Landessportbund

02.11.11

Praktikable Angebote für Prävention und Gesundheitsförderung

Bewegungsparcours im Bürgerpark Darmstadt wird zum Begegnungstreff – besonders für ältere Menschen

„Die Darmstädter Bevölkerung hat den Bewegungsparcours im Bürgerpark hervorragend angenommen“, stellte Barbara Akdeniz, die Sozialdezernentin der Wissenschaftsstadt Darmstadt, fest. Der Landessportbund Hessen ist Projektpartner, betreut im Besonderen die Übungsleitungen vor Ort und hat das Interesse, Nachhaltigkeits- und Multiplikationseffekte von Einrichtung und Nutzung der Bewegungsparcours zu erschließen.

Vonseiten des Hessischen Sozialministeriums initiiert war Darmstadt neben Hanau als zweiter Standort, an dem ein Bewegungsparcours mit unterschiedlicher Geräteauswahl von Menschen, die über 60 Jahre alt waren und nach eigenen Angaben bisher regelmäßig keinen Sport getrieben haben, getestet worden. Insgesamt haben innerhalb der Studie über 100 Personen über drei Monate an den Parcours regelmäßig trainiert. In Darmstadt wurden dabei wöchentlich acht Stunden angeboten, die von qualifizierten Übungsleitungen angeleitet wurden.

„Die Rückmeldungen, die wir von den Übungsleitungen aber auch in unterschiedlicher Form von den Probanden direkt erhalten haben, bestätigen eindeutig unsere Hypothese: Das wichtigste beim zielgerichteten Trainieren ist eine kompetente Kommunikation“, stellte der Vizepräsident für Sportentwicklung beim Landessportbund Hessen, Ralf-Rainer Klatt, fest. Für die Übungsleitungen unterstrich Reinhard Bechtel (SKV Rot-Weiß Darmstadt), dass ihn als alten Hasen im Geschäft der Fleiß, die sich steigernde Motivation aber auch die Erfolge, die viele Menschen schon nach ein paar Wochen Training erkennen konnten, überrascht hätten. „Trotz Wind und Wetter, ob drückende Hitze oder Sturm – keine einzige Stunde ist ausgefallen“, ergänzt Angelika Schwalm (TG 1875 Darmstadt).

Erste medizinische Ergebnisse aus der dreimonatigen Testphase Bewegungsparcours für Seniorinnen und Senioren in Darmstadt zeigen positive Effekte. So konnten alle Probanden ihre Kraft und ihre Gehgeschwindigkeit steigern – die Daten werden nun im Detail ausgewertet, genaue Ergebnisse liegen Anfang 2012 vor. Petra Müller-Klepper, Staatssekretärin im Hessischen Sozialministerium, unterstreicht daher auch die Bedeutung von Bewegungs- und Sportangeboten für ältere Menschen. „Bewegung und Sport sind in jedem Alter wichtig. Seniorinnen und Senioren profitieren aber ganz besonders von regelmäßigen sportlichen Aktivitäten, denn diese erhöhen die geistige und körperliche Fitness und unterstützen so eine selbständige Lebensführung im Alter“, betonte die Staatssekretärin in Darmstadt anlässlich der Abschlussveranstaltung des Pilotprojekts Bewegungsparcours.

Im Rahmen einer kleinen Feierstunde zum Abschluss der wissenschaftlich interdisziplinär durchgeführten Studie stellten alle am Projekt „Gesünder durch Bewegungsparcours“ beteiligten Organisationen und Personen ausschließlich positive Ergebnisse fest.

„Bewegungsparcours sind ein hervorragendes Angebot, um Prävention und Gesundheitsförderung praktikabel zu machen. Denn Bewegung spielt bei der Prävention eine wesentliche Rolle, und zwar in allen Lebenslagen. Bewegung verbessert das Wohlbefinden, die Beweglichkeit und die Koordination und kräftigt die Muskeln und die Knochen. Gesundheitsförderung und Prävention gewinnen gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels immer mehr an Bedeutung, damit Ältere nicht nur viele, sondern auch gesunde Jahre vor sich haben. So sind Bewegungsparcours ein Schritt auf dem Weg in eine altersgerechte und gesunde Stadt.“ Diesen von der Sozialdezernentin in Darmstadt geäußerten Beschreibungen und Perspektiven stimmte auch Vizepräsident Klatt uneingeschränkt zu. Er hob aber auch noch einmal hervor, dass eine Umsetzung nur mit den Sportvereinen vor Ort und ihren engagierten Übungsleitungen möglich sein wird. Die Sportkreise könnten darüber hinaus eine koordinierende Rolle übernehmen.

