13.01.05 Landessportbund Hessen vergibt Lu-Röder-Preis 2004Auszeichnung für Doris HerscuDer Lu-Röder-Preis 2004 des Landessportbundes Hessen (lsb h) geht an Doris Herscu. In einer Feierstunde im Hotel Maritim in Fulda überreichten lsb h-Präsident Dr. Rolf Müller und die Vorsitzende des Landesausschusses Frauen im Sport (LA-FiS), Barbara Aff, die mit 1.500 Euro dotierte Auszeichnung an die stellvertretende Vorsitzende des Sportkreises Fulda. Mit dem Preis würdigt der Landessportbund seit 1988 außergewöhnliche Leistungen von Frauen für Frauen im Sport.„Ich habe meinen Bewegungsdrang von frühester Kindheit an auf der Straße ausgelebt. Nach den Hausaufgaben ging`s raus und meine Eltern haben mich oft erst am Abend wieder zu Gesicht bekommen. Ich war ein Straßensportkind“, so die 1937 im ostpreußischen Angerburg geborene und nach dem Krieg in der Eifel aufgewachsene Preisträgern. Diese Affinität zur Bewegung und zum Sport hat sie ein Leben lang behalten. Ob in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts beim TSV in Bergisch-Gladbach, wo Herscu nach der Ausbildung zur Bankkauffrau wohnte und wo sie Handball und Volleyball spielte und mit Leidenschaft Leichtathletik betrieb. Oder später, als sie aus einer Laune heraus nach dem Ausfall eines Übungsleiters beim Kinderturnen spontan die Turnstunde beim TSV Lehnerz übernahm, ihrer „neuen Heimat“. Zuvor hatte Doris Herscu in Köln gearbeitet, wo sie ihren späteren Mann Rolf kennen lernte, der bei der selben Bank angestellt war und mit dem sie nach der Heirat von Nordrhein-Westfalen nach Hessen zog. „Der Sport hat mir viel gebracht, Freude und Freunde, viele positive Erfahrungen und wertvolle Kontakte“. Noch immer spricht aus der Mutter zweier erwachsener Kinder der Elan, mit dem sie nunmehr seit Jahrzehnten – ehrenamtlich versteht sich – ihrem Engagement im Sport nachgeht. Denn bei der einen Übungsstunde beim Kinderturnen ist es beileibe nicht geblieben. Doris Herscu hatte so viel Spaß an der Arbeit mit den Kindern, dass sie sofort eine entsprechende Übungsleiterausbildung absolvierte. Das war 1977. Schon ein Jahr später war sie Abteilungsleiterin beim TSV. Und in diesem Tempo ging es weiter. 1979 übernahm sie das Amt der Kreisfrauenwartin im Sportkreis. Seit 1981 zeichnet sie für die Bearbeitung der Sportabzeichen aller 17 Stützpunkte im Sportkreis und aller Schulen im Schulkreis Fulda verantwortlich. Beispielhaft auch hier ihr Einsatz. Mittlerweile hat die „Sportabzeichen-Obfrau“ selbst die Bedingungen für das Deutsche Sportabzeichen schon zum 35. Mal erfüllt. 1986 erfolgt noch durch Lu Röder selbst die Berufung in den Landesausschuss Frauen im Sport des lsb h, dem Herscu bis zum Jahr 2000 angehört und dessen stellvertretende Vorsitzende sie unter der Ägide von Ursula Repp wird. Sie ist dabei, als der LA-FiS das Programm Sport in der (Brust-) Krebsnachsorge in Hessen etabliert, gründet selbst zwei dieser Gruppen im Sportkreis. Parallel dazu engagiert sich Doris Herscu in der Betreuung der dezentralen Übungsleiterlehrgänge, die der Sportkreis vier mal im Jahr anbietet. Dabei kommt sie in vielfältigen Kontakt zu Frauen aus den Vereinen, lernt deren Sorgen und Nöte kennen, die sich für diese in ihrer täglichen Vereinsarbeit ergeben. Herscu ermuntert sie, „den Mund aufzumachen gegenüber den männlichen Kollegen und Vereinsvorständen“, um Änderungen herbei zu führen. „Es ging mir immer darum, Frauen zu ermutigen, etwas zu tun. Ich wollte Frauen nicht nur dazu bewegen, Sport zu treiben, sondern auch Verantwortung zu übernehmen, in der Abteilung oder im Vereinsvorstand. Frauen fragen immer zuerst `Kann ich das?´. Männer dagegen `machen´ einfach, auch wenn sie oft noch keine Ahnung haben“, beschreibt die Preisträgerin ihre Erfahrungen. Sie selbst engagiert sich seit Jahren im Fuldaer Frauenbüro und als Mitgestalterin der Fuldaer Frauenwoche. Bereits 14-mal hat sie dabei am Stand von Sportkreis und lsb h zahlreiche Frauen für den Sport gewonnen. Ihre Aktivitäten sind darüber hinaus Garant dafür, dass sie den regelmäßigen Kontakt „zur Basis“ hält. Aber – und darauf legt Doris Herscu Wert, „ich war nie Quotenfrau“. Sie räumt zwar ein, dass die Einführung von sogenannten Quoten den Frauen in manchen Bereichen durchaus geholfen habe. Der Sport jedoch ist für sie ein „gesellschaftspolitischer Auftrag, der ohne Quotierung auskommen sollte“. Deshalb sieht sie die „frauenspezifischen Angebote“, beispielsweise Rhetorik- oder Selbstverteidigungsseminare, die sie im Sportkreis regelmäßig anbietet, lediglich als „Anschub“. „Im Idealfall arbeiten Frauen und Männer Hand in Hand“. Das beste Beispiel ist ihr eigenes. Als „Fan mit Kinderwagen“ begleitete sie ihren hockeyspielenden Mann zu seinen Spielen. Und in späteren Jahren arbeiteten beide zusammen im Vorstand des Sportkreises. Wie sie das Preisgeld, das in die „Frauenarbeit“ investiert werden soll, einsetzen wird, kann die langjährige Jugendschöffin am Amts- und Landgericht Fulda noch nicht sagen. „Ich habe viele Ideen“, so Herscu. Sicher ist, sie wird die richtige Wahl treffen.
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