Interview

Dran bleiben

Internist Dr. Anschütz im Gespräch

Internist Dr. Hans Anschütz ist Vorsitzender des Ärztlichen Kreisvereins Groß-Gerau und einer der Ärzte, die der Landessportbund Hessen mit einem Infopaket zum Thema „Prävention durch Sport“ versorgt hat. Im Interview spricht er über den Nutzen von Bewegungsberatungen und die Reaktion der Patienten.

Dr. Anschütz, Ärzte sollten eigentlich um die Wichtigkeit von Bewegung wissen. Sind solche Pakete dennoch wichtig?
Auf jeden Fall. Schließlich zielt dieses Paket nicht nur darauf ab, Ärzte zu  informieren, es enthält auch ganz viele Materialien, die wir unseren Patienten mit nach Hause geben können. Es reicht nämlich nicht, einfach im Wartezimmer ein Plakat aufzuhängen. Entscheidend ist, dass wir den Patienten klar machen,  wie wichtig Sport im Bereich Prävention und Rehabilitation ist und vor allem, wo sie tätig werden können.

Wie läuft eine Bewegungsberatung bei Ihnen ab?
Das hängt natürlich vom jeweiligen Patienten ab. Nehmen wir einmal an, jemand hat chronische Rückenschmerzen und war schon mehrfach bei der  Krankengymnastik. Das hat kurzfristig Linderung gebracht, doch eigentlich  braucht so ein Patient eine dauerhafte Anbindung in eine Bewegungsgruppe. Deshalb stelle ich ihm ein „Rezept für Bewegung“ aus. Mit diesem symbolischen Rezept empfehle ich körperliche Aktivität – am besten bei Vereinen, deren  Angebote mit dem Qualitätssiegel SPORT PRO GESUNDHEIT zertifiziert sind. Damit der Patient sieht, wie vielfältig die Auswahl ist, gebe ich ihm einen Fitnesswegweiser mit nach Hause. In diesem Heftchen sind alle Angebote aufgelistet – geordnet nach Landkreisen und Schwerpunkt des Angebots und versehen mit Ansprechpartnern.

Wie reagieren die Patienten auf so eine Empfehlung?
Grundsätzlich sind die meisten interessiert. Doch wie viele dann tatsächlich ein  solches Bewegungsangebot wahrnehmen, weiß ich natürlich nicht. Eine wichtige Rolle spielt, dass zahlreiche Krankenkassen einen Teil der Kursgebühren zurückerstatten. Da horchen viele auf – schließlich ist das neben der Arztempfehlung ein weiterer Hinweis darauf, dass Bewegung sinnvoll ist und deshalb auch belohnt wird.

Sind Vereinsangebote besonders gut für den Einstieg geeignet?
Prinzipiell sind alle Angebote geeignet, an die man sich längerfristig bindet, weil für Prävention und Rehabilitation vor allem eines wichtig ist: dran bleiben. Ein Vorteil von Vereinen ist das breit gestreute Angebot: Fast überall gibt es Vereine, die zertifizierte Kurse mit den Schwerpunkten Herz-Kreislauf, Muskel-und Skelettsystem, Entspannung/Stressbewältigung oder Koordination/motorische Förderung anbieten. Für manche Patienten – gerade für Frauen – spielt sicher auch die soziale Komponente eine Rolle. Der Vorteil gegenüber Krankengymnastik besteht darin, dass der Körper viel komplexer gefordert und nicht nur die betroffene Stelle, etwa ein Gelenk, behandelt wird.

Sie sind Vorsitzender des Ärztlichen Kreisvereins Groß-Gerau. Sprechen Sie auch in diesem Gremium über Bewegungsberatung?
Ja, wir haben für das kommende Jahr einen Informationsabend zum Thema geplant. Dabei werde ich zusammen mit einer Mitarbeiterin des  Landessportbundes Hessen erklären, wie die Inhalte des Präventions-Paketes am besten eingesetzt werden. Denn Informationsmaterialien sind gut, aber sie wirken nur, wenn die Ärzte auch überzeugt sind und wirkliche Bewegungsberatungen durchführen. Mir hilft es zum Beispiel, dass immer ein Fitnesswegweiser auf meinem Schreibtisch liegt. Das erinnert mich daran, die Patienten auf die dort aufgelisteten Angebote hinzuweisen.

Müsste die Politik Ihrer Ansicht nach Anreize setzen, um Ärzte zur Bewegungsberatung zu motivieren?
Ich halte es nicht für realistisch, dass es dafür ein Budget gibt – aber wünschenswert wäre es auf jeden Fall. Eine Bewegungsberatung mit dem Fitnesswegweiser dauert länger als die Ausstellung eines Krankengymnastik-Rezeptes. Wenn die Ärzte für diese Beratung ein paar Euro bekommen würden, wäre das sicher ein Anreiz.

Sie selbst halten sich durch Tennis und Fahrradfahren fit. Was würden Sie  Menschen, die noch gar kein Sport treiben, mit auf den Weg geben?
Immer langsam beginnen! Ganz nach dem Motto: „Lieber lange und locker als  kurz und kräftig“. Auch wenn man am Anfang enttäuschend wenig leisten kann,
merkt man doch sehr schnell, dass man sich steigert. Außerdem rate ich jedem, sich etwas zu suchen, das ihm Spaß macht. Nicht jeder läuft gerne, aber vielleicht ist Schwimmen das Richtige. Außerdem hilft es, Sport mit Leuten zu treiben, die ähnliche Probleme haben. Wenn jemand sagt: „Ich bin so dick, ich möchte mich nicht zeigen“, kann er sich eine Gruppe suchen, in denen auch andere Teilnehmer Probleme mit Übergewicht haben.

Die Fragen stellte Isabell Boger

Es wirkt!

Studie zum "Rezept für Bewegung"

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Beratungsleitfaden inkl. Serviceplattform SPORT PRO GESUNDHEIT
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