Betriebliche Gesundheitsförderung

Betriebliche

Gesundheitsförderung


Bewegungsmangel ist in den letzten Jahren zu einem ernstzunehmenden Risikofaktor für viele Krankheiten geworden. Dennoch berichtet der Gesundheitsbericht "Gesundheit in Deutschland" (Robert-Koch-Institut 2013), dass sich weiterhin deutliche Defizite bei der körperlichen Aktivität der Bürgerinnen und Bürger feststellen lassen. Obwohl sich bei einem Teil der Bevölkerung eine Steigerung des Aktivitätsniveaus beobachten ließ, bewegen sich immer mehr Personen im Alltag deutlich zu wenig. Dies lässt sich auch auf sitzenden Tätigkeiten im Berufsalltag zurückführen.

Der DOSB möchte mit seiner Broschüre "Bewegt im Betrieb" allen Berufstätigen Anregungen geben, wie sie ihren Büroalltag aktiver gestalten können. Der vierwöchige Bewegungsplan ist ein niedrigschwelliges Angebot für "Nicht-Beweger" oder auch Wiedereinsteiger. Er besteht aus den drei Teil-Komponenten: Bewegte Pause, Gymnastik-Übungen am Arbeitsplatz und mehr Bewegung im Betriebsalltag. Diese lassen sich leicht in verschiedene Arbeitsabläufe integrieren und sind günstig und wenig kostenintensiv umsetzbar. Idealerweise führt dieses Bewegungsprogramm für den Betriebsalltag langfristig zu einem dauerhaft verbesserten Bewegungsverhalten.

Die Broschüre ist erhältlich als pdf-Datei oder als Printversion zu bestellen bei Frau Sabine Landau unter der Telefonnummer 069 6700-461 oder per Mail.

(Quelle: DOSB)

Bewegung im Betrieb: Beispiel KSV Baunatal

Wo verbringen wir einen Großteil der Zeit in unserem Leben? Ganz sicher am Arbeitsplatz. Ist dieser gesundheitsförderlich gestaltet? Ganz sicher nicht in allen Fällen. „Die häufigste Ursache gesundheitlicher Probleme vieler Arbeitsnehmer ist eine körperliche, biologische Unterforderung“, sagt Katrin Eschstruth, Vorstandsmitglied des KSV Baunatal. Sie ist in „Betrieblichem Gesundheitsmanagement“ IHK-zertifiziert und hat ihren Verein in den vergangenen Jahren zum Gesundheitspartner von zahlreichen Unternehmen gemacht.

Die betriebliche Gesundheitsförderung zählt seit fünf, sechs Jahren zum Angebot des nordhessischen Großvereins. Da werden beispielsweise für Unternehmen Präventionskurse, Rückenschule, Yoga und andere Entspannungsübungen angeboten, Bewegungspausen gestaltet oder Seminare zur Ernährungsberatung angeboten. Ein Riesenmarkt.

Ein Weg aus dem Teufelskreis

„Inaktivität ist eine wesentliche Ursache für Ausfallzeiten“, weiß die Diplom-Ökonomin. Was nicht genutzt werde, das verkümmere. So entstehen Rückenschmerzen, Gelenkprobleme und Stoffwechselstörungen. Doch während der Körper heute vor allem im Büro eher unterfordert ist, wird unser Geist oft über die Maßen beansprucht. Stichworte sind „Zeitdruck, Arbeitstempo und Arbeitsverdichtung“. Psychische Erkrankungen im Arbeitsalltag nehmen zu. Aus diesem Teufelskreis gibt es einen Weg, wie ihn der KSV Baunatal geebnet hat: Bewegung im Betrieb.

