Landessportbundes Hessen ehrt Sportlerinnen und Sportler des Jahres
Leistungen, die überzeugten
Sie sind nicht nur sportliche Leistungsträger sondern auch Vorbild in Sachen Fair Play, Durchhaltevermögen, Einsatzbereitschaft und Teamgeist, darin waren sich die Laudatoren bei der Wahl der hessischen Sportlerinnen und Sportler des Jahres einig. Das trifft für Hochspringerin Ariane Friedrich (Sportlerin des Jahres) ebenso zu wie für den Boxer Jack Culcay-Keth (Sportler des Jahres), den Radsportler Klaus Lungershausen (Sportler des Jahres in der Kategorie Behindertensport), die junge Siebenkämpferin Carolin Schäfer (Newcomer des Jahres), den Trainer Jörg Graf (Trainer des Jahres) und die Mannschaft des Rollstuhl-Sport-Vereins Lahn-Dill (Mannschaft des Jahres). Ihre Wahl war der Höhepunkt der 8. Olympischen Ballnacht des Landessportbundes Hessen (lsb h) im Kurhaus Wiesbaden.
Gewählt worden waren diese von einer Jury, der Verlagsleiter und Chefredakteure hessischer Medien angehörten. Das Preisgeld in Höhe von insgesamt 5.500 Euro wurde erneut vom Casino Wiesbaden zur Verfügung gestellt. Dessen Geschäftsführer, Thomas von Stenglin, moderierte die Preisverleihung.
Die Auszeichnung „Newcomer des Jahres“ geht an eine junge Frau, die ihre Wurzeln im nordhessischen Bad Wildungen hat. Die heute 17-jährige Carolin Schäfer bestritt ihre ersten Wettkämpfe für den TV Friedrichstein. „Mit dem Gewinn der Deutschen Schülermeisterschaft im Siebenkampf im Jahre 2005 konnte sie ihren ersten nationalen Titel gewinnen“, hob die ehemalige Weltklasse Biathletin Petra Behle in ihrer Laudatio hervor und machte deutlich, dass es dabei nicht geblieben ist. Das Silber bei der U18 Weltmeisterschaft im Jahre 2007 „vergoldete“ die junge Sportlerin bei der U20-WM ein Jahr darauf. Und in diesem Jahr ließ sie den Titel bei der Europameisterschaft folgen.
Im vergangenen Jahr ist die sympathische junge Dame in das Sportinternat Frankfurt gezogen, besucht die Carl-von-Weinberg-Schule, die Eliteschule des Sports im Frankfurter Stadtteil Goldstein, und trainiert unter dem Landestrainer des Hessischen Leichtathletik-Verbandes, Jörg Graf.
„Die Veränderung ihres Lebensumfeldes hinderte sie aber nicht, weiter nach sportlichem Erfolg zu streben“, so Petra Behle, die in der jungen Sportlerin schon jetzt eine Hoffnung für die Olympischen Spiele 2012 in London sieht. „Ihre Bestleistung steht derzeit bei 5.833 Punkten. Mehr als 6.000 Punkte traue ich ihr bis 2012 schon zu.“ Verbunden ist Auszeichnung für die Newcomerin des Jahres mit einem Preisgeld in Höhe von 500 Euro.
Nach 2005 zum zweiten Mal wurde Klaus Lungershausen zum Sportler des Jahres in der Kategorie Behindertensport gewählt. Die ehemalige erfolgreiche Dressurreiterin und ehemalige Vorsitzende der Deutschen Sporthilfe, Ann-Kathrin Linsenhoff, zeigte sich in ihrer Laudatio beeindruckt vom sportlichen Werdegang des 41-jährigen Bad Vilbelers. Klaus Lungershausen, der seine ersten sportlichen Erfolge noch als Radsportler ohne Handicap für seinen Heimatverein, die RSG Frankfurt, einfahren konnte, habe sich auch von einer 1995 bei einem Sturz in einem Bundesligarennen im Harz erlittenen schweren Verletzung mit bleibenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht unterkriegen lassen.
