Landessportbund Hessen zeichnet acht Sportvereine aus
Heinz-Lindner-Preis 2009 für herausragendes breitensportliches Engagement
Zum 31. Mal hat der Landessportbund Hessen (lsb h) heute den Heinz-Lindner-Preis vergeben. Zu den acht ausgezeichneten Sportvereinen gehört der Rückhand Roßdorf Tennisclub (Sportkreis Darmstadt), der Verein Frauen in Bewegung, der Frankfurter Ruderverein von 1865, die Turngemeinde Bornheim 1860 (alle Sportkreis Frankfurt), der Budo Club Mühlheim, die Turngesellschaft 1897 Hausen (beide Sportkreis Offenbach), der Turnverein 1897 Steinau (Sportkreis Schlüchtern) und der Turnverein 1843 Dillenburg (Sportkreis Dillenburg). Die Preise überreichten lsb h-Präsident Dr. Rolf Müller und lsb h-Vizepräsident Ralf-Rainer Klatt im Beisein von Innen- und Sportminister Volker Bouffier.
Mit insgesamt 10.000 Euro ist der Preis in diesem Jahr dotiert, den der lsb h im Andenken an seinen ersten Vorsitzenden, Heinz Lindner, vergibt. Er zählt zu den renommiertesten Preisen, die für außergewöhnliches breitensportliches Engagement von Sportvereinen vergeben wird. Insgesamt 47 hessische Vereine hatten in diesem Jahr ihre Bewerbungsunterlagen eingereicht.
„Die Preisträger zeugen erneut in beeindruckender Weise von der Innovationsbereitschaft und -kraft unserer Sportvereine in Hessen“, unterstrich Juryvorsitzender Ralf-Rainer Klatt bei der Verleihung, die zum ersten Mal im Rahmen der Sitzung des Hauptausschusses erfolgte. Das Engagement der Vereine sei Beleg für deren Bereitschaft, sich den stetig verändernden gesellschaftlichen Anforderungen zu stellen. Ob Initiativen im Bereich des Gesundheitssportes, der Mitgliedergewinnung oder der Integration nicht nur von Menschen mit Zuwandererbiografien, sondern auch von Menschen mit Behinderungen, zeuge von der Zukunftsfähigkeit der Sportvereine.
Klatt dankte in diesem Zusammenhang auch dem langjährigen Förderer des Heinz-Lindner-Preises, der Firma „Himmelseher Sportversicherungen weltweit“. Erwin Himmelseher und sein Sohn Dr. Volker Himmelseher stellen mit ihrem Unternehmen seit der ersten Preisverleihung die finanziellen Mittel für die Preisgelder zur Verfügung.
Bewerben um den Heinz-Lindner-Preis konnten sich die Vereine erneut in drei, nach Mitgliederzahlen gestaffelten, Gruppen. In der Gruppe eins, der Vereine bis 500 Mitglieder zugeordnet sind, erkannte die Jury den mit 2.000 Euro dotierten ersten Preis dem Rückhand Roßdorf Tennisclub zu.
Es sei dem Verein entgegen dem Trend nicht nur gelungen, seit 2007 seine Mitgliederzahl um rund 50 Prozent zu steigern. Auch die Tatsache, dass der TC durch lokale Netzwerke mit Kindergärten, Schulen und einem Behindertenzentrum Kinder dort abhole, wo sie sich täglich befinden und spielerisch an den Tennissport heranführe, fand die Anerkennung der Jury. „Dabei unterscheidet der Verein nicht nach sozialer Herkunft oder Leistungsvermögen, da er sowohl sozial benachteiligte Kinder als auch Behinderte durch eine qualitative Betreuung einbezieht“, so die Begründung.
Darüber hinaus gehört der Verein zu den ersten Tennisvereinen in Deutschland, die Cardio-Tennis anbieten, das neben dem wettkampforientierten Sport, ein gezieltes, spielerisches und gesundheitsorientiertes Herz-Kreislauf-Training beinhaltet.
Das Selbstbewusstsein von Frauen und Mädchen stärken und die Integration fördern will der Frankfurter Verein Frauen in Bewegung. Dabei sind Selbstverteidigung und Taekwondo die sportlichen Säulen des Sportvereins, die durch gesundheitsorientierte Sportangebote wie z. B. Rückenschule, Herzsportgruppen und Angebote mit dem Qualitätssiegel SPORT PRO GESUNDHEIT flankierend ergänzt werden. Der Verein hat sich darüber hinaus zur Aufgabe gemacht, an über 40 Grundschulen durch Gewaltpräventions- und Selbstverteidigungskurse zum einen das Selbstbewusstsein von jungen Mädchen zu fördern, aber auch das Konfliktpotential aggressiver Mädchen in geordnete Bahnen zu lenken.
