Good Practice Junge Sport Helden

Gelebte Mitbestimmung

Beispiele aus Vereinen und Sportkreisen


Kinder und Jugendliche stecken voller Ideen und wissen in der Regel sehr genau, was sie wollen, auch was sie nicht wollen und was ihnen Spaß macht. Das gilt auch für die jungen Menschen in den Vereinen und Sportkreisen. Sie müssen nur gefragt werden. Was einfach klingt, scheint aber an vielen Stellen noch schwierig und längst nicht selbstverständlich zu sein. Spätestens die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass hier noch Potenzial nach oben besteht,  in Schulen, aber auch in den Sportvereinen.
Gleichzeitig gibt es erfreuliche Beispiele, wie Kinder und Jugendliche beteiligt werden, ihre Interessen wahrnehmen und wo Erwachsene begreifen, welche Chancen das für die Zukunft birgt. Einige Vereine brauchen keinen Weltkindertag, um sich ihren Kindern anzunähern, denn sie haben das längst in ihrer Vereinskultur etabliert. Andere nehmen ihn und sein Motto „Kinderrechte jetzt!“ gerne zum Anlass, um demokratischer mit ihren Jüngsten umzugehen und Kindeswohl mehr in den Fokus zu nehmen.  Wir stellen einige Good-Practice-Beispiele vor aus dem organisierten Sport vor:


Sportkreis Waldeck-Frankenberg: Erst mal großes Erstaunen
Sylvia Kuhnhenn vom Sportkreis Waldeck-Frankenberg erinnert sich noch genau, wie die Kinder beim Turnen reagierten, als sie sie vor rund 15 Jahren in ihrem Verein in Allendof (Eder) fragte, was sie denn gerne machen wollen. „Die waren regelrecht irritiert. Das kannten sie nicht, dass ihre Wünsche eine Rolle spielen und sie sich auch was aussuchen dürfen. Das haben wir dann immer wieder so gemacht und so freuten sie sich, dass wir alle zusammen auch mal in der Turnhalle übernachtet haben. Ziemlich schnell musste ich dann gar nichts mehr fragen, die Kinder kamen von ganz alleine auch mit ihren Spielideen zu mir.“

Kuhnhenn kommt aus dem Kampfsport, was zwei ihrer drei Töchter übernommen haben. Sie war als Jugendwartin erst in der Sparte, dann im Hauptverein aktiv, hat den Vereinsmanager für Jugendarbeit absolviert, eine Jugendordnung umgesetzt, Jugendtage organisiert, die Jugendlichen auf Ausbildungen geschickt, sie für Projekte motiviert und mit Fortbildungen unterstützt, als sie zum Beispiel eine Homepage für den Verein gestalten wollten. Dank ihrer Kinder war sie auch immer nah an den Jugendlichen im Verein. „Das war eine tolle Zeit, zu sehen, wie sich die jungen Menschen entwickeln. Für mich war es selbstverständlich, sie einzubeziehen. Und so habe ich einige begleitet, die dann auch selbst im Verein Verantwortung übernehmen wollten, sei es als Sportassistent/innen oder als Übungsleiter/innen.“

Diese Freude nah an Kindern und jungen Menschen zu sein, hört auch mit Ende 50 nicht auf, jetzt gerade baut sie nach Corona wieder eine Kinder-Trainingsgruppe mit Kickboxen in Hatzfeld auf. „Ich selber sammle die jetzt wieder ein und nehme Kontakt zu den Familien auf.“ Und weil die jungen Menschen selbst ein Interesse daran haben, sich und andere zu schützen, ist sie zudem noch Kindeswohlbeauftragte und Vorstandsmitglied beim Sportkreis Waldeck-Frankenberg und organisiert gerade erste Fortbildungen und für Kinder eine Spielereihe „Starke Spiele – starke Kinder“ im Oktober.


SG Bornheim: Kinderparlament für noch mehr Beteiligung
Kinder und Jugendliche im Verein zu stärken, das hat auch der Fußballverein SG Bornheim in Frankfurt besonders im Blick. Er wird seit März 2021 im (Modell-)Projekt Kindeswohl von der Sportjugend Hessen unterstützt. Achim Hallstein, der sich ehrenamtlich für dieses Thema im Verein engagiert, wird ganz deutlich: „Wir schulden den Kindern was, schließlich sind von unseren rund 700 Mitgliedern mehr als 450 Kinder und Jugendliche. Und die sind pandemiebedingt anderthalb Jahre nicht gehört worden. Wir müssen den jungen Leuten ihren Verein zurückgeben und noch mehr auf sie hören.“

Das Schutzkonzept zum Kindeswohl wird noch im September 2021 verabschiedet und in den zwei Monaten danach will die SG Bornheim ein Kinder- und Jugendparlament aufbauen. Ziel sei es, dass mindestens zwei Kinder jeder Altersstufe im künftigen Parlament ihre Interessen im Verein vertreten, sei es bei Trainingswünschen, der Anschaffung von Materialien, Getränken oder auch von Öffnungszeiten der Hallen.


SV Helmarshausen: Blick über den Verein hinaus
Die Wünsche der Kinder und Jugendlichen des Schützenvereins SV Helmarshausen in Nordhessen werden schon seit einigen Jahren gehört und berücksichtigt. Heiko Taggeselle, Jugendleiter des Vereins, betreut 26 Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 15 Jahren. „2019 dachten wir uns im Verein, wir brauchen mal ein Bindeglied zwischen uns Erwachsenen und den jungen Vereinsmitgliedern, damit wir ihre Wünsche besser im Blick haben und so haben wir Jugendsprecher/innen eingeführt.“

Celina, heute 14, und ihre Schulfreundin Nele, gerade 15 Jahre alt, fühlten sich sofort berufen und vertreten seitdem sehr selbstbewusst die Anliegen der Jugendabteilung.
Klar geht es dem Nachwuchs auch um Sport und Wünsche zum Training. Aber es geht den Kindern und Jugendlichen auch darum, andere Menschen im Blick zu haben: „Ich selbst habe Mobbing an der Schule erlebt und ich weiß, wie weh das tut, wenn Lügengeschichten über einen erzählt werden“, erinnert sich Celina. „Als wir im Verein darüber sprachen, hat sich rausgestellt, dass andere das Thema auch kennen. Wenn das jetzt vorkommt, was immer mal wieder der Fall ist, versuchen wir zusammen auf dem Schulhof das zu regeln. Entweder wir machen den Mobber ausfindig und sprechen ihn an, denn manche denken sich ja nichts dabei oder wir versuchen Mobber und die betroffene Person zu trennen.“ Auch mit einer Plakataktion gegen Mobbing, Ausgrenzung und rechte Gewalt, hat die Jugendabteilung schon auf sich aufmerksam gemacht.

Jugendleiter Heiko Taggeselle erinnert sich auch an das sofortige Engagement der Kinder einmal kurz vor Silvester. „Da war einer sechsköpfigen Familie, der Familie eines Klassenkameraden, das Haus abgebrannt. Sofort wollte die Gruppe helfen und sammelte Spendengelder ein, 300 Euro konnten sie der Familie überreichen.“
Auch die Themen Natur und Umwelt sind der Jugendabteilung des SV Helmarshausen wichtig. „Wir haben ja oft genug im Fernsehen gesehen, dass Regenwälder abgeholzt werden und die Arktis schmilzt“, so Jugendsprecherin Celina. „Das macht uns schon zu schaffen und auch traurig. Wenn ich mir vorstelle, ich muss vielleicht meinen Kindern später erzählen, es gab einmal Eisbären, das geht doch gar nicht. Also wollten wir uns bei unserem Sommer-Zeltlager gerne mal näher mit dem Thema Natur und Nachhaltigkeit beschäftigen.“ Gewünscht, getan. Seit Anfang dieses Jahres ist der SV Helmarshausen Modellverein bei dem Projekt DemoS – Sport stärkt Demokratie“ der Sportjugend Hessen. Heiko Taggeselle sprach den hier zuständigen Nico Mikulic an, der die Kinder beim Sommercamp aber auch in der Vorbereitung unterstützte.

„Ein super Erfolg“, freut sich Jugendleiter Heiko Taggeselle. „Es war eine Veranstaltung, die es so noch nie gab. Die Kinder und Jugendlichen waren von Anfang bis Ende beteiligt und das Programm ließ auch sportlich keine Wünsche offen. Sie reden immer noch im Verein und in der Schule vom Camp. Auch Zuhause und selbst bei Opa und Oma erzählen sie davon. Ich sehe mich mittlerweile vor allem als Begleiter und Ratgeber, wenn gewünscht. Das ist auch zukunftsorientiert, weil wir die Kinder frühzeitig mitnehmen und an den Verein binden. Unser Sommercamp hat einmal mehr gezeigt: Zeige den Kindern wie es gehen kann und dann lass sie machen. Die Kleinen wie Größeren stecken so voller Ideen, dass es eine wahre Freude ist.“

Er findet es gut, dass die Zeiten mit „von oben herab“ organisierten Zeltlagern vorbei sind. Früher hätten die erwachsenen Jugendleiter das Programm geplant und bestimmt, ohne das zu hinterfragen. „Da haben die Jugendlichen zwar mitgemacht, aber dann eher mit wenig Spaß, weil vieles für sie nicht wirklich passte.“ Dank des engagierten Nachwuchses konnte der Verein in der Coronazeit sogar einige Kinder hinzugewinnen.  „Bei man als Kind oder Jugendlicher beteiligt wird, macht das Training noch mehr Spaß und alles andere auch,“ bringt es die 14-jährige Celina auf den Punkt.


TuSpo "Nassau" Beilstein: Nachwuchs wünscht sich Natur und Sport im Einklang
Das Thema Natur ist auch beim TuSpo „Nassau“ Beilstein fester Bestandteil der Vereinsaktivitäten für die Vier- bis Zwölfjährigen. Seit 2017 gibt es das Projekt „Natur und Sport gemeinsam mit Kindern in Einklang bringen“. „Kinderbeteiligung ist uns ganz wichtig“, erzählt Klaus Herrmann, stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Diese Aktivitäten sind auch schon von Hessens Umweltministerium mit einem Preis gewürdigt worden.

Und so ist es selbstverständlich, dass rund um den Weltkindertag weitere Naturerlebnisse mit Bewegung auf dem Plan stehen – gemeinsam mit Kindern der Grundschule (Nassau-Oranien-Schule) in Beilstein und  den Kleinen des evangelischen Kindergartens. So gibt es eine Wanderung zu den heimischen Fischteichen, bei der die Kinder etwas über Fische lernen und auch angeln dürfen. Eine andere Wanderung geht zu den Beilsteiner Steinbrüchen, um etwas über die Herstellung des Beilsteiner Basalt und über die Renaturierung des Geländes zu erfahren.

Am 24. September findet dann die nächste Projektsitzung mit allen Beteiligten statt. Dies sind neben Vertretern des TuSpo Nassau Beilstein, des ASV Ulmtal, der Salver Imker, des NABU Beilstein und der heimischen Förster auch Kinder der Grundschule. Schließlich sollen ihre Wünsche und Vorstellungen gehört werden! Im Oktober ist eine groß angelegte Baumpflanzaktion vorgesehen. Hierzu haben sich schon viele Freunde des Projektes zu einer Baumspende entschieden. Mindestens 100 Bäume wollen die Kinder dann pflanzen.
 

HSG Hanau: Junge Menschen als Demokratieförderer
In Hanau hat sich vieles geändert, auch das Vereinsleben des Handballvereins HSG Hanau ist nach dem schrecklichen Attentat vom Februar 2020 nicht mehr dasselbe. Und deshalb ist hier ein ganz anderes Thema in den Fokus gerückt. Der Verein möchte ein Zeichen setzen, noch mehr gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und das mit der Vereinsentwicklung verknüpfen, erklärt Uwe Just, der 1. Vorsitzende der HSG Hanau. „Wir wollen nach vorne denken, nicht zurückschauen. Junge Menschen sollen in unserem Verein zu Demokratieförderern werden, das Thema soll quasi Teil der DNA des Vereins werden“, betont Stephan Pillman, der im Verein auch Ansprechpartner für den Bereich Kindeswohl ist.

Mit Beginn der Handball-Saison 2021 startet ein auf drei Jahre angelegtes Demokratie-Projekt, das sich vor allem an junge Menschen richtet. Umgesetzt wird es in Kooperation mit dem Bundesprogramm „Demokratie leben“, das durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird, gemeinsam mit dem AWO Stadtverband Hanau.

Los geht es mit den C-Jugendlichen der HSG-Nachwuchs-Handballer im Alter von 13 bis 14 Jahren. Ein Workshop zum Thema Kinderrechte mit dem Titel „Was bedeuten Demokratie und Kinderrechte in meinem Verein?“ macht den Auftakt. Hier unterstützt als weiterer Partner „Makista“, der Frankfurter Verein, der sich seit über 20 Jahren für die Verwirklichung der Kinderrechte in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen einsetzt. Auch die jüngsten Kinder des Vereins haben das Thema bereits kreativ in Arbeit. Sie malen Bilder für ein Banner, das dann als Bande in der neuen Saison in den HSG-Spielstätten, zum Beispiel der Main-Kinzig-Halle,  aufgehängt wird. Nach und nach sind weitere Angebote für andere Altersgruppen geplant. So soll es in einer späteren Aktion beispielsweise um Medienarbeit gehen.  


Zusammengtragen von Sabine Mischnat

 

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