Landessportbund

11.09.09

Casseler Frauen-Ruderverein, Turnverein 1890 e.V. Breckenheim, TV Waldgirmes und SV 1919 Zeilsheim e.V. ausgezeichnet:

ODDSET-Preis für Ideen auf dem Weg in die Zukunft

Mit dem von LOTTO Hessen gestifteten und gemeinsam mit dem Landessportbund Hessen ausgeschriebenen ODDSET-Zukunftspreis des hessischen Sports sind jetzt im Kloster Eberbach in Eltville der Casseler Frauen-Ruderverein (Kassel), der Turnverein 1890 e.V. Breckenheim (Wiesbaden), der TV Waldgirmes (Lahnau) und der SV 1919 Zeilsheim e.V. (Frankfurt am Main) als Hauptpreisträger ausgezeichnet worden. Anerkennungbeträge aus dem mit insgesamt 20.000 Euro dotierten Preis gingen an die Vereine „FIPS e.V“ Förderung in Psychomotorik (Wiesbaden), den Rugby Klub Heusenstamm 1979 e.V., den SV 1926 Calbach e.V. (Büdingen), den TuS Dotzheim 1848 e.V. (Wiesbaden) und die Versehrten-Sportgemeinschaft Maintal e.V.

Die bundesweit einzigartige Auszeichnung wird für zukunftsweisende Projekte, Konzepte und Initiativen im Vereinssport vergeben. Die Preise wurden gemeinsam von Boris Rhein, Staatssekretär im Hessischen Ministerium des Innern und für Sport, LOTTO-Geschäftsführer Dr. Heinz-Georg Sundermann und dem Präsidenten des Landessportbundes Hessen, Dr. Rolf Müller, überreicht. Das Engagement zur Integration seelisch und psychisch kranker Menschen in das Sportgeschehen, eine besondere Kooperation zwischen Schule und Sportverein, ein Jugendförderprojekt im Bereich Volleyball mit ganzheitlichem Ansatz und die Implementierung eines ehrenamtlichen „Ausländerbeauftragten“ in einen Sportverein, hatten im Vorfeld die Jury unter Vorsitz des Bundesforschungsministers a. D., Prof. Dr. Heinz Riesenhuber, überzeugt. Insgesamt waren 39 Bewerbungen eingegangen.

„Der Oddset-Zukunftspreis des hessischen Sports ist nicht nur etwas ganz Besonderes, er ist in ganz Deutschland etwas Einmaliges. Ich bin mir sicher, dass die Aktionen der Preisträger Vorbildfunktion haben und vielen anderen Vereinen Anlass zur Nachahmung geben werden. Deshalb werden wir den Oddset-Zukunftspreis auch in Zukunft unterstützen“, kommentierte Dr. Heinz-Georg Sundermann, Geschäftsführer der Lotterie-Treuhandgesellschaft Hessen, das Engagement für den organisierten Sport.
Engagement, und das macht der Staatsekretär im Ministerium des Innern und für Sport, Boris Rhein, deutlich, das sinnvoll und wichtig ist. Gerade in Zeiten schwieriger Rahmenbedingungen sei die Gesellschaft auf den Sport angewiesen. Der Sport müsse weiter zum „Integrationsmotor der Gesellschaft ausgebaut werden“, müsse sich weiter Fragen der Demografie stellen und sich auf die Zusammenarbeit mit den Schulen konzentrieren. Das alles falle mit Partner viel leichter. Lotto Hessen dankte der Staatssekretär „für das großartige Bekenntnis zum Sport“.
Ein Dank, in der auch Dr. Rolf Müller, Präsident des Landessportbundes Hessen einstimmte. Hessens Sportvereine, und das zeigten die Initiativen der Preisträger, leisteten tagtäglich großartige Arbeit. „Ohne den organisierten Sport wäre unsere Gesellschaft ein ganzes Stück ärmer. Müller: Es ist schön, dass wir Dank der Hilfe von Freunden wie Lotto Hessen diese gute Arbeit besonders anerkennen und als nachahmenswertes Beispiel herausstellen können“.


