Landessportbund

25.04.10

Landessportbund Hessen zeichnet Engagement für Frauen im Sport aus

Lu-Röder-Preis für Ursula Gratzfeld und Reinhild Vogt

Ein Novum in der Geschichte des „Lu-Röder-Preises“ – mit Ursula (Ursel) Gratzfeld, der Landesfachwartin für Senioren und Ältere im Hessischen Turnverband, und Reinhild Vogt, der Gleichstellungsbeauftragten des Sportkreises Fulda-Eder, zeichnete der Landessportbund Hessen (lsb h) erstmals zwei Frauen gleichzeitig aus.

„Wer einen Blick auf das Engagement der beiden im Hinblick auf die Unterstützung von Frauen und Mädchen im Sport wirft, muss feststellen, dass an dieser Entscheidung kein Weg vorbeiführen konnte“, so lsb h-Vizepräsident Rolf Hocke bei der Übergabe des Preises in Grünberg. Der Landesausschuss Frauen im Sport (LaFiS) habe dem Präsidium diesen Vorschlag unterbreitet, das diesem bereitwillig gefolgt sei, unterstrich Rolf Hocke, der zusammen mit der Vorsitzenden des LaFiS, Beate Schmidt, den Preis überreichte.

Der Lu-Röder-Preis wurde in Grünberg bereits zum 22. Mal vergeben. Er zählt bundesweit zu den wenigen Auszeichnungen, mit der Frauen gewürdigt werden, die sich in engagierter Art und Weise für die Belange von Frauen im Sport einsetzen und die das Verständnis für die besondere Situation der Frau im Sport und die Notwendigkeit einer partnerschaftlichen Entwicklung in der Sportorganisation durch ihren besonderen Einsatz in der Verbands- oder Vereinsführung fördern. Das Ursula Gratzfeld und Reinhild Vogt diese Vorgaben in beispielhafter Art und Weise in ihrer Arbeit vor Ort umsetzen, wurde bei der Ehrung mehr als deutlich.

„Ich ziehe meine Kraft aus der Basis“, umschrieb Ursel Gratzfeld die fruchtbare Wechselbeziehung zwischen ihrem jahrzehntelangen Engagement im Sport und dem, was sie dadurch auch selbst an Positivem erfahren durfte. 1944 in Bad Homburg geboren, kam die ausgebildete Fachlehrerin für Sport und Hauswirtschaft über den Reitsport – „da hing mein Herz dran“ – nach ihrer Heirat und der Geburt ihrer beiden Kinder bereits 1974 zum Turnen. Seither ist der TSV Butzbach sportliche Heimat für eine Frau, die sich bereits seit mehr als zehn Jahren als Abteilungsleiterin der Turnabteilung (1.000 Mitglieder) im Gesamtvorstand des Vereins für die Belange der Mädchen und Frauen stark macht. Das gilt für die adäquate Bezahlung „ihrer“ Übungsleiterinnen ebenso wie für die Bereitstellung attraktiver Hallenzeiten, „damit die Mädchen nicht erst nach 22 Uhr im Dunkeln aus dem Training nach Hause müssen“. „Denn“, so Gratzfeld, „die Turnabteilung hat überwiegend weibliche Mitglieder.“

Das besondere Augenmerk Ursel Gratzfeld’s gehört jedoch dem Sport für Ältere. So ist sie seit 1988 Fachwartin für Ältere und Turnerinnen und Turner im Turngau Wetterau-Vogelsberg wie auch seit 1996 in gleicher Funktion Landesfachwartin im Hessischen Turnverband. Und in enger Zusammenarbeit mit dem Sportkreis Wetterau zeichnet sie zusammen mit dem Seniorenbeauftragten des Sportkreises seit jetzt 12 Jahren für den Aktionstag „Seniorensport“ mitverantwortlich.

Im TSV gehört Gratzfeld zu den Initiatorinnen der Turngruppe „Frauen 50 plus“ und ist nach Übernahme der im TSV fast schon legendären „Donnerstags(Frauen)gruppe“ vor 25 Jahren noch immer deren treibende Kraft. Zeitgemäße Bewegungsangebote sind dabei das eine. Wichtig ist für Ursel Gratzfeld aber vor allem das „danach“, die soziale Komponente des Sports. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Frauen ein Zuhause brauchen. Das können wir ihnen gerade im Verein bieten.“ Gespräche, der Austausch von Erfahrungen und das Wissen, in der Gruppe aufgehoben zu sein, sind für sie dabei enorm wichtig.

