
„Der arbeitsfreie Sonntag - soweit dies in unserer differenzierten Gesellschaft zu ermöglichen ist - hat für die Menschen eine grundlegende Bedeutung. Seit vielen hundert Jahren hat der Wochenzyklus mit dem Sonntag als Ruhetag unsere Zeitkultur geprägt. Er dient noch heute zum Atemholen für die Gesellschaft und schafft so die Grundlage gleichermaßen für die Gemeinschaftserlebnisse wie für eine individuelle Lebensgestaltung. Ein für möglichst viele Menschen verbindlicher Tag zum Innehalten muß gerade vor dem Hintergrund schwindender sozialer Bindungen und Rituale erhalten bleiben. Es gilt auch, der Vereinsamung in unserer Gesellschaft entgegenzuwirken. Am Sonntag können in besonderer Weise soziale Kontakte gepflegt und ausgebaut werden - Sonntag ist Familientag.
Der gemeinsame, immer wiederkehrende Rhythmus von Arbeit/Alltag und Ruhe/Besinnung - verbunden mit zweckfreiem Tun sowie der Möglichkeit für gemeinsame Unternehmungen - ist ein wesentlicher Bestandteil unserer abendländischen Welt und hat sich seit vielen Generationen bewährt. In einer Zeit des ständigen Wandels und zunehmenden Leistungsdrucks ist das Festhalten an dieser Tradition insoweit auch ein Symbol für den Vorrang des Menschen vor Kommerz und Konsum. Wir geben ein Stück Freiheit auf, wenn wir sogar unseren Lebensrhythmus wirtschaftlichen Überlegungen unterordnen.
Kirchen und Sport haben aus ihrem Selbstverständnis heraus ein gemeinsames Interesse an einer am Menschen und seinen Bedürfnissen orientierten Gestaltung unserer Gesellschaft. Deshalb treten wir für die Bewahrung des Sonntags als arbeitsfreien Tag ein.