DIE PREISTRÄGER


Casseler Frauen-Ruderverein e.V. (7.000 Euro Preisgeld)

INTEGRATION MIT SPASSFAKTOR
Ein Projekt, das auf seelisch und psychisch Kranke zugeschnitten ist und die therapeutische Arbeit sinnvoll ergänzt, hat der Casseler Frauen-Ruderverein e.V ins Leben gerufen. Unter dem Motto „Wir sitzen alle in einem Boot“ lernen insgesamt 20 Bewohnerinnen und Bewohner der Werkstätten Fuldabrück (Baunatal) das Rudern. Über den breitensportlichen Spaßeffekt hinaus, geht es dabei vor allem auch um die Erfahrung gemeinsamer Stärke und gegenseitigen Vertrauens zu Wasser und zu Lande. Denn ein Ruderboot muss nicht nur mit vereinten Kräften und in technischem Einklang bewegt werden, sondern auch wieder gereinigt und auf den Bootswagen zurückgelegt werden.
Die Gruppe kommt einmal pro Woche für zwei Stunden zusammen. In der kalten Jahreszeit wird der Kontakt mit lockeren Zusammenkünften verschiedenartigen Inhalts aufrechterhalten. Die Palette der Aktivitäten reicht dann von Museumsbesuchen über gemeinsame Wanderausflüge bis hin zu ausgefallenen Erlebnistagen wie etwa der Besuch beim Hessischen Rundfunk.
Der Erfolg stellte sich schnell ein: Menschen, die große Schwierigkeiten und Ängste im Zusammensein mit anderen haben, gaben in der Rudergruppe ihre anfängliche Distanz auf, reichen zur Begrüßung inzwischen die Hand und erzählen mitunter sogar ihre Krankengeschichte.
Das Engagement der Vereinsmitglieder wurde mit 7.000 Euro belohnt.


Turnverein 1890 e.V. Breckenheim (5.000 Euro Preisgeld)

WIR MACHEN DAS
Eine neue Form der Kooperation Schulen und Sportvereinen hat der TV Breckenheim ins Leben gerufen. Als die bislang vom Sportreferat des staatlichen Schulamtes organisierten Sportwettkämpfe der Wiesbadener Grundschulen wegen Personalmangels von sieben auf vier Veranstaltungen reduziert werden sollten, ist der TV 1890 e.V. Breckenheim als Mitorganisator eingesprungen. So übernahm der Verein - mit Unterstützung einer federführenden Schule – die Durchführung des Ballspielfestes (Handball), des Hallenspielfests (Tur-nen/Gymnastik), des Mädchenfußballturniers und des Orientierungslaufs. Gemeinsam mit der Grundschule Breckenheim wurde ein Aktionsteam gebildet, wobei der Verein die vier Veranstaltungen organisierte.
Der Erfolg konnte sich sehen lassen - bei allen vier Stadtentscheiden wurden neue Teilnehmerrekorde erzielt. Besonders deutlich war der Aufschwung beim Hallenspielfest, wo gegenüber dem Vorjahr eine hundertprozentige Steigerung von 82 auf 161 Kinder verzeichnet wurde.
Der TV 1890 e.V. Breckenheim sieht diesen Erfolg als eine Bestätigung für die Richtigkeit seiner Entscheidung zur Übernahme der Organisation der Schulsportwettkämpfe an. Die Vereinsmitglieder wollen die Wettkämpfe auch im kommenden Jahr organisieren.