Um es auch sozial schwächeren Familien möglich zu machen, die Angebote des Vereins wahrnehmen zu können, bietet der Verein einen gestaffelten Mitgliedsbeitrag. Die Bilanz der engagierten Arbeit dokumentiert sich in der Tatsache, dass ein Drittel der trainierenden Mädchen eine Zuwanderungsbiographie haben und der Anteil von Mädchen im Alter von sechs bis 16 Jahren verdoppelt werden konnte. Dafür erkannte die Jury dem Verein den zweiten Preis in dieser Vereinsgruppe zu. Damit verbunden ist ein Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro.
Den dritten Preis in dieser Kategorie erkannte die Jury gleich zwei Vereinen zu. Sie durften sich nicht nur über die Verleihung des Heinz-Lindner-Preises, sondern auch über jeweils 500 Euro freuen.
Beim Budo Club Mühlheim hat sich dessen Projekt „Judo der Behinderten“ mittlerweile zum Dauerbrenner entwickelt. Der Verein, der seit 1989 auch eine Behinderten- und Rehabilitationssportabteilung hat, bot als erster Verein in Hessen die Sportart Judo für Menschen mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung an. 40 Sportlerinnen und Sportler trainieren derzeit regelmäßig in dieser Gruppe. Die Kooperation mit Behinderteneinrichtungen wurde immer mehr ausgeweitet. So bieten qualifizierte Übungsleiter in den Werkstätten wöchentlich Präventivmaßnahmen am Arbeitsplatz wie auch Selbstverteidigungsmaßnahmen an. Sein soziales Engagement dokumentiert der Budo Club Mühlheim aber auch durch zahlreiche Gewaltpräventionsmaßnahmen in den umliegenden Schulen.
Neue Wege geht auch der Frankfurter Ruderverein von 1865. Nach der jahrelangen leistungsorientierten Ausrichtung des Rudersports mit zahlreichen Erfolgen ist der Verein heute breitensportlich ausgerichtet. Er hat sich dem Programm „Sport und Krebs“ angeschlossen und betreut genesende Krebspatienten. Kooperationen mit Schulen, Universität und Städelschule mit dem Thema „Kunst und Sport“ dokumentieren die Bereitschaft, auch bei der Mitgliedergewinnung neue Wege zu gehen. Ein Mitgliederzuwachs von rund 36 Prozent in den letzen drei Jahren ist der Lohn dieser Bemühungen.
„Gelebte Integration im Sportverein“ – so könnte man das Engagement der Turngesellschaft 1897 Hausen umschreiben. Seit vielen Jahren engagiert sich der Verein mit wachsendem Erfolg für integrative Vereinsarbeit. Die TGS wurde damit Projektpartner „Vereine aktiv für Integration“ des Landkreises Offenbach. Die Integrationsarbeit konzentriert sich dabei jedoch nicht nur auf Menschen mit Migrationshintergrund, sondern in der Radsportabteilung auch auf die Betreuung sehbehinderter und blinder Menschen.
Dafür gab es in Frankfurt den ersten Preis in der Gruppe der Vereine, die bis zu 1.500 Mitglieder haben. Verbunden ist die Vergabe des Heinz-Lindner-Preises auch in diesem Fall mit einem Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro.
Die TG Hausen bietet auf ihre vereinseigenen Anlage mit 74 Übungsleiterinnen und Übungsleitern mit 22 Sportarten eine große Palette breitensportlich ausgerichtete Angebote, um möglichst viele Mitbürger der Stadt Obertshausen zu erreichen. Dabei gibt es auch die Möglichkeit, Angebote kostenlos wahrzunehmen. Der Verein hat eine eigene Vereinsbewegungskampagne initiiert und versucht damit unter dem Motto „Wir bewegen Obertshausen“, eine breite Zielgruppe zu erreichen. So wurden u. a. fünf Rad- und Wanderstrecken rund um den Ort ausgearbeitet und dazu attraktive Broschüren erstellt.
Auch auf Platz zwei landete in dieser Vereinsgruppe ein Turnverein. Über die Auszeichnung und einen Scheck über 1.000 Euro durften sich bei der Preisverleihung die Verantwortlichen des Turnvereins 1897 Steinau freuen.
Neben dem wettkampforientierten Handballsport hat sich der TV Steinau aus dem Sportkreis Schlüchtern in seinen Abteilungen Turnen und Freizeitsport als besonderem Schwerpunkt der präventiven Bewegungs- und Gesundheitsförderung verschrieben. Vom Kleinkind bis zum Seniorenalter werden zahlreiche gesundheitsorientierte Maßnahmen mit dem zum Teil versehenen Qualitätssiegel SPORT PRO GESUNDHEIT angeboten. Damit liefert der Turnverein einen wertvollen Beitrag im regionalen Netzwerk Sport und Gesundheit des Main-Kinzig-Kreises.