„Diese hinderten ihn nicht daran, wieder aktiv in den Radrennsport zurückzukehren. Diesmal im Behindertensport, und das mit eindrucksvollen Erfolgen“, unterstrich Linsenhoff. Bereits 1998 wurde Lungershausen erstmals Weltmeister im Einzelzeitfahren und Vize-Weltmeister im Straßenrennen. Zwei weitere Weltmeistertitel 2005 und 2007, insgesamt vier Europameistertitel sowie zahlreiche weitere Medaillen sollten folgen. Drei Teilnahmen bei Paralympics mit drei Silbermedaillen machen den sympathischen Bad Vilbeler zu einem der erfolgreichsten Behindertensportler Hessens.
„Und vor wenigen Tagen gewann Klaus Lungershausen seine letzte internationale Medaille. Bei den Weltmeisterschaften in Italien konnte er Bronze im Einzelzeitfahren gewinnen“, so Ann-Kathrin Linsenhoff. Weitere Erfolge will der zweifache Vater in Kürze „einfahren“. Anfang November nämlich steht Bahn-WM an. In Wiesbaden durfte sich Klaus Lungershausen schon jetzt über die Auszeichnung und einen Scheck in Höhe von 1.000 Euro freuen.
„Die Mannschaft des Jahres kommt ja aus einer Sportart, die mir als Basketballer besonders am Herzen liegt“, freute sich Hessen Sportminister Volker Bouffier besonders über die ehrenvolle Aufgabe, an diesem besondern Abend die Laudatio auf die „Mannschaft des Jahres“ halten zu können. Denn diesen Titel hatte die Jury den Rollstuhlbasektballern des Rollstuhl-Sport-Vereins Lahn-Dill zugesprochen.
„Die Mannschaft ist zweifellos eine der erfolgreichsten hessischen Mannschaften überhaupt, sowohl nationale wie international, ohne dabei die verdiente Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu genießen“, so Bouffier. Bislang stehen sechs deutsche Pokalsiege, der letzte wurde in diesem in souverän gewonnen, sechs Deutsche Meistertitel, davon in den Jahren 2004 bis 2008 fünfmal in Folge, der Gewinn des europäischen WBC-Cups (vergleichbar mit den Fußball UEFA-Cup) 2002 und drei aufeinanderfolgende Titel in der europäischen Champions League (2004 bis 2006) bei der Mannschaft aus Mittelhessen zu Buche.
„Und nicht zuletzt stellen Spielerinnen und Spieler der zu ehrenden Mannschaft den Kern der deutschen Nationalmannschaft. Die ist in diesem Jahr Europameister geworden“, so der Sportminister, der damit noch einmal das Votum der Jury für die Rollstuhlbasketballer eindrucksvoll untermauerte. Die Trophäe überreichte er in Wiesbaden an RSV-Manager Sven Köppe, der die Auszeichnung und den Scheck für die Vereinskasse über 1.000 Euro stellvertretend entgegennahm.
Neu auf der Bühne des Wiesbadener Kurhauses ist der diesjährige „Sportler des Jahres“. Unter dem Beifall der Ballgäste rief Eberhard Gienger, ehemaliger Reckweltmeister und Vizepräsident Leistungssport des Deutschen Olympischen Sportbundes, Jack Culcay-Keth auf das Podium im Friedrich-von-Thiersch-Saal.
Der Sportler des Jahres 2009 wurde in Ecuador als Sohn eines Einheimischen und einer deutschen Mutter geboren und kam als Fünfjähriger nach Deutschland. Als 12-jähriger stand er im Boxcamp seines Vaters in Darmstadt das erste Mal im Ring und schaffte 2007 seinen Durchbruch, als er im Chemiepokal, einem international hochkarätig besetztem Turnier, erst im Finale verlor.
„Diese Leistung brachte ihm eine Nominierung zu den Weltmeisterschaften im gleichen Jahr ein. Dort konnte Jack Culcay-Keth immerhin bis ins Viertelfinale vordringen. Und er wurde im gleichen Jahr erstmals Deutscher Meister“, verdeutlichte Eberhard Gienger die Leistungen des Modellathleten. Silber gab’s bei der EM dann im vergangen Jahr.
„Im wahrsten Sinne des Wortes durchgeboxt hat er sich unser Sportler des Jahres aber vor wenigen Tagen. Bei den Amateurbox-Weltmeisterschaften in Mailand schaffte er den Sprung zu Gold“, so Gienger. Mit 7:4 Punkten setzte sich Jack Culcay-Keth im Finale gegen den Russen Samkowoj durch und wurde Weltmeister im Weltergewicht. Auf der Wiesbadener Bühne gab es für den Darmstädter Boxer jetzt als Zugabe die Auszeichnung und ebenfalls einen Scheck über 1.000 Euro.