 
TV 05 Waldgirmes e.V. (3.000 Euro Preisgeld)

SpErBer-komMt
Hinter dem Greifvogel-Motto SpErBer-komMt steht ein Volleyballförderprojekt für Schüler der vierten bis sechsten Klassen. Dabei handelt es sich um eine vereinsübergreifende Schulkooperation, mit der der TV 05 Waldgirmes Nachwuchsmangel im Volleyball behebt und be-sonders begabte Kinder an den Leistungssport heranführt. Dazu wurde ein ganzheitlich ausgerichtetes Erziehungs- und Betreuungskonzept entwickelt, das neben sportspezifischen Komponenten auch Hilfestellungen im täglichen Leben beinhaltet. 
Auslösend für die Projektplanung von „SpErBer-komMt“ war beim TV 05 Waldgrimes e.V. ein eklatanter Nachwuchsmangel, der die Jugendarbeit des Volleyball-Regionalligisten beinahe zum Erliegen brachte. Der Abteilungsleitung ging es darum, dieser Negativentwicklung mit einem zeitgemäßen Förderprogramm zu begegnen, das  Breiten- und Leistungssport mit den Erfordernissen des G8-Schulsystems konzeptionell verknüpft. Die vereinsunabhängige Stärkung der Sportart Volleyball in der Region war ein weiteres Anliegen.      
Das organisatorisch mit weiteren Vereinen im Raum Gießen/Wetzlar, dem Hessischen Volleyball-Verband (HVV) und dem Schulsportzentrum Wetzlar vernetzte Projekt wartet nicht auf den Nachwuchs, sondern geht auf ihn zu. Binnen eines knappen Jahres wurden in 20 Schulen und mit rund 3000 Kindern lockere Spielfeste mit integrierter Talentsichtung veranstaltet - drei Fördergruppen sind daraus bisher hervorgegangen. Das betreuende Kompetenzteam von „SpErBer-komMt“ besteht aus Vereinsvorständen, Lehrern, Trainern und Sportstudenten. Eine langfristige Einbindung der Schüler in die Jugendarbeit der involvierten Vereine ist vorgesehen.             
Doch das Leben besteht nicht nur aus Volleyball. Deshalb ist das Jugendförderprojekt des TV 05 Waldgrimes e.V. breiter gestrickt und erfasst auch außersportliche Lebenslagen. Schulischer Nachhilfeunterricht wird genauso geboten, wie Hilfe zur Selbsthilfe während Pubertät und Adoleszenz: Suchtprävention, das Erlernen von Konfliktbewältigungsstrategien und - perspektivisch - eine Berufseinstiegs-Unterstützung werden mitgedacht und sind Teil des Konzepts. Und sollte ein Kind zu einer anderen Sportart neigen, so werden die nötigen Kontakte hergestellt.



SONDERPPREIS für SV 1919 Zeilsheim e.V. (2.000 Euro Preisgeld)

Integration sichert den Nachwuchs
Die Förderung des Nachwuchssports ist seit vielen Jahrzehnten ein zentrales Anliegen des SV 1919 Zeilsheim. Angesiedelt in einem Stadtteil mit hohem Zuwanderanteil, ist dabei die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund ein wichtiger und unverzichtbarer Teilaspekt der Vereinsarbeit.
Die Zukunftsperspektive eines Sportvereins steht und fällt heutzutage auch mit seiner Fähigkeit, aus dem Kreis der zugewanderten Bevölkerungsgruppen neue Mitglieder zu gewinnen. Dies gelingt umso besser, wenn Menschen mit Migrationshintergrund im organisierten Sport Verantwortung tragen und zwischen Verein und Herkunftsgemeinde vermitteln. Der SV 1919 Zeilsheim e.V. in Frankfurt am Main hat deshalb einen „Ausländerbeauftragten“ berufen.    
Der nimmt in dem Zweispartenverein (Fußball/Tischtennis) mit seinen 400 Mitgliedern als „direkter Ansprechpartner“ eine Brückenfunktion ein und erreicht vor allem auch die im Stadtteil ansässige, muslimisch geprägte Bevölkerungsgruppe persönlich. Seit Jahresbeginn 2009 „im Amt“, hilft der zweifache Familienvater Catanan Sahin mit türkischen Wurzeln bei sport-spezifischen Alltagsproblemen und der Überwindung von Sprachbarrieren. So erklärt er anderen Eltern beispielsweise, wie es sich mit dem Beitragseinzug oder mit ärztlichen Attesten verhält und steht für persönliche Fragen aller Art zur Verfügung. Neuerdings existiert sogar eine Beitrittserklärung in türkischer Sprache.



