Spitzengespräch „Kirche und Sport“ in Hessen
Gemeinsames Konzept zur Integration von Migranten
Ein gemeinsames Konzept zur Integration von Migranten wollen die evangelische und katholische Kirche in Hessen und der Landessportbund Hessen im nächsten Jahr erarbeiten. Die Integration von Migranten sei die gesellschaftlich wahrscheinlich wichtigste Aufgabe der nahen Zukunft, stellten Vertreter der Kirchen, des organisierten Sports sowie der Hessischen Ministerien für „Sport, Justiz und Schule“ jetzt in einem Spitzengespräch in Mainz fest. Weitere Themen des von Generalvikar Dietmar Giebelmann in Stellvertretung von Kardinal Lehmann geleiteten Austauschs waren der Schutz des Sonntags, Ethik und Moral im Sport, Schule, sowie der Kampf gegen Rechtsextremismus.
Mit dem erörterten Integrationsplan wollen Kirche und Sport landesweit einen „übergreifenden Konsens“ herstellen. Zwar gebe es im Vorschulbereich, den Kindertagesstätten, im Schulbereich und den Vereinen viele gute Ansätze und Projekte. „Eine gemeinsame Linie zwischen den Kirchen, dem Sport, Landesregierung und der Politik ist aber notwendig“, so Dietmar Giebelmann, „wenn man etwas Nachhaltiges bewegen will. Zudem erscheint eine wissenschaftliche Begleitung des Integrationsprozesses unerlässlich, um noch zielgenauer wirken zu können.“
Die geplante Zusammenarbeit ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, nach dem „der Sport innerhalb unserer Gesellschaft kein isoliertes Feld darstellt“, verdeutlichte Dr. Rolf Müller, Präsident des Landessportbundes Hessen. Das werde auch und gerade über die Ethik und Moral im Sport deutlich. Hier existierten unmittelbare Zusammenhänge zwischen dem via der Medien transportierten Bild des Sports und der Entwicklung von Negativerscheinungen wie Wettbetrug, Doping und Gewalt im Sport. Müller wörtlich: „Das, was in den Medien abgebildet wird, spiegelt nur einen geringen Teil der Wirklichkeit des Sportalltages in den Vereinen wider. Das veröffentlichte Bild des Sports wird durch die Kommerzialisierung in vielen Bereichen verfälscht.“ So vermissen die Spitzen beider Seiten zunehmend im Wettkampfbetrieb, aber vor allem in der Berichterstattung positive Werte wie Fairness, Gewaltfreiheit oder mit Anstand verlieren können.
Weiterhin sprachen sich die Teilnehmer der Zusammenkunft nachdrücklich für den Schutz des Sonntags aus und wollen hierzu eine gemeinsame Erklärung vorbereiten und mit Journalisten diskutieren. Der Schutz der Familie, des Wochenendes, des Sonntages und der Feiertage gerate zunehmend „aus den Fugen“, wurde festgestellt. Verschärft werde diese Entwicklung mit zunehmender Auflösung von Bindungen in Ehe, Familie und sozialen Gemeinschaften und unter Druck geratenden sozial benachteiligten Schichten der Gesellschaft. Dem könnten Kirche und Sport gemeinsam entgegenwirken. Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst, Bischof des Bistums Limburg: „Das Wertvolle am Sport ist, dass man gemeinsam etwas zielgerichtetes gestaltet“. Das Potential der Kirchen als „Kontrastprogramm“ zu allgemeinen gesellschaftlichen Trends sieht er darin, als „Sinnlotsen zu wirken und Werte mit mehr Selbstbewusstsein zu vermitteln“.
Auch die Veränderungen im Bereich Schule und die Entwicklung zur Ganztagsschule haben erhebliche Auswirkungen auf die Sportvereine und große Teile der Gesellschaft. Kirchen und Sport verspüren hier den zunehmenden Druck vor allem auf Kinder und Familien. Pfarrer Reiner Modenbach von der Diözese Fulda und Volker Hofmann für die Evangelische Kirche Hessen Nassau sehen „bei aller Notwendigkeit eines Nachmittagsangebotes in bestimmten Familiensituationen, dass gut funktionierenden Familien Zeit, Kindern Kindheit und Jugendlichen Entfaltung genommen wird.“
Die Spitzenvertreter von Kirchen und Sport warnen weiterhin vor zunehmendem Rechtsextremismus. Beispiele für Versuche der Übernahme eines Ehrenamtes im Sportverein oder die Aufnahme in eine Fußballmannschaft einzuklagen machen genauso Sorgen, wie Lockangebote rechtsextremer Gruppen mit sportlichem Inhalt oder Kandidaturen für Kirchengemeinderatswahlen.
Bengt Seeberg von der Diözese Fulda und Dr. Rolf Müller wiesen aber auch auf die eindrucksvollen Gegenbeispiele in den Sportvereinen der Wetterau und beim Aufmarsch der NPD in Fulda Anfang November durch viele Gruppen und Aktivitäten hin. „Die Abwehrchancen bestehen vor allem in der Lebendigkeit der (eigenen) demokratischen Werte, von Solidarität, Toleranz und Demokratie und der klaren Positionen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“ so die Konferenz zum Abschluss.