Landessportbund Hessen vergibt Heinz-Lindner-Preis 2008 – 38 Vereine bewarben sich
„Vereine haben die Zeichen der Zeit erkannt!“
Mit dem Heinz-Lindner-Preis des Landessportbundes Hessen (lsb h) sind heute der Hockey-Club Bad Homburg (Sportkreis Hochtaunus), der SV Poseidon Limburg (Sportkreis Limburg-Weilburg), der Turnverein Seulberg 1898 (Sportkreis Hochtaunus), der Turnverein Diedenbergen 1886 (Sportkreis Main-Taunus), der Sportverein Reichensachsen 1910 (Sportkreis Werra-Meißner) und der TV Fürth 1903 (Sportkreis Bergstrasse) ausgezeichnet worden. Die Preise wurden im Rahmen des Frühlingsfestes der Dachorganisation des Sports in Hessen von lsb h-Präsident Dr. Rolf Müller und Ralf-Rainer Klatt, Vorsitzender des Landesauschusses Breitensport und Sportentwicklung, im Beisein von Hessens Innen- und Sportminister Volker Bouffier, verliehen.
In diesem Jahr zum 30. Mal verliehen, wurden seit 1979 inzwischen mehr als 100 hessische Sportvereine mit dem Heinz-Lindner-Preis ausgezeichnet. „Sie alle haben sich über den allgemeinen Vereinsalltag hinaus in besonderem Maße für den Breitensport engagiert“, unterstrich Ralf-Rainer Klatt die Bedeutung des renommierten Preises, den der Landessportbund Hessen zu Ehren seines 1. Vorsitzenden ins Leben gerufen hat. „Aus den Bewerbungen wurde sehr deutlich, dass unserer Vereine die Zeichen der Zeit richtig zu deuten wissen. Sie haben mit vielen ihrer Initiativen Antworten beispielsweise auf die demografische Entwicklung gefunden, mit denen sich unsere Gesellschaft auseinandersetzen muss. Ein ermutigendes Zeichen“, hob Juryvorsitzender Klatt dabei in Frankfurt hervor.
In diesem Jahr hatten sich 38 Sportvereine, nach Vereinsgröße in drei Gruppen eingeordnet, beworben. So wurden Vereine mit einer Mitgliederzahl von bis zu 500 in der Gruppe 1 eingeordnet, Vereine mit bis zu 1.500 Mitgliedern in der Gruppe 2 und alle Vereine mit mehr als 1.500 Mitgliedern in der Gruppe 3. Je nach Vereinsgröße mussten die Bewerber dabei bis zu sieben vorgegebene Kriterien erfüllen. Der Preis war in diesem Jahr mit insgesamt 9.000 Euro dotiert.
„Einen Zuwachs von sage und schreibe 134 Prozent jugendlicher Vereinsmitglieder hat der Hockey-Club Bad Homburg in den letzen drei Jahren zu verzeichnen“, hob Ralf-Rainer Klatt bei der Preisverleihung anerkennend hervor. Damit habe der Club ganz offensichtlich einen erfolgreichen Weg gefunden, wie Kinder und Jugendliche für das sportliche Treiben im Verein gewonnen werden können. Das hat sich für die Homburger jetzt zusätzlich bezahlt gemacht. Die Jury erkannte dem Hockey-Club Bad Homburg in der Gruppe 1 nämlich den 1. Preis zu, verbunden mit einem Scheck in Höhe von 2.000 Euro.
370 Mitglieder zählt der Verein derzeit, 276 davon sind Kinder und Jugendliche. Deren motorische Vielseitigkeit wird – in Kombination mit der Sportart Hockey – schon sehr früh durch die intensive Nachwuchsförderung an umliegenden Schulen und Kindergärten geschult.
Für die Kinder ab fünf Jahren wurde darüber hinaus ein spezielles sportpädagogisches Konzept entwickelt, so dass sogar erstmalig ein Hockeypokal für Kindergartenkinder ausgeschrieben werden konnte. Und die Erzieherinnen in den Kindertagesstätten wurden mit Hilfe eines eigens erstellten Übungskatalogs „Spaß an Bewegung“ geschult.
