2020/21

Mit Volldampf ins Mentoring-Jahr

Neue Auflage gestartet


Am 1. Februar 2020 fand die Auftaktveranstaltung des Mentoring-Programms im Landessportbund Hessen statt. 22 Teilnehmerinnen starteten voller Motivation und mit großen Erwartungen in ein ereignisreiches Jahr. Zwei Mentorinnen werden jetzt noch später in den Kreis dazu stoßen. In ihrer Begrüßungsansprache dankte Brigitte Senftleben, Vorsitzende des Landesausschusses Gleichstellung im Sport, für die große Resonanz an der dritten Staffel des Mentoring-Projektes, das der LA-GiS vor 10 Jahren initiierte. „Wir haben die Erfahrungen aus den vorangegangenen Staffeln mit einfließen lassen“, so Senftleben, „und sind stolz, dass wir die Teilnehmerzahlen stetig steigern konnten.“ Vor allem lobte sie aber die Projektleiterin, Dagmar Schmitt-Merkl, eine ehemalige Mentorin. Dank ihres großen Engagements konnte ein interessantes Programm entwickelt werden.

Was ist Mentoring?

Schmitt-Merkl übernahm auch die Moderation des gesamten Tages. Im Anschluss an den Fachvortrag zum Thema Mentoring kamen zunächst ehemalige Mentees und Mentorinnen zu Wort. Sie berichteten über ihre Erfahrungen und konnten auch den ein oder anderen persönlichen Rat bzw. eine Empfehlung der neuen Gruppe mit auf den Weg geben.

Eine lockere Vorstellungsrunde ließ die Atmosphäre zum Knistern bringen. Wer wird im kommenden Jahr meine Mentorin sein? Ist es evtl. die Dame, die als Wirtschaftsingenieurin sich beruflich in einer Männerdomäne bewährt oder eine der Vorsitzenden, stv. Vorsitzenden bzw. Geschäftsführerinnen der Sportkreise und Verbände. Oder diejenige, die empfiehlt „Weiblichkeit als Chance zu nutzen“ und damit ihren persönlichen Weg für eine konstruktive Arbeit in rein männlichen Vorständen gefunden hat. Oder auch: „Aus welcher Sportart wird meine zukünftige Mentee sein? Was macht sie beruflich? Hat sie ein familiäres Umfeld? Welche Erwartungen hat sie an das Projekt?“

Lsb h fördert Frauen!

All diese Fragen steigerte die Spannung, jedoch bevor die Tandems verkündet wurden, richtete sich Ralf-Rainer Klatt, Vizepräsident Sportentwicklung, als Vertreter des Präsidiums des Landessportbundes Hessen an die Teilnehmerinnen. „Die heutige Auftaktveranstaltung passt wunderbar in meinen Bereich: die Sportentwicklung“, so Klatt, „die heutige Parallelveranstaltung im Landessportbund befasst sich mit dem Thema Sport und Krebs, das originär durch Frauen entwickelt wurde und auch die Referentinnen dieser heutigen Veranstaltung sind ausschließlich weiblich.“ Auch sei es ihm schon immer wichtig, dass Frauen und Männer miteinanderarbeiten und das nach Möglichkeit in einem ausgeglichenen Verhältnis.

Aber auch er weiß, dass dies leider in vielen Vereinen, Verbänden und Sportkreisen nicht der Fall ist. Seiner Meinung nach stehe zur Diskussion, ob nicht Männer, die mehr als 10 Jahre im Amt sind, verpflichtet werden, als Mentor zu arbeiten oder eine Patenschaft zu übernehmen. Das Präsidium begrüße das Mentoring-Projekt sehr und hoffe, dass z. B. rein männliche Vorstände irgendwann kein Thema mehr und frauenfördernde Programme nicht mehr erforderlich seien. „Wenn wir uns in einigen Jahren Gedanken um ein Mentoring-Programm für Männer machen müssen“, ergänzt Schmitt-Merkl, „haben wir unser Ziel erreicht!“

Teamwork

Vor der Mittagspause wurde dann das große Rätselraten aufgelöst. Dagmar Schmitt-Merkl gab die Paarungen bekannt. Der erste persönlich geknüpfte Kontakt in der Mittagspause konnte anschließend in der von Marita Scheer-Schneider angebotenen Teambuildingsmaßnahme verstärkt werden. Am Nachmittag wurde kurz der gesamte Ablauf des Mentoringjahres durchgesprochen, bewährte Praktiken im Mentoring vorgestellt und weitere Fragen zum Programm geklärt. Bei Kaffee und Kuchen nahmen die Tandems die Gelegenheit wahr, sich weiter auszutauschen, erste Erwartungen zu klären und einen Plan für die weitere Zusammenarbeit zu schmieden.

