Landessportbund zeichnet sieben Vereine mit Heinz-Lindner-Preis aus
10.000 Euro für breitensportliches Engagement
Mit insgesamt 10.000 Euro dotiert ist der Heinz-Lindner-Preis, den der Landessportbund Hessen jetzt zum 32. Mal an sieben hessische Sportvereine verliehen hat. Die Preisträger sind der TTC 1995 Messel e.V. (Sportkreis Darmstadt), Rock’n’Roll Club Jeunesse Offenbach e.V. (Sportkreis Offenbach), Turn- und Sportverein 1965 Vollnkirchen e.V. (Sportkreis Wetzlar), Frankfurter Volleyball Verein e.V. (Sportkreis Frankfurt), Wassersportverein Lampertheim 1929 e.V. (Sportkreis Bergstraße), Turnverein 1886 Okriftel am Main e.V. (Sportkreis Main-Taunus) und die Turngemeinde Rüdesheim 1847 e.V. (Sportkreis Rheingau). Der Preis wird alljährlich für herausragende breitensportliche Vereinsarbeit vergeben und erinnert an den ersten Vorsitzenden des Landessportbundes Hessen, Heinz Lindner. Preisstifter ist von Anbeginn des Wettbewerbs die Firma „Himmelseher Sportversicherungen weltweit“.
Der Preis als solcher wird in drei Gruppen (Vereine bis 500, Vereine bis 1.500 und Vereine über 1.500 Mitglieder) verliehen. Mit 48 Bewerbungen (28 in der Gruppe 1, 16 in der Gruppe 2 und vier in der Gruppe 3) verzeichnet der Landessportbund eine neue Rekordmarke in der Geschichte des Heinz-Lindner-Preises. Juryvorsitzender Ralf-Rainer Klatt, lsb h-Vizepräsident und für Breitensport und Sportentwicklung zuständig: „Wir freuen uns sehr über diesen Trend. Besonders positiv ist für uns die Tatsache, dass sich unsere Vereine so wichtige Themenfelder wie Sport und Gesundheit, Schule und Verein oder Integration zu eigen machen.“ Damit, so das Präsidiumsmitglied, belege der organisierte Sport eindrucksvoll seine wichtige Rolle in der Gesellschaft.
Klatt wörtlich: „Ohne das Engagement unserer Sportvereine und der ehrenamtlich Tätigen wäre unsere Gesellschaft ein wesentliches Stück ärmer. Sportvereine sind die größte integrative Kraft unseres Landes. Das Thema Gesundheit wird in keiner anderen Vereinigung so effektiv dargestellt, wie im Sport. Zudem ist der Sport alters- und klassenlos. All das bilden unsere Vereine jeden Tag auf´s Neue ab. Die Preisträger haben das in ganz besonderer Weise getan. Darauf sind wir stolz.“
Die Sieger der Gruppe 1 (Vereine bis 500 Mitglieder)
1. Preis: TTC 1955 Messel e.V. (Sportkreis Darmstadt)
JUGENDFÖRDERUNG DURCH KOOPERATION
Den Mitgliederschwund im Einsparten-Tischtennisverein hat der TTC 1955 Messel durch zahlreiche Maßnahmen seit 2005 gestoppt und die Mitgliederzahl um 60 Prozent erhöht. Dies geschah mittels Verbreiterung des Sportangebots durch den Ausbau des Gesundheitssportangebots und durch Integrationsarbeit.
Integrationsarbeit wird mittels diverser Projekte in und mit Schulen geleistet. Dabei erhielten auch die Lehrer eine Fortbildung, so dass eine Tischtennis AG ins Leben gerufen werden und in den Pausen Tischtennis gespielt werden konnte. Im Jahre 2010 fand die erste Tischtennis- Schulmeisterschaft in Messel statt. Für die ganz Kleinen wurde in Kooperation mit einer örtlichen Kita ein Projekt mit dem Trainingsschwerpunkt „Koordinationsfähigkeit“ gestartet.