Fasziniert sind auch die Vertreter aus dem wissenschaftlichen Untersuchungsteam. „Eine derartige Konstanz in der Beteiligung haben wir noch nie erlebt. Das zeigt sich natürlich auch in den individuellen Ergebnissen, wenn wir nach einer ersten Übersicht  zum Teil über 40 % Kraftzuwachs registrieren können“, berichtet Prof. Lutz Vogt (Goethe-Universität Frankfurt). Sein Darmstädter Kollege Prof. Volker Beck, der den sozial-psychologischen Teil der Untersuchung verantwortet, betont den hohen Grad der Zufriedenheit und den Zuwachs an Selbstwertgefühl, den das Training aber auch die Gemeinsamkeit des Trainierens hervorgerufen haben.

Prof. Grit Hottenträger (Hochschule Rheinland) sieht Ursachen für den Erfolg auch aufgrund bisheriger von ihr durchgeführter Untersuchungen und eingebrachter Erfahrungen. „Für eine gute Akzeptanz von Bewegungsparcours sind eine sorgfältige Planung, das heißt Auswahl des Standortes, Gestaltung des Parcours und Auswahl der Geräte, ganz entscheidende Faktoren.“

Noch während die Studie lief haben schon viele weitere Interessierte den Bewegungsparcours ausprobiert, Probanden brachten Freunde und Bekannte mit. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt erreichten immer wieder Fragen nach der Weiterführung des angeleiteten Trainings. „Der attraktive Bewegungsparcours in Darmstadt ist nicht nur ein tolles Angebot für ältere Menschen in Darmstadt, er bereichert insgesamt das Sportangebot in der Stadt. Auch die Darmstädter Sportvereine erhalten mit der Anlage die Möglichkeit, den neuen Bewegungsparcours als ergänzende Sportstätte anzusehen und für ihre Angebotsentwicklung  zu nutzen. Noch bis zum 15. Dezember wird der Bewegungsparcours dank des Landessportbundes Hessen montags bis donnerstags täglich um 10 Uhr durch angeleitete Trainingseinheiten betreut. Diese Trainingseinheiten stehen Allen offen und sie sind kostenlos. Dies ist ein guter Zeitpunkt für diejenigen, die sich alleine vielleicht nicht an die Geräte trauen“, sagt Bürgermeister und Sportdezernent Rafael Reißer und ist froh, dass eine Weiterführung sichergestellt werden konnte. Der Verein für Rehabilitations- und Gesundheitssport hat unter der Leitung von Claudia Kasten, die ebenfalls zum Übungsleitungsteam gehört, bereits reagiert und bietet donnerstags um 16.00 Uhr ein kombiniertes Ausdauer-, Kraft- und Gymnastiktraining am und rund um den Bewegungsparcours an.

Nach einer differenzierten Auswertung der Studienergebnisse wollen die Kooperationspartner des Projektes ein Handbuch zur Einrichtung von Bewegungsparcours herausgeben. Es soll Kommunen aber auch anderen Organisationen wie Wohnungsbaugesellschaften, Sportvereinen oder Trägern von Senioreneinrichtungen Entscheidungs- und Gestaltungshilfen bei der Einrichtung und effektiven Nutzung von Parcours liefern.

In Darmstadt wird schon in der nächsten Woche mit einem Workshop zu weiteren Qualifizierungsmodulen darüber beraten, wie die angestrebte Nachhaltigkeit zielgerichtet gesichert und vor allem weiterhin Menschen, die bislang keine Berührung oder ablehnende Haltung zu Training, Bewegungsangeboten und Sport hatten, erreicht werden können. Die Bildungsakademie im Landessportbund Hessen ist im Diskussionsprozess ebenso beteiligt, wie die Erfahrungen aus dem Projekt „Bewegungsstarthelfer“ eingebracht werden.

Auch hiermit nimmt der Landessportbund Hessen seine Verantwortung wahr, Sportangebote, Qualifizierungen und Infrastrukturen gerade auch in den Feldern der Prävention und Gesundheitsförderung weiterzuentwickeln und den Bedürfnissen und Anforderungen in der Bevölkerung anzupassen.

Ralf-Rainer Klatt


Suche: