Ministerpräsident Roland Koch beim Sport
Konstruktive Zusammenarbeit mit dem Sport fortsetzen
Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) kam in „wirtschaftlich schweren Zeiten“ zum 23. Ordentlichen Sportbundtag des Landessportbundes (LSB) Hessen. Von den übergreifenden Sparmaßnahmen der Landesregierung war unlängst auch der Sport betroffen gewesen: Mehr als zwei Millionen Euro an originären Landeshaushaltsmitteln wurden gekürzt.
„Wir treffen uns in einer Zeit, die geprägt ist von Schwierigkeiten und Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt“, so Koch am Beginn seiner 20-minütigen Rede vor den 252 anwesenden Delegierten der Sportkreise und Verbände. Der Ministerpräsident stellte im weiteren Verlauf zwei Grundsatzfragen: „Macht jemand etwas in der Gesellschaft? Und hängt dieses Engagement von Zuschüssen ab?“ Anders formuliert: Koch forderte soziales Engagement ohne monetäre Hintergedanken, er appellierte an Ehrenamtlichkeit und Freiwilligkeit. „Wir müssen jungen Menschen einen Platz in der Gesellschaft verschaffen.“ Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Aufschwung seien Intelligenz, Solidarität und Arbeitskraft.
Keinen Zweifel ließ der Ministerpräsident aufkommen, als die Sprache auf die „konstruktive Zusammenarbeit“ mit dem LSB Hessen kam. „Wir als Landesregierung werden diesen Weg erfolgreich mit Ihnen weitergehen.“
Bei den Mittelkürzungen habe man versucht, einen Ausgleich zu schaffen zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Interessengruppen. Doch die Kooperation mit dem Sport werde fortgeführt, das Engagement im Grundsatz erhalten. Und ganz bewusst seien bei den Einsparmaßnahmen die „großen Institutionen nicht zerstört worden“. Als Beispiele nannte Koch die unangetasteten 3,75 Prozent, die der Sport an den Umsätzen von Lotto und Sportwetten erhält sowie den Schulsport.
Die gescheiterte Olympiabewerbung Frankfurt/Rhein-Main 2012 in diesem April betrachtet Koch als Chance, quasi „als Basis für das Selbstbewusstsein des organisierten Sports“. Nach der Olympiawerbung spreche man anders über das Engagement im Ehrenamt. Mehr als 35.000 Menschen habe die Bewerbung zusammengeführt. Der Spaßfaktor, nicht nur die zur Verfügung stehenden finanziellen Ressourcen, würden dabei eine Rolle spielen. Koch nannte zwei positive Effekte der Bewerbung: Schulsport und die Integration ausländischer Jugendlicher.
Der Ministerpräsident verstand es geschickt, von der Wirtschaftsflaute und den daraus resultierenden Ausgabenkürzungen in Hessen auf einen gesamtgesellschaftlichen Konsens hinzuwirken. Und der größte Träger ehrenamtlichen Engagements in Hessen sei der LSB als Personenvereinigung mit knapp 2,1 Millionen Mitgliedern. Koch: „Das ist eine machtvolle Position, und die sollten sie nutzen.“
Weiterhin verärgert ist der Ministerpräsident über die Abwerbungsversuche Berliner Politiker, den Sitz des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) für Deutschland von Frankfurt in die Bundeshauptstadt zu verlagern. Im Rahmen des Länderfinanzausgleichs erhalte Berlin jährlich vier Milliarden Euro, und dass dem NOK im Gegenzug mietfreie Räumlichkeiten für einen Zeitraum von 30 Jahren angeboten würden, sei nicht akzeptabel. „Berlin hat ein Geldargument, weil sie es den anderen Bundesländern abgenommen haben.“ Im Übrigen biete Frankfurt am Main den Zentralen des organisierten deutschen Sports, etwa NOK und Deutschem Sportbund, „eine gute Umgebung an“.
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Hob beim Sportbundtag in Frankfurt den Stellenwert des organisierten Sports für die Gesellschaft hervor: Hessens Ministerpräsident Roland Koch.
VON: UWE MARTIN