Ein zweiter Schwerpunkt der Integrationsarbeit galt der Teilhabe von Behinderten in einer festen Gruppe. Hierzu wurde in Kooperation mit dem Hess. Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband ein speziell ausgebildeter Tischtennistrainer engagiert. Folgerichtig entstand eine Jugendordnung mit Jugendversammlung, die nun mehr die Interessen der Jugendlichen besser vertritt.
2. Preis: Rock’n’Roll Club Jeunesse Offenbach e.V. (Sportkreis Offenbach)
Kinder sind die Zukunft
Mit dem Projekt „Fit Kids – Toben und Turnen“ will der Rock’n’Roll Club Jeunesse Offenbach durch ein zusätzliches wöchentliches Sport- und Bewegungsangebot in der Grundschule Kinder auf eine altersgerechte und kreativitätsfördernde Art ansprechen. Dies geschieht durch neue und moderne Angebote wie z.B. Kinder-aerobic, Tae-Bo für Kinder, Videoclip-Dancing oder Zirkeltraining über Bewegungssimulationen eines Dschungelabenteuers. Um allen Kindern die Möglichkeit der Teilnahme einzuräumen, ist für die Kinder der kooperierenden Schule zwischen der 2. und 4. Klasse die Mitgliedschaft im Verein kostenfrei.
Mit dieser Maßnahme erreichte der Rock’n’Roll Club Jeunesse Offenbach ab 2009 im Bereich Kinder einen Mitgliederzuwachs von 85 Prozent.
3. Preis: Turn- und Sportverein 1965 Vollnkirchen e.V. (Sportkreis Wetzlar)
Das „gallische Dorf“ mit innovativer Vorstandsarbeit
Der Dorfverein mit dem Schwerpunkt Handball hat durch seine innovative Vorstandsarbeit und die Erweiterung des Angebots mit Themen der Gesundheitsförderung, Eltern-Kind-Turnen, Radfahrgruppen sowie vielfältigen Freizeitaktivitäten die Zukunft des Vereins gesichert.
Der von den Nachbarn liebevoll als „gallisches Dorf“ bezeichnete Verein hat bei 420 Einwohnern 470 Mitglieder! Weitere Besonderheit: 47 Prozent der Gesamtmitgliederschaft sind Mitglieder in den Altersgruppe 27-40 und 40-60 Jahre. Das ist ein deutlich höherer Organisationsgrad, als der Bundes- oder Landesdurchschnitt in Sportvereinen.
Weiterhin wurde der Vorstand auf 7 Personen verkleinert und die Scheu vor dem Ehrenamt durch die Schaffung von „Sonderbeauftragten“ mit zeitlich und inhaltlich begrenzten Aufgabengebieten genommen.
Die Sieger der Gruppe 2 (Vereine bis 1.500 Mitglieder)
1. Preis: Frankfurter Volleyball Verein e.V. (Sportkreis Frankfurt)
Für ein besseres Leben trotz HIV-Erkrankung
Der multikulturelle Frankfurter Volleyball Verein, ursprünglich als solcher gegründet, hat sich mit seinen mittlerweile 30 Sportarten zu einem breit aufgestellten Multisportverein mit stetig steigenden Mitgliederzahlen entwickelt. Sein Angebot findet in fast 40 Sportstätten mit bis zu 10 Bewegungsstunden pro Tag statt.
Als größter Schwulenverein in Europa setzt er sich gegen die Diskriminierung sexueller Orientierung insbesondere auch in Osteuropa ein. Gezielt bietet der Verein eine Sportgruppe für an HIV erkrankten Menschen an. Der Sport soll den Erkrankten u.a. helfen, die Chemotherapie besser zu verkraften.
Für das Training wird ein Mix aus medizinischem Wissen und Fitness-Kompetenzen angewendet. In der Kooperation mit der Aidshilfe Frankfurt wurde die Selbsthilfegruppe (AG 20+) für junge homosexuelle Männer gegründet, die an HIV erkrankt sind.
2. Preis: Wassersportverein Lampertheim 1929 e.V. (Sportkreis Bergstraße)
Durch Kooperationen Bestand gesichert
Zur Stabilisierung der rückläufigen Mitgliederzahlen hat der Wassersportverein Lampertheim seit 2010 durch zahlreiche Maßnahmen seine Mitgliederstatistik positiv steigern können. Der direkte Kontakt zum Kindergarten und den Schulen, die Qualifizierung eines Übungsleiters mit der P-Lizenz und dem organisierten Kurs mit Qualitätssiegel „Sport Pro Gesundheit“ sowie Ferienkurse und ein Familientag mit dem Naturschutzverein waren der Auslöser für die Erfolgsgeschichte des Vereins.
In Kooperation mit der evangelischen Kirche wurde ein Erlebnisgottesdienst mit Taufe eines Mitgliedes organisiert, der nun in regelmäßigen Abständen stattfinden soll.
Die Förderung des Ehrenamts erfolgt mittels bezahlter Fort- und Weiterbildungen. Ein besonders innovativer Ansatz zur Gewinnung von ehrenamtlichen Vorstandsmitarbeitern ist das „Vorstandsschnuppern“, bei dem sich die Interessierten die Vorstandsarbeit zunächst einmal anschauen können bevor sie sich fest für die Position entscheiden.
3. Preis: Turnverein 1886 Okriftel am Main e.V. (Sportkreis Main-Taunus)
Innovation bringt Mitglieder
Der Turnverein 1886 Okriftel am Main mit seinen zehn Abteilungen und über 40 Sportarten zeichnet sich besonders durch seine Aktivitäten zur Mitgliedergewinnung aus. Alle zwei Jahre findet eine Ladies Night für Frauen zwischen 17 und 75 Jahren statt, bei der im Zeitraum von 18 bis 24 Uhr alle 25 Minuten eine neue Sportart, speziell für Frauen ausgesucht, ausprobiert werden kann. Neben Sport werden auch Massagen und Snacks angeboten.
Weiterhin versucht der Verein stetig neue Trends aufzugreifen und diese Sportarten in das Programm aufzunehmen. Aktuell bietet er Schnupperkurse wie Aroha, Drums alive und Kick und Box dich fit an. Bei entsprechender Resonanz entstehen daraus neue Dauerangebote.
Auch ein Wochenende der offenen Tür, bei dem jede Menge Mitmachangebote präsentiert werden, darf nicht fehlen. Konsequenterweise wurde aufgrund der hohen Nachfrage eine zweite Halle für das Gesundheitsangebot gebaut. Wie es sich für einen modernen Turnverein gehört, ist vom Kleinkind bis zum Senior für Jeden etwas dabei.
Die Sieger der Gruppe 3 (Vereine ab 1.500 Mitglieder)
1. Preis: Turngemeinde Rüdesheim 1847 e.V. (Sportkreis Rheingau)
Mit großem Engagement zum Erfolg
Die Turngemeinde Rüdesheim mit ihren 11 Abteilungen hat durch zahlreiche Kooperationen und viel Engagement auch im sozialen Bereich ihren Mitgliederbestand (z. Zt. 1.800) stabilisieren können. Die Kooperationen mit Kindergarten und Schule gelten im Turnverein als selbstverständlich. Außergewöhnlich ist jedoch das Engagement für behinderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene in der Behinderteneinrichtung der Region.
So werden mit Abenteuer- und Erlebnissport in einer integrativen Gruppe bewegungsauffällige und behinderte Kinder im Alter von 3 bis 13 Jahren sowie Grundschulkinder mit Übergewicht erreicht. Eine weitere Gruppe mit Kindern im Alter von 10-14 Jahren und eine Erwachsenengruppe komplettieren das ehrgeizige Engagement. Durch den Bau einer „Halle für alle“ in Eigeninitiative konnte der Verein u.a. sein Angebot für Kleinkinder mit ihren Eltern erweitern.
Das Freizeitprogramm wird ergänzt durch jährlich stattfindende Ski- und Snowboardfreizeiten, Zeltlager, Wochenendfahrten und Ausflüge für die Jugendlichen. Auch Kurse wie Mountainbiking und Inlineskaten werden speziell für Kinder angeboten. Weiterhin richtet die Turngemeinde Rüdesheim den Kinder- und Jugendtriathlon und den Triathlon für Menschen mit Behinderung aus.