Unter Führung von Expertin Eschstruth hat der Verein einen Zugang in die Chefetagen der Firmen gefunden. Krankenkassen gaben einst den Anstoß, nachdem der KSV ohnehin zahlreiche Gesundheits- und Präventionskurse im Angebot hat. „Das Thema hat mich gepackt“, erzählt die 50-Jährige. Und es war „ein neuer Markt“ für den Verein, „ein großes gesellschaftliches Thema“ mit viel Kundenpotenzial. Das leuchtet ein. Schließlich sind gesunde Menschen die eine Seite, die andere ihre langfristige Leistungsfähigkeit als Mitarbeiter für das Unternehmen. Mit dem Schlagwort der „Win-Win-Situation“ geht auch der KSV Baunatal auf die Suche nach weiteren Unternehmenspartnern.

Zwei Dinge sind Katrin Eschstruth wichtig. Zum einen müsse man sich als Verein „von der Norm verabschieden“. Der KSV benötigt für sein Angebot der betrieblichen Gesundheitsförderung Trainer und Übungsleiter, „die belastbar sind und Flexibilität an den Tag legen können“, formuliert Vorstandskollege Friedrich Heintzemann. Je nach Unternehmen und Angebot ist der Einsatzort entweder im Betrieb oder die Mitarbeiter kommen in die KSV-Sportwelt. Der zweite zentrale Punkt: Im Unternehmen müssen alle Parteien an einen Tisch geholt werden: die Geschäftsleitung, die jeweiligen Beauftragten, etwa für die Interessen Behinderter oder von Frauen, und natürlich der Betriebsrat. Eschstruth: „Es muss richtig kommuniziert werden. Auch, dass es nicht nur darum geht, die Krankenrate im Betrieb zu senken.“

Sichere Einnahmequelle

Die Begeisterung im 7.000-Mitglieder-Klub für das Projekt ist verständlich. Zwanzig Unternehmen aus der Region gehören heute im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung zum KSV-Kundenstamm. Mit allen sind individuelle Vereinbarungen getroffen worden. Vom Gabelstapler-Anbieter Lindig über den Discounter Lidl bis zum Energieversorger EAM. Eine sichere Einnahmequelle für den Verein. Und am Rekordzuwachs von 700 neuen Vereinsmitgliedern allein im ersten Halbjahr 2016 könnte die Sparte durchaus ihren Anteil haben.

„Dafür gibt es Indizien“, sagt Friedrich Heintzemann. Qualität spreche sich eben herum – in beide Richtungen: Firmenmitarbeiter ziehen den Verein auch für die Freizeit in Erwägung, und so mancher Teilnehmer eines gewöhnlichen Kursangebots im vereinseigenen Fitnessstudio sitzt in einem Unternehmen an verantwortlicher Stelle.

Netzwerk für den Verein

Die vielen Kontakte und das Netzwerken zahlen sich noch in anderer Hinsicht aus: Ist man als Verein erstmal in Sachen Gesundheitsförderung im Betrieb drin, kann von diesem schon mal die Anfrage kommen, beim nächsten Sommerfest ein buntes Programm zu gestalten. Oder andersrum: Wenn die KSV-Verantwortlichen für ihren Auftritt beim Jubiläums-Festumzug der Stadt einen Tieflader benötigen, wissen sie genau, wen sie fragen müssen. Auch Sponsorenkontakte lassen sich einfacher knüpfen. „All das würden wir nie erreichen, wenn wir in unseren Räumlichkeiten bleiben würden“, sagt Katrin Eschstruth.

Andere Vereine sollen von den Erkenntnissen im „Best-Practice“-Sinne lernen können. Das Gesundheitsmodul bei den Gabelstaplerschulungen von Lindig hat Katrin Eschstruth beispielsweise schon nach Thüringen weitervermittelt – die Niederlassung in Erfurt ist dann doch zu weit weg. In Nordhessen aber hat sich der KSV Baunatal in punkto betrieblicher Gesundheitsförderung eine Alleinstellung erarbeitet. „Ich wüsste nicht, welche anderen Vereine in der Region das in diesem Maße anbieten.“


Oliver Kauer-Berk

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