Als nächste Sequenz findet am 28. und 29. Februar ein erstes Seminar zur Persönlichkeitsentwicklung mit Marita Scheer-Schneider statt.

 

Programm und Inhalte

Mentoring ist eine enge Beratungs- und Unterstützungsbeziehung (Eins-zu-Eins Beziehung) zwischen einer erfahrenen Führungskraft (Mentorin) und einer Nachwuchskraft (Mentee). Das Ziel dieser Beziehung ist die Weiterentwicklung der Persönlichkeit und der Fähigkeit der Mentee.

Wir möchten durch dieses Programm Nachwuchskräften in unseren Verbänden, Sportkreisen und Vereinen die Möglichkeit einer Qualifizierung zur Karriereentwicklung und/oder Integration in einer Organisation geben. Durch das Qualifizieren von Nachwuchskräften mit Einblicken in die Verbandsstruktur wird es möglich werden, Frauen für die Führungsebene der Vereine, Sportkreise und Verbände zu generieren und somit das Ehrenamt zu stärken. Entscheidende Aspekte hierfür sind Kommunikation, Erfahrungsaustausch sowie Aufbau und Pflege eines sozialen Netzwerkes.
Die Förderung persönlicher Kompetenzen hat ebenfalls positiven Einfluss auf das berufliche Umfeld der Mentee. Durch das Teilen ihres Wissens erhöht sich das Selbstwertgefühl der Mentorin. Sie erfährt Wertschätzung und Motivation. Das Mentoring-Programm ist eine Win-win-Situation für Mentee und Mentorin.

Das Konzept beinhaltet eine Auftaktveranstaltung und eine 12-monatige Mentoringphase mit begleitenden Seminaren für die Mentees. Im Laufe der Mentoringphase folgen - in entsprechenden Abständen - Seminare für die Mentees. Während der Laufzeit des Programms soll ein kontinuierlicher Austausch zwischen den Mentorinnen und den Mentees stattfinden. Ein weiteres Element bildet das Shadowing, bei dem die Mentees ihre Mentorin mindestens einmal oder mehrfach zu Veranstaltungen in ihrem Ehrenamt begleiten. Eine gemeinsame Präsentation der Mentorinnen und Mentees bildet den Abschluss der Veranstaltungsreihe. Die einzelnen Programmbausteine sind im Flyer aufgeführt. Zur Anmeldung muss der Fragebogen möglichst ausführlich ausgefüllt werden, um ein sinnvolles Matching zu gewährleisten.

Projektleiterin: Dagmar Schmitt-Merkl

Erfolgreich im Sport - Erfolgreich im Beruf - Erfolgreich im Leben

Ich habe diesen Slogan für das Mentoring für Frauen in Sport in Hessen entdeckt und er hat mich neugierig gemacht.

Wie wichtig das Engagement von Frauen im Sport ist, sehe ich in meinem Verein tagtäglich. Der Großteil unserer ehrenamtlich Engagierten ist weiblich, egal ob im sportlichen Übungsbetrieb oder bei allen anderen Aufgaben, die zu erledigen sind.  

Schau ich mir die Führungsebene in den Vereinen an sieht es plötzlich ganz anders aus. Beim Gauturntag, der Mitgliederversammlung unseres Turngaus, sind geschätzt nur 1/3 der anwesenden Vertreter der Turnvereine weiblich. Noch extremer ist es am Sportkreistag, der Mitgliederversammlung der Sportvereine, als Frau fühle ich mich beinahe wie eine Exotin. Werfen wir einen Blick auf die reservierten Plätze für die Ehrengäste dieser Veranstaltungen, dann sind dort weibliche Ehrengäste so gut wie nie vertreten.

Ich finde, wir müssen das ändern. Denn meiner Meinung nach sind Frauen für Führungsaufgaben wesentlich besser geeignet als Männer. Nicht weil sie intelligenter sind als Männer, sie sind auch nicht dümmer. Aber sie sind geschickter in der Führung von Menschen. Was ihnen meiner Meinung nach angeboren ist.

