Pressemeldung

Lu-Röder-Preis geht an Jeanette Defièbre-Doering und Dörte Fabry

Besonderes Engagement für Mädchen und Frauen

Jeanette Defièbre-Doering (55 Jahre, SVG Nieder-Liebersbach, Sportkreis Bergstraße) und Dörte Fabry (26, TSV Korbach, Sportkreis Waldeck-Frankenberg) sind heute in Frankfurt mit dem renommierten Lu-Röder-Preis des Landessportbundes Hessen (lsb h) ausgezeichnet worden. Der Preis wird jährlich an engagierte Frauen verliehen, die sich im organisierten Sport in besonderem Maße für die Belange von Mädchen und Frauen stark machen. Während Defièbre-Doering in der mit 1.500 Euro dotierten Kategorie „Vorbild/Lebenswerk“ triumphierte, gewann Fabry den Preis in der Kategorie „Engagierter Nachwuchs“ (1.000 Euro). Die Gewinnerinnen setzten sich gegen weitere Bewerberinnen durch, die von Sportkreisen und Vereinen vorgeschlagen worden waren.

Der Preis erinnert an eine Frau, die zwischen 1973 und 1987 dem lsb h-Präsidium angehörte. Zu einer Zeit, als es eine Seltenheit war, dass Frauen in Führungspositionen Verantwortung übernahmen. Lu Röder (1921–1987) war Vordenkerin und kämpfte unermüdlich – auch in vielen anderen Ämtern – für Strukturen, von denen Frauen nachhaltig profitiert haben. Sie setzte sich einerseits für das selbstbestimmte Sporttreiben von Frauen ein und ermutigte Frauen andererseits, Führungspositionen im Sport zu übernehmen. Dafür entwickelte das langjährige Mitglied der TG Darmstadt Konzepte und Qualifizierungsmaßnahmen. Der Lu-Röder-Preis wurde 1989 erstmals verliehen. Seitdem wurden auf 34 Verleihungsveranstaltungen insgesamt 43 Preisträgerinnen ausgezeichnet. Seit 2018 wird der Preis in zwei Kategorien vergeben.

Wie wichtig das Engagement der Preisträgerinnen ist, verdeutlichte lsb h-Präsidentin Juliane Kuhlmann im Rahmen der Preisverleihung. „Sie leisten nicht nur wertvolle Basisarbeit, sondern sind auch Vorbilder für Frauen, die bislang nicht den Mut hatten, sich selbst im Sport zu engagieren.“ Im Bereich Gleichstellung gebe es trotz einiger Fortschritte weiterhin viele Herausforderungen, was die erste hessische Sportchefin mit einem Blick auf das Geschlechterverhältnis im organisierten Sport untermauerte. „Keiner unserer 23 Sportkreise hat eine Frau als Vorsitzende, auf Vorstandsebene sind von 68 Mitgliedern nur 19 weiblich.“ Auch in den Verbänden und Vereinen seien Frauen in Führungspositionen weiterhin deutlich unterrepräsentiert. „Deutschlandweit betrachtet hat nicht einmal jeder fünfte Verein eine Vorsitzende. Nur etwa ein Viertel der Vereine haben einen Vorstand, der mindestens zur Hälfte aus Frauen besteht“, mahnte Kuhlmann, die an die Vereine appellierte: „Viele Frauen wollen Verantwortung übernehmen – und sind in der Lage, wertvolle Impulse zu setzen. Dieses Potenzial noch mehr zu erkennen, ist eine zentrale Aufgabe des organisierten Sports.“

Kategorie „Vorbild/Lebenswerk“

Jeanette Defièbre-Doering engagiert sich beim SVG Nieder-Liebersbach seit mehr als 30 Jahren als Trainerin im Bereich Sportakrobatik, in der sie einst zahlreiche hessische und deutsche Meistertitel gewann. „Wie stark sie in ihrer Trainerrolle aufgeht, zeigt mir ihre Aussage, dass sich bei ihr stets alle privaten Termine nach dem Sport richten. Trainingszeiten und Wettkämpfe gelten als gesetzt und sind nicht verhandelbar“, betonte Laudatorin Dagmar Schmitt-Merkl, die Mitglied des lsb h-Landesausschusses für Gleichstellung im Sport ist. Bei internationalen Wettkämpfen wie Europa- und Weltmeisterschaften feierte die 55-jährige Defièbre-Doering einst große Erfolge. Heute koordiniert sie einen Trainerinnen-Stab mit etwa 20 Frauen und setzt sich als stellvertretende Abteilungsleiterin auch im Vorstand der SVG Nieder-Liebersbach für die Interessen und den Schutz weiblicher (minderjähriger) Sportlerinnen ein. Sie bildet nicht nur mit großem Einsatz aus, sondern organisiert auch Veranstaltungen rund um das Thema sexualisierte Gewalt im Sport. Zudem motiviert Defièbre-Doering junge Sportlerinnen, selbst ehrenamtlich Verantwortung zu übernehmen – beispielsweise als Übungsleiterin. Sie sei, so Schmitt-Merkl, „nicht nur ein Vorbild“, sondern auch „Ansprechpartnerin für jegliche Probleme, die im Leistungssport auf junge Frauen zukommen“. Zudem unterstrich die Laudatorin, dass mit der Verleihung des Lu-Röder-Preises Defièbre-Doerings Lebenswerk keinesfalls vollendet sei. „Nehmen Sie den Preis bitte als große Wertschätzung für das, was Sie bisher geleistet haben und als Motivation, noch viele Jahre für den Sport – für die Frauen – Gutes zu tun.“

Kategorie „Engagierter Nachwuchs“

Dörte Fabry (TSV Korbach) kommt aus dem Turnen, war in mehreren nordhessischen Vereinen aktiv und nahm als Geräteturnerin regelmäßig an Gau- und Hessenmeisterschaften teil. Zudem war die 26-Jährige als Jugendliche im Voltigieren aktiv. Bereits als 15-Jährige wurde sie Trainerin – dank einer Sondergenehmigung des Hessischen Turnverbandes (HTV). Sie betreute fortan wöchentlich rund 50, vorwiegend junge Sportlerinnen, die nur unwesentlich jünger als sie waren. Seit einigen Jahren engagiert sich Fabry zusätzlich als Kampfrichterin. Für Aufsehen sorgte sie im März 2019: Auf einem außerordentlichen Gauturntag rettete sie den Turngau Waldeck vor der Auflösung, indem sie ein junges Team mit fünf Frauen zusammenstellte. Als Vorsitzende treibt sie vor allem die Felder Digitalisierung, Ehrenamt und Breitensport voran. Seit Mai 2021 ist Fabry zudem Mitglied der Kreissportkommission des Landkreises Waldeck-Frankenberg. Laudatorin Brigitte Senftleben, ebenfalls Mitglied des lsb h-Landesausschusses für Gleichstellung im Sport, zeigte sich beeindruckt vom besonderen Engagement der jungen Frau: „Du motivierst auf den verschiedenen Ebenen des Sports Menschen zur Übernahme von Führungsaufgaben. Ich bewundere, wie du Ehrenamt, Beruf und Familie unter einen Hut bringst. Dazu gehört viel Begeisterung und Engagement. Vor allem jetzt, da Pandemie und Energiekrise dem organisierten Sport viel abverlangt.“

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