Landessportbund Hessen ehrt Beate Schmidt mit dem „Lu-Röder-Preis 2008“
„Ich will etwas von dem zurückgeben, was mir der Judosport gibt!"
Beate Schmidt ist die neue Preisträgerin des „Lu-Röder-Preises 2008“. In Kiedrich haben der Präsident des Landessportbundes Hessen (lsb h), Dr. Rolf Müller, und die Vorsitzende des Landesauschusses „Frauen im Sport“, Barbara Aff, heute diesen Preis an die Präsidentin des Hessischen Judoverbandes verliehen. Der Preis ist mit einem Preisgeld von 1.500 Euro dotiert. Er wird vom lsb h seit 1988 verliehen und würdigt alljährlich Frauen, die sich in engagierter Art und Weise für die Belange von Frauen im Sport einsetzen.
Befragt nach ihren Beweggründen, sich seit langen Jahren besonders für Mädchen und Frauen im Judosport stark gemacht zu haben, blieb Beate Schmidt bei der Preisverleihung im Haus des Gastes in Kiedrich bescheiden: „Ich will nur etwas von dem zurückgeben, was mir der Judosport in nunmehr 40 Jahren gegeben hat.“ Keine emanzipatorischen Beweggründe also, hat Beate Schmidt doch auch immer die einvernehmliche Zusammenarbeit mit ihren männlichen Kollegen gesucht, sei es im Verband wie auf sportlicher Ebene. „Ich habe in der Regionalliga auch Männer gecoacht!“
Dass die neue Lu-Röder-Preisträgerin dennoch vor allem mit Mädchen und Frauen gearbeitet hat, lag an den Umständen, die sie vorfand. Wie in ihrem Heimatclub, dem JC Geisenheim. Dort initiierte sie im Alter von 16 Jahren eine eigene Kindergruppe. Und die bestand vor allem aus Mädchen. „Sie waren einfach in der Mehrzahl“, so Schmidt.
Sie selbst war mit acht Jahren zum Judosport gekommen, über ihren Bruder. Aber im Gegensatz zu diesem ist sie dem Judo bis heute treu geblieben. Geblieben ist auch das Interesse, mit zu gestalten. „Das wurde durch die vielen Wettkämpfe in der Mannschaft und die vielen gemeinsamen Aktivitäten im Verein schon früh geweckt. Ich bin einfach ein Vereinsmensch.“
Nach dem Abitur begann Beate Schmidt in Wiesbaden eine Ausbildung zur Feingeräteelektronikerin, wechselte deshalb 1979 von Geisenheim zum Judoclub Wiesbaden und war dort Anfang der neunziger Jahre maßgeblich an der Gründung und am Aufbau einer Bundesliga-Damenmannschaft beteiligt. Mitte der achtziger Jahre hatte die heutige Prozessleittechnikerin im Verein eine Trainingsgruppe für die weibliche Jugend aufgebaut und fungierte bis 1997 als Mädel- und Frauenwartin des JCW.
Auch im Hessischen Judoverband brachte sich die damals selbst noch aktive Kämpferin ein. Sie übernahm von 1985 bis 1992 erstmals die Funktion der HJV-Frauenwartin, die Beate Schmidt dann noch einmal von 2001 bis zu ihrer Wahl zur Präsidentin des Verbandes im Jahre 2003 mit Leben füllte.
Schmidt war in den achtziger Jahren nach eigenem Bekunden selbst „relativ“ erfolgreich und Mitglied des Landeskaders. „Zu dieser Zeit war Hessen im Frauenbereich in Deutschland klar die Nummer 1. Allein fünf Nationalmannschaftsmitglieder kamen aus Hessen.“ Die Erfolge von Sportlerinnen wie Regina Siegmund, Gaby Ritschel, Petra Wahnsiedler oder Kerstin Emich hätten es ihr leicht gemacht, erfolgreiche Arbeit als Frauenreferentin des HJV abzuliefern, hob sie hervor.
Ein durch einen Geisterfahrer auf der Autobahn verursachter schwerer Autounfall beendete Beate Schmidts aktive sportliche Laufbahn 1989 abrupt. Ihrer damaligen guten körperlichen Verfassung verdankt sie ihr Leben. Es folgten eineinhalb Jahre Klinikaufenthalt und Reha. Gesundheitliche Beeinträchtigungen sind jedoch bis heute immer wieder spürbar.
Sehr geholfen hat ihr damals auch das Mitgefühl „ihrer“ Mädchen und ihrer Teamkolleginnen. Viele von ihnen zählen noch heute zu Beate Schmidts Freundeskreis. Wie beispielsweise Kerstin Emich, die sie 1992 „auf eigene Kosten“ bei den olympischen Spielen in Barcelona am Mattenrand betreute. „Ein absolutes Highlight. Ein Traum für jeden Betreuer und Trainer“, schwärmt die HJV-Präsidentin noch heute von diesem Erlebnis.
Denn vom Judosport lassen konnte die Lu-Röder-Preisträgerin nicht. Sie wandte sich nach ihrer Genesung ihrem, wie sie sagt „zweiten Standbein“ zu, reaktivierte ihre Tätigkeit als Kampfrichterin. „Nicht mehr selbst auf der Matte stehen zu können, war schwer.“ Als Bundeskampfrichterin ist sie noch immer rund 25 Mal pro Jahr im Einsatz.
Heute ist Beate Schmidt eine der wenigen Frauen, die einem Sportverband in Hessen vorstehen. „Das war der bisher letzte entscheidende Schritt meiner Judolaufbahn“ unterstrich sie bei der Preisverleihung.
Ein Schritt, den sie nicht bereut hat. Zumal sie seit dem letzten Verbandstag im Jahre 2007 eine weitere Frau als Vizepräsidentin an ihrer Seite hat. „Es macht viel Spaß und ist vor allem sehr lehrreich, einen Verband dieser Größe führen zu dürfen.“ „Das aber“, so hob die Lu-Röder-Preisträgerin abschließend hervor, „funktioniert auch nur, weil ich die Unterstützung vieler Menschen habe, die ich im Laufe meiner Judozeit kennen und schätzen gelernt habe, Frauen wie Männer.“
Das mit der Ehrung verbundene Preisgeld will Beate Schmidt übrigens splitten. So plant sie, einen Teil in einen zusätzlichen Lehrgang für den Kader der weiblichen Jugend „mit einer Top-Athletin aus dem Nationalkader“ zu investieren. Darüber hinaus will sie die Arbeit mit behinderten Judoka unterstützen.