„Flagge“ für Frauen und Mädchen im Sport zeigt auch Reinhild Vogt. Die neue Lu-Röder-Preisträgerin ist die Gleichstellungsbeauftragte des Sportkreises Fulda-Eder. Und hat dabei die volle Unterstützung ihrer männlichen Kollegen aus dem Sportkreisvorstand. Die frühere technische Beamtin, 1948 in Melsungen geboren, ist in dieser Funktion Mitglied der Kommission für die gesellschaftliche Gleichstellung der Frauen im Schwalm-Eder-Kreis. Bereits vor dem Zusammenschluss der Sportkreise Melsungen und Fritzlar-Homberg war Vogt Frauenbeauftragte des Sportkreises Melsungen und lange Jahre stellvertretende Sportkreis-Vorsitzende.

Schon zu dieser Zeit erkannte Reinhild Vogt die Notwendigkeit, Frauen für die Mitarbeit in Vereinsvorständen zu qualifizieren. Zahlreiche Workshops wurden dazu von ihr initiiert.

Über ihren Mann kam Vogt zum Schießsport. Und hat auch dort im Laufe der Jahrzehnte Spuren hinterlassen. Seit 1982 ist sie ehrenamtlich für die Schützen engagiert, auf Vereins-, Kreis- und Verbandsebene. Bei der Ehrung in Grünberg wurde deutlich, dass ihr Einsatz auch im Bereich des Schützensports zwischenzeitlich vielen Frauen als Vorbild gedient hat, sich als Vorsitzende und Vorstandsmitglieder in den Schützenvereinen und Schützenkreisen zu engagieren.

Als offizielle Vertreterin des Sports in der Gleichstellungskommission des Schwalm-Eder-Kreises versteht es Reinhild Vogt, die Belange und Sichtweisen des Sports in vielfältige Aufgabengebiete einzubringen. Auch im Frauenbündnis des Kreises arbeitet Vogt in engagierter Art und Weise mit und macht keinen Hehl daraus, dass sie beispielsweise in der Zusammenarbeit mit dem Frauenhaus Schwalm-Eder in Homberg von den Schicksalen der dort lebenden Frauen sehr betroffen war.

„Diese Erfahrungen haben mich in meinem Engagement nur bestärkt“, unterstreicht Reinhild Vogt, die auch zu den Mitinitiatorinnen des Melsunger Stadtlaufs gegen Gewalt gehört. „Damit wollen wir auf die Situation von Frauen aufmerksam machen, die von häuslicher Gewalt bedroht sind“, verdeutlicht Vogt.

Und weist darauf hin, dass gerade über den Sport und die in den Vereinen organisierten Menschen ein großes Potential vorhanden sei, dieses Thema auch ins kleinste Dorf zu transportieren. Damit könne den Betroffenen signalisiert werden, dass sie nicht alleine sind. „Gerade der Sport steht doch für Freude, Fairness und Toleranz. Und täglich wird in den Vereinen soziales Verhalten vorgelebt und trainiert.“

Das die beiden neuen Lu-Röder-Preisträgerinnen bereits Pläne in den Schubladen haben, wie sie ihr damit verbundenes Preisgeld im Sinne ihrer Arbeit wirkungsvoll einsetzen wollen, versteht sich bei diesem Engagement nahezu von selbst. So plant Reinhild Vogt, ihren Teil in die Arbeit des Homberger Frauenhauses zu investieren. „Um den Frauen dort längerfristig ein wöchentliches Sportangebot machen zu können. Damit sie durch den Sport gestärkt werden und neues Selbstbewusstsein entwickeln.“

Und Ursel Gratzfeld? Sie hat die Idee eines „Tages der Frauen“ in Butzbach. „Es wäre toll, wenn es gelänge, Frauen aller in Butzbach lebenden Nationalitäten über den Sport zusammenzubringen und so ein Zeichen für die Integrationskraft des Sports setzen zu können.“ Aber das müsse sie erstmal noch absprechen. Mit dem Bürgermeister. Der hob in Grünberg den Daumen und signalisierte spontane Zustimmung.

 

 

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Lu-Röder-Preisträgerin Ursel Gratzfeld (r.) mit der Vorsitzenden des Landesausschusses Frauen im Sport, Beate Schmidt (l.) und lsb h-Vizepräsident Rolf Hocke. Foto: lsb h/Werner Hinz

 

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Lu-Röder-Preisträgerin Reinhild Vogt (r.) mit der Vorsitzenden des Landesausschusses Frauen im Sport, Beate Schmidt (l.) und lsb h-Vizepräsident Rolf Hocke. Foto: lsb h/Werner Hinz


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