Lu-Röder-Preis 2002 des Landessportbundes Hessen für Erica Fischbach
„Es gibt viel zu tun – packen wirs an!“
Erica Fischbach, Mitglied der Jury sowie der Sportkommission des Internationalen Bobverbandes (F.I.B.T.) und ehemalige Pressewartin des hessischen Bob- und Schlittensportverbandes, ist die Lu-Röder-Preisträgerin des Jahres 2002. Der Preis, den der Landessportbund Hessen (lsb h) seit 1988 vergibt, ist mit 1500 Euro do-tiert. Er wurde im Rahmen einer Feierstunde von lsb h-Präsident Dr. Rolf Müller und der Vorsitzenden des Landesausschusses Frauen im Sport (LA-FiS), Barbara Aff, in Michelstadt überreicht. Der Preis trägt den Namen der langjährigen Frauenvertreterin im lsb h-Präsidium, Lu Röder. „Mit dieser Auszeichnung würdigt der Landessportbund Frauen, die sich in engagierter Weise für die Belange von Frauen im Sport einsetzen“, so lsb h-Präsident Müller.
Die Anfänge des Bobfahrens sind nicht genau bekannt. Dass aber der Damenbobsport 2002 erstmals olympisch war ist mit Sicherheit ein großes Verdienst der diesjährigen Lu-Röder-Preisträgerin Erica Fischbach. Sie gehörte bereits in den neunziger Jahren zu den ersten Frauen, die sich in einen Bob setzten. Als Bremserin im Team mit Heike Storch wurde das sportliche Multitalent in der Saison 1994/95 zweite im Gesamtweltcup der Damen.
Ein schwerer Sturz in St. Moritz zwang Fischbach jedoch dazu, ihre aktive (bob)sportliche Karriere zu beenden. „Aber“, so die LA-FiS Vorsitzende Barbara Aff in ihrer Laudatio, „sie hatte jedoch zuviel Spaß an dieser Sportart gefunden, als dass sie damit einfach aufhören konnte. Zumal die öffentliche Anerkennung für diese Sportart noch sehr im Argen lag.“
Erica Fischbach schlug die Funktionärslaufbahn ein. Wie sich herausstellen sollte – ein Glücksfall für den Damenbobsport.
Zunächst auf hessischer Ebene, im Hessischen Bob- und Schlittensportverband, dann aber auch auf nationaler Ebene, im Deutschen Bob- und Schlittensportverband (DBSV), rührte Erica Fischbach kräftig die Werbetrommel in Sachen Damenbobsport. „In vielerlei Hinsicht versuchte Erica Fischbach die Bresche zu schlagen, damit Frauen in dieser Sportart das gleiche Recht erhalten wie Männer, nämlich sich nicht nur in Wettkämpfen zu messen, sondern auch Meisterschaften auszutragen“ bekräftigte Barbara Aff die Entscheidung des Landesausschusses Frauen im Sport, Fischbach mit dem Lu-Röder-Preis auszuzeichnen.
Seit 1997 Beauftragte des Deutschen Bob- und Schlittensportverbandes für den Damenbobsport musste Fischbach auch in den eigenen Reihen Überzeugungsarbeit leisten, betrachtete doch der DBSV die Entwicklung anfangs eher kritisch. „Dass Frauen in eine der letzten Männerdomänen einbrechen wollten war unvorstellbar und die Forderung, dass Bobfahren für Frauen olympisch werden sollte, erst recht“ verdeutlichte Barbara Aff die Schwierigkeiten, mit denen sich Erica Fischbach auseinandersetzen musste.
Diese ließ sich jedoch nicht entmutigen. Unterstützung und offene Ohren fand sie zusammen mit ihrem kanadischen Kollegen Joseph Kilburn beim Internationalen Verband und beim IOC. Viele Gespräche wurden geführt, Konzepte entwickelt. Darüber hinaus gab Erica Fischbach vielen kleineren Bobnationen Hilfestellung, organisierte beispielsweise Rennkufen für die Jamaikanerinnen, damit diese die Olympische Saison 2001/2002 in Europa überhaupt mitfahren konnten.
Der Lohn all dieser Bemühungen – am 2. Oktober 1999 gab das IOC seine Entscheidung bekannt, dass Damenbob als neue Sportart erstmals bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City aufgenommen wird. Diese Entscheidung war aber nicht Schlusspunkt sondern Ausgangspunkt weiterer Anstrengungen für die in Wiesbaden geborene und lebende Lu-Röder-Preisträgerin.
„Bis zu den Spielen in Salt Lake City mussten wir jetzt versuchen, das Niveau im Damenbobsport zu verbessern und die Zahl der teilnehmenden Nationen zu erhöhen“, so Fischbach. Was ihr in Zusammenarbeit mit Joseph Kilburn auch eindrucksvoll gelang. Waren es anfänglich nur Damenteams aus sechs Nationen, gingen bei der Winterolympiade 2002 Mannschaften aus 22 Nationen an den Start.
Als Zwischenstation auf dem Weg nach Salt Lake City organisierte Erica Fischbach 2000 dann die erste Weltmeisterschaften im Damenbobsport. Austragungsort war Winterberg.
„Das ist Erica Fischbachs unermüdlichem Einsatz zu verdanken. Die gute Zusammenarbeit zwischen ihr und dem internationalen Verband hat sich gelohnt. Diese erste WM für Frauen hat Geschichte geschrieben, denn die ersten Weltmeisterinnen kamen aus Deutschland“, würdigte auch Bernd Sattler, Präsident des Hessischen Sport- und Schlittensportverbandes, das unermüdliche Engagement der Preisträgerin.
Trotz aller internationalen Lorbeeren, die sich die „Damenbob-Mutter der Nation“, wie Sattler Erica Fischbach scherzhaft nannte, erworben hat – die Bodenhaftung hat sie keineswegs verloren. So ist sie mittlerweile auch in Sachen Nachwuchsförderung in heimischen Gefilden sehr aktiv.
In ihrem Heimatverein, dem BRC Michelstadt, versucht sie als Trainerin und Betreuerin den hoffnungsvollen weibliche Nachwuchs um die Schwestern Nadine und Christina Jacobs sowie Daniela Clobes und Tanja Bitsch, die in der Renngemeinschaft Odenwald zusammengeschlossen sind, an die nationale und internationale Spitze heranzuführen. Dafür will Erica Fischbach auch einen Teil ihres Preisgeldes einsetzen. Denn nach wie vor gilt für die sympathische Preisträgerin der Werbespruch einer großen deutschen Bank: „Es gibt viel zu tun – packen wirs an!“