Jana Becker ist neue „Eliteschülerin des Jahres“
Mittelstreckenläuferin Jana Becker vom Königsteiner LV ist die diesjährige „Eliteschülerin des Jahres“ der Carl-von-Weinberg-Schule in Frankfurt. Schulleiterin Carolin Kubbe und Markus Kremin (Leiter des Olympiastützpunktes Hessen) zeichneten gemeinsam mit dem Hessischen Bildungsminister Armin Schwarz und Ann Kathrin Linsenhoff (Sportbeauftragte des Landes Hessen und Vorsitzende der Sportstiftung Hessen) am Donnerstagabend die 19-Jährige aus, die in wenigen Wochen ihr Abitur absolvieren wird. Die Ehrung findet jährlich statt und wird vom Olympiastützpunkt Hessen und der Carl-von-Weinberg-Schule organisiert, die zum Kreis der 43 Eliteschulen des Sports in Deutschland gehört.
„Dass ich in einer Reihe mit Olympiamedaillengewinnern wie Schwimmer Oliver Klemet stehe, macht mich unglaublich stolz“, sagte die Leichtathletin, die auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2025 zurückblicken kann. Im August gewann sie bei den U20-Europameisterschaften in Tampere (Finnland) erst Gold über 800 Meter, ehe sie der 4x400 Meter-Staffel als Schlussläuferin die Silbermedaille sicherte. Zudem überzeugte sie mit sehr guten schulischen Leistungen und fiel durch ihre Zielstrebigkeit auf.
„Wir haben in Hessen zusammen mit unseren Partnern Strukturen entwickelt, die für den Übergang in den Spitzensport sehr wichtig sind“, erläuterte Annika Mehlhorn, Vizepräsidentin Leistungssport des Landessportbundes Hessen (lsb h), und lobte die Unterstützung der hessischen Politik: „Ohne den starken Rückhalt des Sport- und Bildungsministeriums wären die Entwicklungen nicht möglich gewesen.“ Wie wichtig die Förderung des Nachwuchsleistungssports für Erfolge im Spitzensport ist, hob Ann Kathrin Linsenhoff hervor: „Hier müssen wir gemeinsam ansetzen, um unseren Athletinnen und Athleten die bestmöglichen Voraussetzungen zu bieten, damit sie ihre Leistungspotenziale voll ausschöpfen können. Der Spitzensport ist nicht nur ein Aushängeschild, sondern auch eine Inspiration für die gesamte Gesellschaft.“ Die Zusammenarbeit mit der Carl-von-Weinberg-Schule bezeichnete Mehlhorn als „zentrale Säule“ eines intakten Verbundsystems. Wie gut es funktioniert, unterstrich Olympiastützpunkt-Leiter Markus Kremin: „Wir arbeiten Hand in Hand und ermöglichen ideale Voraussetzungen. Der Olympiastützpunkt unterstützt Nachwuchsathlet*innen mit umfassenden Betreuungsangeboten – insbesondere in den Bereichen Duale Karriere, Trainingswissenschaft, Physiotherapie oder Sportpsychologie.“
„Jana Becker ist eine besondere Persönlichkeit“, betonte Schulleiterin Kubbe und fügte hinzu: „Ihre sportlichen Erfolge zeigen eindrucksvoll ihr Talent und ihren Ehrgeiz. Besonders begeistert uns, dass Jana diese sportliche Spitzenleistung mit schulischer Höchstleistung verbindet.“ Neben Becker wurden weitere hessische Nachwuchsathlet*innen ausgezeichnet, die auf nationaler und internationaler Ebene Erfolge feierten. Damit das möglich ist, bietet die Carl-von-Weinberg-Schule besondere Rahmenbedingungen: Vormittagstraining, Stütz- und Nachführunterricht – und bei Bedarf eine Schulzeitstreckung.
Rund 350 Nachwuchsathlet*innen nutzen dieses Angebot und werden auf ihrem Weg von Lehrertrainer*innen begleitet. Knapp 50 von ihnen wohnen im Sportinternat in Frankfurt, das eng mit der Carl-von-Weinberg-Schule kooperiert. In jedem Jahrgang gibt es zwei Sportklassen für Talente, die in ihren Sportarten besondere Leistungen erbringen. Gefördert wird der Leistungssport an der Carl-von-Weinberg-Schule u. a. vom Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen und vom Deutschen Sparkassenverband. Einen Scheck in Höhe von 7.700 Euro überreichte Dr. Ingo Wiedemeier, Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Sparkasse.
Von den intakten Rahmenbedingungen profitiert auch Jana Becker, die in ihrer noch jungen Karriere auch einige Rückschläge erlebte. 2023 schied sie bei den U20-Europameisterschaften bereits im Vorlauf aus, im Jahr darauf verpasste sie krankheitsbedingt die U20-Weltmeisterschaften. Doch sie kam gestärkt zurück – auch deshalb, weil sie Mentaltraining in ihren Alltag integrierte. Unterstützt wurde sie vom sportpsychologischen Team von „mentaltastic“, das mit dem Olympiastützpunkt kooperiert. „Mit meinem Mentalcoach habe ich mich intensiv auf die Europameisterschaften in Tampere vorbereitet, weil ich in meinem letzten U20-Jahr auf jeden Fall etwas reißen wollte.“
Wie ihr das gelang, beeindruckte viele Leichtathletik-Fans. Zusammen mit einer Fachjury wählten sie Becker zur „Jugend-Leichtathletin des Jahres 2025“. Dass sich Becker derart zurückmeldete, imponierte auch den Hessischen Bildungsminister Armin Schwarz. „Aufgeben war für sie nie eine Option. Ob Vorlauf-Aus oder verpasste Qualifikationen: Sie hat daraus gelernt und an sich gearbeitet. Und genau das hat man 2025 gesehen – mit Erfolgen wie der schnellsten Laufzeit einer deutschen U20-Athletin seit fast 40 Jahren.“ Der Minister hob zudem hervor, dass der Teamgedanke für Becker eine große Rolle spiele: „Sie spricht in den höchsten Tönen über ihr Umfeld: den Olympiastützpunkt, das Sportinternat, ihre Trainingsgruppe und ihren Trainer Benjamin Stalf.“ Beckers respektvolle, bodenständige Art lobte auch Schulleiterin Kubbe und bezeichnete sie in sportlicher, schulischer und menschlicher Hinsicht als „Vorbild für die gesamte Schulgemeinde“.
Positive Worte fand die Schulleiterin auch für einige weitere sportlich erfolgreiche Schüler*innen. Die diesjährige Ehrung zeige einmal mehr, wie hoch das sportliche Niveau an der Carl-von-Weinberg-Schule sei. „Wir sind sehr stolz und beeindruckt, wie sich unsere Talente entwickelt haben“, betonte die Schulleiterin und ergänzte: „Als Eliteschule ist es uns ein großes Anliegen, Schule und Leistungssport so zu verbinden, dass junge Athletinnen und Athleten ihr Potenzial bestmöglich entfalten können.“ Deshalb hat die Schule in den vergangenen Jahren viele Entwicklungen angestoßen. Weitere Lehrertrainer*innen wurden eingestellt, die gymnasiale Oberstufe kann durch die Streckung von zwei auf drei Jahren flexibler absolviert werden. „Die Nachfrage nach Schulplätzen im Bereich des Leistungssports ist sehr hoch“, berichtete Kubbe, die perspektivisch die Einrichtung einer dritten Sportklasse für „dringend notwendig“ erachtet.