Fast selbstverständlich angesichts dieser enormen Zahl jugendlicher Vereinsmitglieder ist die Tatsache, dass sie über einen Jugendausschuss auch im Vorstand des Vereins angemessen vertreten sind.
Dem Schwimmverein Poseidon Limburg wurde sprichwörtlich das Wasser abgegraben, so Ralf-Rainer Klatt bei der Vorstellung des Vereins, dem die Jury den 2. Preis in dieser Gruppe zugesprochen hat. Verbunden ist dieser mit einem Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro.
Nach der Schließung des ortsnahen Hallenbades mit dramatischem Mitgliederverlust (von 380 auf 139 Personen) gelang es dem SV in Kooperation mit weiteren schwimm- und wassersporttreibenden Vereinen als Mitbetreiber das Bad wieder zu aktivieren. Dennoch musste der Verlust von Trainern und Leistungsträgern wett gemacht werden, um neue Mitglieder zu gewinnen.
Dies geschah u. a. durch gesundheitsorientierte Sportkurse, gezielte Ansprache von Migranten, Sozialbenachteiligten und kinderreichen Familien. Die Jugendaktivitäten wurden mit zahlreichen Maßnahmen ergänzt; Jugendleiter ausgebildet; Kooperationen mit Kindergärten und Schulen eingegangen. Eine Vereinsanalyse zur Ausrichtung strategischer Ziele soll nun Orientierungshilfen geben, um die positive Entwicklung voranzutreiben. Eine Evaluation ist bereits geplant.
Eine äußerst erfolgreiche Umorientierung hat der Turnverein Seulberg 1898 in den letzten Jahren vollzogen. Er wandelte sich von einem traditionellen Turnverein zu einem Mehrspartenverein, der seine Mitgliederzahlen dank des ausgeweiteten Vereinsangebotes von ehemals 1.000 auf heute 1.500 steigern konnte.
„Wenn ihre Mitgliederentwicklung so kontinuierlich weitergeht, dann werden sie sich bei einer neuen Bewerbung um den Heinz-Linder-Preis in der Gruppe der großen Vereine anstellen müssen“ merkte Klatt bei der Preisverleihung augenzwinkernd an. Er zeichnete den TV mit dem 1. Preis in der Gruppe 2 aus und übereichte den Vereinsverantwortlichen neben der Urkunde auch einen Scheck über 2.000 Euro.
Der Turnverein aus dem Sportkreis Hochtaunus hat die Zeichen der demografischen Entwicklung verstanden. Mit seinen neuen Angeboten wie der Intensivierung des Fitness- und Gesundheitsbereiches, dem Trendsport Nordic-Walking (Gründung der Abteilungen Outdoor-Fitness und Fitness und Gesundheit) und dem Eltern-Kind/Familienturnen ist er den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger entgegengekommen. Auch der TV Seulberg setzt stark auf Kooperationen insbesondere mit den Kindertagesstätten und dem Projekt „Mehr Bewegung in Kindergärten“ des Hessischen Ministerium des Innern und für Sport und der Sportjugend Hessen.
Um seine Qualitätsstandards aufrechterhalten zu können, hat der Verein seine derzeit 41 Übungsleiterinnen und Übungsleiter darüber hinaus vertraglich verpflichtet, sich regelmäßig fortzubilden.
Mit dem Turnverein Diedenbergen 1886 und dem Sportverein Reichensachsen 1910 hat die Jury in dieser Gruppe übrigens gleich zwei Vereinen den mit jeweils 1.000 Euro dotierten
2. Preis zuerkannt.
Beim TV Diedenbergen 1886 ist der Jury besonders „die gute Struktur aufgefallen, mit der der Verein geführt wird und sein vielseitiges Angebot unterbreitet“, hob Ralf-Rainer Klatt hervor. So hat der TV mit der Durchführung einer Zukunftswerkstatt für Vorstand, Übungsleiter und Mitglieder einen Vereinsentwicklungsprozess eingeleitet, um gemäß der Demografischen Entwicklung auch in den nächsten Jahren gut aufgestellt zu sein.