„Die Erfolge seiner Sportler wie Pascal Behrenbruch, Jan-Felix Knobel aber auch der neuen Newcomerin des Jahres, Carolin Schäfer und zuletzt auch Steffen Klink, die sowohl national als auch international Titel und Medaillen gesammelt haben, bewiesen eindrucksvoll, dass er ein anerkannter Fachmann ist, der weiß, wie er sein Wissen weitergeben muss“ umschrieb Hessen Finanzminister Karl-Heinz Weimar die Talente des Mannes, den die Jury zum „Trainer des Jahres“ gewählt hat: Jörg Graf.
„Der Preis geht an einen Mann, der seine Trainertätigkeit nicht als Beruf, sondern als Berufung verstanden hat“, so Laudator Weimar weiter. Dabei sei der stets bescheiden im Hintergrund auftretende diplomierte Sportlehrer erst über den Umweg einer Lehre als Rinderzüchter zum Trainerberuf gekommen. Nach der Ausbildung an der Deutschen Hochschule für Körperkultur Leipzig war der SC DHfK Leipzig seine erste Trainerstation. Dort trainierte er Leichtathleten sowohl im Nachwuchs- wie auch im Spitzenbereich.
Nach der politischen Wende 1990 wurde Jörg Graf Landestrainer beim Leichtathletik-Verband Sachsen, 1997 Trainer am Olympiastützpunkt Leipzig. Von 1991 bis 1997 war er außerdem nebenamtlicher Trainer im Deutschen Leichtathletik-Verband und für die Nachwuchsentwicklung im Siebenkampf verantwortlich.
Seit Mai 2001 ist der neue Trainer des Jahres beim Hessischen Leichtathletik-Verband tätig. Jörg Graf zeichnet dort als Landestrainer für den Bereich Mehrkampf verantwortlich. Auch für Jörg Graf ist die Auszeichnung mit einem Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro verbunden.
Ein besonderer Laudator wartete bei der Ballnacht auf Hessens „Sportlerin des Jahres“, Ariane Friedrich. Ihr langjähriger Coach und väterlicher Freund Günter Eisinger übernahm die freudige Aufgabe, seinen Schützling vorzustellen, der im thüringischen Nordhausen, „am 10. Januar 1984 um 10.55 Uhr das Licht der Welt erblickte.“ Mit dem zweiten Platz bei den Deutschen U18-Meisterschaften begann 2001 die eindrucksvolle Karriere der Athletin, die ihren ersten internationalen Titel 2003 bei den Jugend-Europameisterschaften gewann.
„Richtig hoch hinaus ging es für Ariane am 26. Januar 2008. Zum ersten Mal in ihrer Karriere konnte sie die in ihrer Disziplin magische Schallmauer von 2,00m überspringen“, so Eisinger. 25 weitere Sprünge mit 2,00m oder höher sollten seit dem folgen.
2009 ist bislang mit Sicherheit das erfolgreichste Jahr für die 1,79m große und 57kg schwere Polizeikommissaranwärterin bei der hessischen Polizei. Nach Gold bei den Hallen-Europameisterschaften, einem neuen Deutschen Rekord mit 2,06 beim ISTAF-Leichtathletik-Meeting in Berlin beendete sie die Saison schließlich mit dem Gewinn der Bronzemedaille bei den Weltmeisterschaften in Berlin. Von Günter Eisinger gab’s dafür am Ende der Preisverleihung die auch für Ariane Friedrich neue Trophäe und einen Scheck über 1.000 Euro.
Langanhaltender Applaus des Publikums machte in Wiesbaden deutlich – die Jury hatte die richtige Wahl getroffen.
Zum Foto:
Hessens Sportlerinnen und Sportler des Jahres, zusammen mit den Laudatoren. V.l.n.r. Thomas von Stenglin, Trainer Jörg Graf, RSV-Manager Sven Köppe, Sportminister Volker Bouffier, Ariane Friedrich, Finanzminister Karl-Heinz Weimar, Jack Culcay-Keth, Carolin Schäfer, Klaus Lungershausen, Ann-Kathrin Linsenhoff, lsb h-Präsident Dr. Rolf Müller, Eberhard Gienger, Petra Behle und Günter Eisinger.