Beispielhaft und nachahmenswert aus Sicht der Jury ist darüber hinaus das Projekt „Sport is(s)t Gesundheit“, das im Rahmen des Kinderturnclubs für Kinder im Vorschul- und Grundschulalter durchgeführt wurde. Dabei galt es insbesondere eine Lobby für die Kinder zu schaffen, die keine Chance erhalten, sportliche Spitzenleistungen zu erzielen. Mit den Schwerpunkten Bewegung, Wahrnehmen und Lernen unter Einbeziehung der Eltern und Nutzung eines lokalen Netzwerkes mit u. a. Kindergärten und Grundschulen, erleben Kinder in spielerischer Form die Zusammenhänge von Bewegung und Ernährung. Die Ergebnisse und Erfahrungen wurden in Rezept- und Spielesammlungen zusammengetragen. Das ehrgeizige und engagierte Projekt wurde mittlerweile über die hessischen Grenzen hinaus bekannt und wird sicherlich in die geplante Initiative des Hessischen Aktionsplanes „IN FORM – für mehr Bewegung, gesunde Ernährung und Stressbewältigung“ als eine beispielhafte Maßnahme Eingang finden.
In der Gruppe der Großvereine erkannte die lsb h-Jury der Turngemeinde Bornheim 1860 den mit 2.000 Euro verbundenen 1. Preis zu. Der zweite Preis und 1.000 Euro ging an den Turnverein 1843 Dillenburg.
Die Menschen im wahrsten Sinne in Bewegung bringt die Turngemeinde Bornheim 1860. Der Verein aus dem gleichnamigen Frankfurter Stadtteil ist mit mittlerweile ca. 18.000 breitensportorientierten Mitgliedern nicht nur der größte Sportverein Hessens, sondern auch der größte deutsche Turnverein.
„Die Bereitschaft, Traditionelles zu bewahren (Prellball, Volleyball, Tischtennis), gleichzeitig aber stetig Neues und Trendiges in das Programm aufzunehmen; dabei den Gesundheitsmarkt immer im Auge zu haben und die Wünsche der Menschen zu erkennen, ist der Erfolgsgarant dieser steilen Mitgliederentwicklung“, heißt es in der Begründung der Jury. Dabei hat der Verein, der vor 20 Jahren rund 2.300 Mitglieder hatte, stets auch die Kooperation mit umliegenden Schulen (25), Einrichtungen und Institutionen gesucht und damit ein riesiges lokales Netzwerk aufgebaut.
Rund 250 Übungsleiterinnen und Übungsleiter, über 100 Helfer und 12 hauptberufliche Mitarbeiter betreuen die Vereinsmitglieder. Die notwendigen räumlichen Voraussetzungen schufen die Vereinsverantwortlichen durch fortlaufende Baumaßnahmen (zwei Studios, Gesundheitszentrum) und die Übernahme der Betreuung eines städtischen Schwimmbades. Damit kann die Turngemeinde ihren Vereinsmitgliedern wöchentlich über 800 Übungsstunden anbieten. Beeindruckende Zahlen und ein Engagement, dass auch die Jury überzeugte.
Das „normale Vereinsangebot“, wie es ein Turnverein unter dem Begriff Eltern-Kind-Turnen oder Kleinkinderturnen kennt, wurde beim Zweitplatzierten dieser Gruppe, dem Turnverein 1843 Dillenburg, durch Angebote für die Zielgruppe Migranten und Übergewichtige neu definiert. Damit ist es dem Verein gelungen, in Kooperation mit der AWO und der Sportjugend Hessen Familien mit Migrationshintergrund für das Angebot im Verein zu begeistern. Und dank des eigens entwickelten Schulungsprogramms „OBELDICKS“, unterstützt durch Psychologen, Krankenkassen und Fachärzte, konnten nach einer einjährigen ambulanten Maßnahme bei übergewichtigen Kindern, in Zusammenarbeit mit deren Eltern, bereits erste Erfolge durch das Verhaltenstraining erzielt werden.
Damit die Vereinsverantwortlichen all ihren Aufgaben gerecht werden können, hat sich der Vorstand eine neue Geschäftsordnung gegeben. Sie delegiert sach- und themenbezogene Aufgaben an Ausschüsse und Arbeitskreise, die mit Fachleuten besetzt sind. Damit können neue Ideen schneller umgesetzt werden. Der Heinz-Lindner-Preis 2009 bringt dafür schon jetzt die verdiente Anerkennung.