Aufgefallen ist es mir schon bei meinen eigenen Kindern, als sie klein waren.  Unsere beiden Töchter haben, wenn sie etwas von uns wollten, erst mal die Stimmung ihrer Eltern sondiert. Meist erfolgte der Wunsch-Angriff auf ihren Papa. Sie haben ihm mit Schmeicheleien oder Küsschen, das Gefühl gegeben, der beste Papa der Welt zu sein.  So ganz nebenbei wurde dann gefragt, ob wir heute nicht ins Schwimmbad, ins Kino oder zum Reiten gehen könnten. In der Regel waren sie damit erfolgreich.
Ganz anders dagegen unser Sohn: Geradeheraus, ohne Umschweife fiel er mit seinen Wünschen, wie mit der Tür ins Haus. Eine ehrliche Methode ja, aber seine Erfolgsquote war wesentlich geringer.

Nichts anderes ist es, was man bei der Führung von Menschen benötigt, schaffen eines angenehmen Arbeitsklimas, Motivation und natürlich Diplomatie.

Eine Verstärkung des Frauenanteils in Führungspositionen, eine gesunde Mischung von Frauen und Männern kann deshalb für uns alle nur von Nutzen sein.

Das hat der Gleichstellungsausschuss des Landessportbundes Hessen erkannt. Das Mentoring Programm soll Frauen quasi eine Starthilfe geben, ihre Persönlichkeiten durch Seminare stärken, sie wichtige Netzwerke knüpfen lassen und einen Erfahrungsaustausch mit anderen Frauen ermöglichen.

Aber was es auf keinen Fall machen soll, es soll nicht aus Frauen Abbilder von Männern machen.

Ich freue mich sehr, dass ich auch bei der kommenden Mentoring-Staffel dabei sein darf. Dieses Mal aus einer etwas anderen, aber bestimmt nicht weniger interessanten Perspektive als im letzten Jahr.

D. Schmitt-Merkl

Schirmherrin: Anja Wolf-Blanke

Der Ursprung des Mentoring liegt bereits in der griechischen Mythologie. Mentor, ein Freund des Odysseus, erzog Telemachos, den Sohn des antiken Helden. In allen Kulturen, Berufen und Sparten gab und gibt es seither Mentoren, erfahrene und einflussreiche Personen. Sie beraten, begleiten und fördern Mentees, besonders befähigte jüngere Menschen. Dies gilt auch für den Landessportbund Hessen, der seit 2009 mit großem Erfolg Mentoring-Programme für Frauen anbietet.

Alle am Mentoring Beteiligten erzielen durch das kontinuierliche, gegenseitige Feedback einen Gewinn für ihre Persönlichkeitsentwicklung. Die Mentee profitiert von den Erfahrungen der Mentorin, schärft ihr Kompetenzprofil, baut eigene Netzwerke auf und entwickelt Strategien zur Vereinbarkeit aller Lebensbereiche. Die Mentorin reflektiert ihren Arbeits- und Führungsstil, wird mit neuen Ideen, Denk- und Arbeitsweisen konfrontiert und erfährt Freude bei der Weitergabe ihrer Erfahrungen.

Allen Mentorinnen, die sich zur Mitarbeit bereit erklärt haben, gilt mein besonderer Dank. Der neuen Staffel des Mentoring-Programmes wünsche ich ein gutes Gelingen sowie allen Beteiligten einen persönlichen Gewinn weit über ihr ehrenamtliches Engagement hinaus.

Ihre
Anja Wolf-Blanke
Präsidentin des Hessischen Leichtathletik-Verbandes e.V.

News

für Sie

Mentoring-Programm 2020/21 – die neue Staffel

Der Landesausschuss Gleichstellung im Sport freut sich über die große Resonanz an der dritten Staffel des Mentoring-Programmes. Die Anmeldephase ist nun abgeschlossen. 12 Tandempaare konnten gefunden werden. Am 1. Februar 2020 findet die Auftaktveranstaltung im Landessportbund Hessen statt, an der die Ziele und Inhalte des Programms detailliert vorgestellt werden. Außerdem steht das Kennenlernen von Mentee und Mentorin im Vordergrund. Wie es weitergeht erfahren Sie unter Termine

Ansprechpartner

Gleichstellung im Sport

Ute Hoyer

Gleichstellung im Sport

Tel.: 069 6789-259
Fax: -109
E-Mail: uhoyer@lsbh.de