Eines der Ergebnisse war u. a. die Schwerpunktsetzung auf die Zielgruppe Ältere mit den Angeboten Boule, Gedächtnistraining, Gymnastik, Wandern und Spielenachmittag. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Sport- und Gesundheitskurse.
Das Ehrenamt und der Kontakt zu den Übungsleitern ist dem Sportverein aus dem Sportkreis Main-Taunus darüber hinaus ein wichtiges Anliegen, das mit vielen Ideen gefördert wird.
Kooperationen werden beim Sportverein Reichensachsen 1910 „groß geschrieben“, wie Klatt bei der Preisverleihung betonte. Durch die zahlreichen Kooperationen insbesondere in Schulen, konnten neue Mitglieder gewonnen und für die Sparte Rhönradturnen sogar neue Sportgeräte in den Schulen angeschafft werden.
Der SV Reichensachsen aus dem Sportkreis Werra-Meißner hält für seine über 1.000 Mitglieder in vier Abteilungen 12 Sparten vor. Hier findet vom Kleinkind bis zum Älteren jeder etwas für seine sportliche Freizeitbeschäftigung. Die vier Abteilungen haben eigene Vorstände, deren gemeinsames Anliegen es ist, die Aus- und Fortbildung der Übungsleiter/innen und Trainer/innen zu intensivieren. Aktuelle Trends werden im Verein gerne aufgegriffen.
In der Gruppe der „großen“ Sportvereine (Gruppe 3) geht der „Heinz-Lindner-Preis 2008“ an den Turnverein Fürth 1903. „Mit ca. 2100 Mitgliedern ist der Verein eher ein kleiner unter den großen. Ausgezeichnet wird er für sein ausgesprochen vielseitiges Angebot“, verdeutlichte Ralf-Rainer Klatt das Votum der Jury, die dem Verein zudem ein Preisgeld von ebenfalls 2.000 Euro zuerkannte.
Der Verein aus dem Sportkreis Bergstrasse vereint mit seinem umfangreichen Angebot all das, was heute einen modernen und zukunftsorientierten Breitensportverein ausmacht. Kleinkinder, Kinder, Jugendliche, Familien, Ältere, Senioren – für alle Zielgruppen hat der Verein etwas zu bieten.
Hierbei liegt auch beim TV Fürth einer der Schwerpunkte auf der Gesundheitsorientierung mit der Ausrichtung sowohl auf den Präventions- als auch Rehabilitationsbereich. Angeboten werden können diese Maßnahmen im vereinseigenen Gesundheits- und Fitnessstudio. Um insbesondere die Jugendlichen für den Verein zu begeistern, werden Trendsportarten aufgegriffen (Ballschule, Cheerleading, Rope Skipping usw.).
Und da solch ein Angebot Raum braucht und die Mitgliedszahlen stagnierten, wurden die vereinseigenen Hallen erweitert. Das erfreuliche Ergebnis, von 2000 bis zum Jahr 2008 konnte ein Zuwachs von 800 Mitgliedern verzeichnet werden. Für ihre Schieds- und Kampfrichter halten die TV-Verantwortlichen ein besonderes Bonmont bereit. Sie dürfen u. a. kostenlos das vereinseigene Fitnessstudio besuchen.
„Gewonnen“ – das wurde am Ende der Preisverleihung deutlich – haben übrigens alle Vereine, die sich um den diesjährigen Heinz-Lindner-Preis beworben haben, auch wenn sie am Ende nicht zu den Preisträgern zählten. Sie haben mittlerweile vom Landessportbund Hessen jeweils einen Gutschein für eine Übungsleiterfortbildung erhalten. „Vereinsförderung im besten Sinne also“, so Ralf-Rainer Klatt.