ANERKENNUNGSPREISE in Höhe von je 500 Euro gab es für folgende Vereine:


FIPS e.V. Förderung in Psychomotorik:
FIPS macht Schule – Selbstvertrauen durch Sport für benachteiligte Kinder:
In Kooperation mit der Albert-Schweitzer Schule in Wiesbaden-Kostheim, einer Förderschule mit Schwerpunkt auf Lernhilfe für Erst- bis Neuntklässler, können Schüler mit Bewegungsauffälligkeiten, Entwicklungsverzögerungen, Lernstörungen oder schwierigem Sozialverhalten einmal pro Woche an einer extra organisierten Sportstunde teilnehmen.

Offenbacher Ruderverein, Abteilung Hockey: Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund:
An drei Offenbacher Schulen im sozialen Brennpunkt wird Hockey-Unterricht im Rahmen der Sportstunden sowie in AG´s im freiwilligen Bereich des Schulangebotes angeboten (Ansprache an ca. 85 Jugendliche). An drei weitern Schulen wird im Rahmen von Projektwochen Hockey vermittelt (ca. 400 Schüler). Zusätzlich werden von 19 ausgebildeten Übungsleitern und 2 FSJlern  Aktivitäten wie Mitternachtshockey, Feriencamps, Spielfeste und weitere Frei-zeitaktivitäten organisiert.

Rugby-Klub Heusenstamm 1979 e.V.:
Wir schaffen „Raum“
Sebastian Hartmann und Maximilian Pietek (zwei Bundesligaspieler des RugbyKlubs), führten ein Projekt durch, bei dem sie den Rugbysport im Rahmen der Sportstunde insgesamt 700 Kindern in verschiedenen Kindergärten und Grundschulen bis zur Klasse 8. vorstellten. Dadurch animiert, nahmen ca. 65 Jungen und Mädchen an einem ersten Sichtungsturnier teil.

SV 1926 Calbach e.V.: Brot und Spiele
Der Verein kooperiert mit der Arbeiterwohlfahrt-Jugendarbeit und veranstaltet jeden Freitag nach der Schule eine Nachmittags-Aktion. Dort bekommen die Kinder und Jugendlichen nicht nur kostenloses Essen von der örtlichen Tafel, sondern auch schulische Nachhilfe. Dies wird von Vereinsmitgliedern und pädagogischen Fachkräften mit gestaltet. Danach wird gemeinsam Fußball gespielt, auch gegen andere Vereine.

Versehrten-Sportgemeinschaft Maintal e.V..: Bewegung, Sport und Spiel für Personen mit stark eingeschränkter Mobilität:
Speziell für Menschen, die altersbedingt nicht mehr an einem normalen Sport–Übungsbetrieb teilnehmen konnten oder nach einer OP noch nicht gesund genug für die übliche Reha sind, wurde ein den Vorraussetzungen der Teilnehmer entsprechendes Sportkonzept erarbeitet. Da die Gruppen maximal aus 15 Teilnehmern bestehen, können die ausgebildeten und qualifizierten Trainer sich individuell um jeden einzelnen kümmern.

TuS Dotzheim 1848 e.V. „Budo-Turnen“: Mit SICHERHEIT Bewegung für Kinder realisieren
Angesichts zahlreicher Anfragen von Eltern nach Trainingsangeboten für Gewaltprävention, Selbstbehauptung und Selbstverteidigung für jüngere Kinder im Vorschulalter und dem Wissen um die erschreckende Bilanz, dass sich die motorischen Fähigkeiten deutscher Kinder aktuell drastisch verschlechtern, entstand die Idee für das Projekt. Dabei wurde für die Kinder im Alter von 4-6 Jahren ein Konzept, bestehend aus 5 Modulen, erarbeitet. 1.Modul: Koordination und Beweglichkeit. 2.Modul: Wahrnehmung und Entspannung. 3.Modul: Raufen/Spielen nach Regeln. 4.Modul: Gewaltprävention/ Selbstbehauptung. 5.Modul: Budo –Grundlagen/Selbstverteidigung.






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